1 Monat Seoul und Ausflüge in Mapo-gu

Innerhalb von Hongdae ziehen wir um und verbringen mehr Zeit mit uns als mit dieser riesigen Stadt Seoul. Aber das Infektionsgeschehen in Südkorea verbessert sich von Tag zu Tag und wir freuen uns auf die Erlaubnis, endlich wieder reisen zu können. Solange unternehmen wir Ausflüge in Mapo-gu.


Unterkunft in Seoul und das Erlebnis Supermarkt

Nach mehr als zwei Wochen in unserer ersten Unterkunft im „Souterrain“ (wie es so schön heißt) ziehen wir nun innerhalb von Hongdae um. Das Appartement liegt etwas näher am Han, dem großen Fluss, der durch Seoul fließt. Die Suche war sehr, sehr zäh. Während der letzten Woche haben wir jeden Tag mehrere Stunden bei den gängigen Portalen im Internet verbracht. Dabei sind unsere Anforderungen nur zu öffnende Fenster, ein Tisch und eine Kochgelegenheit… Fairerweise muss man dazu sagen, dass die zahlreichen Hostels in der momentanen Zeit leider nicht als Unterkunft in Frage kommen. Gemeinschaftsküchen und geteilte Wohnbereiche eignen sich nicht gerade für die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln. Nahezu alle Hostels in Seoul sind geschlossen.

Da das neue Appartement in der Nähe eines großen Supermarktes ist, nutzen wir die Gelegenheit und machen erst einmal einen Großeinkauf. Wobei das „Groß“ eher für den Preis als für die gekaufte Menge steht – es sei denn, man kauft Fertignudeln mit Zusatzstoffen in Plastikverpackungen. Das ist mit das einzige Lebensmittel, was im Supermarkt sehr günstig ist (abgesehen vom lokalen Alkohol Soju *grins).

So sieht es in unserem Einkaufswagen aus: Ein 2 kg-Beutel Äpfel für knapp über 10 €, 500g Haferflocken kosten etwa 4 €, eine Packung Nudeln mit einem Glas Soße für fast 6 €, 1 kg Reis für 4 € … Insbesondere Obst und Gemüse sind extrem teuer. Da sind wir aus Thailand noch sehr verwöhnt! Vielleicht müssen wir demnächst mal den Stadtteil wechseln und einen lokalen Markt suchen – wenn die Einschränkungen dies zulassen…. Dann hätten wir vielleicht auch eine größere Auswahl, denn für uns fallen viele Produkte weg, da wir einfach keine einzeln verpackten Möhren, Brötchen oder die bereits erwähnten Fertignudeln in Plastikboxen kaufen möchten.

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ja, ernsthaft: 5 Scheiben Zucchini oder 10 Möhren-Stückchen einzeln verpackt für etwa 1,20 €

Alltag in Seoul ohne Sehenswürdigkeiten, Bars, Restaurants…

Auch wenn wir keinen täglichen Statusbericht zu unserem Gesundheitszustand mehr in die Tracking-App der koreanischen Regierung eintragen müssen, halten wir die Zeit außerhalb der Wohnung weiterhin gering, da dies die Empfehlung der Regierung ist. Öffentliche Verkehrsmittel sollen weiterhin nur zu notwendigen Zwecken verwendet werden. Es soll erst dann Lockerungen geben, wenn es über zwei Wochen täglich weniger als 50 Neuinfektionen im Land gibt – check: Es sind derzeit 20 – 30 pro Tag – und die Infektionsketten für mindestens 90% der Fälle nachverfolgt werden können, was derzeit „nur“ für 82% der Fälle gegeben ist. Also heißt es weiter Kontakte zu vermeiden und Abstand zu halten.

In den ersten Tagen in der neuen Unterkunft nutzen wir die viele Zeit in der Wohnung für das kürzlich begonnene Achtsamkeitstraining von Jon Kabat-Zinn. Der von ihm entwickelte MBSR-Kurs (Mindfulness-Based Stress Reduction bzw. Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) dauert acht Wochen und besteht aus verschiedenen täglichen Übungen. Ein sehr wirksames Mittel, um ein achtsameres Leben zu führen, ist die Atembeobachtung. Also üben wir bewusst zu atmen und versuchen uns in täglichen Meditationsübungen, zum Beispiel der Sitzmeditation. Bei dieser Übung soll nichts erreicht werden, sondern lediglich der eigene Atem achtsam beobachtet werden – gar nicht so einfach zu Beginn…

Zwischendurch, immer wenn die Unruhe zu groß wird, gehe ich (Thomas) kurz raus, um uns einen kleinen Snack zum Essen zu besorgen. Das ist auch gar nicht so einfach… Manchmal ist die Hoffnung größer als der Verstand und ich suche zum x-ten Mal nach doch noch vorhandenen fleischlosen Alternativen. Eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung sehen wir in Südkorea als sehr schwierig an. Möglich ist dies nur, wenn ihr selbst kocht und auch dann wird die Ernährung sehr einseitig sein.

Außerhalb der großen Supermärkte läuft es bei uns dann meistens auf (Samgak-) Gimbap hinaus, ein gefüllter Reissnack, der mit Algen-Blättern umwickelt ist, entweder als Reisrolle oder in Dreieckform. Die gibt es nämlich manchmal, wenn man lange sucht und mit viel Glück auch vegetarisch! – wobei wir uns auch schon Algendreiecke mit Fisch gekauft hatten, in denen dann trotzdem noch Fleisch drin war. Unsere Verzweiflungs-Alternative ist Eis… *haha. Das gibt es in jedem der zahlreichen Convenience-Stores an jeder Straßenecke zu kaufen, hilft uns bei der eigentlich Essensversorgung aber natürlich auch nicht weiter. Ist Südkorea jetzt kulinarisch so schlecht? Nein, wenn man auf Fleisch und BBQ steht, definitiv nicht.

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Gimbap als koreanischer Mittagssnack in Seoul

Unsere Wohnung ist relativ ruhig gelegen, obwohl zwei Straßen weiter ein belebtes Ausgehviertel ist. Allerdings befindet sich direkt gegenüber eine Gesangschule und wir hören häufiger mehr oder weniger gelungene Gesangseinlagen. Zumeist ist es ganz lustig, manchmal übermannt uns aber auch der Lagerkoller und wir würden in solchen Momenten gern den Ton ausstellen… Ansonsten nutzen wir unsere Zeit, um mit der Familie und Freunden zu sprechen. Wir freuen uns riesig über Nachwuchs im Freundeskreis und sind gleichzeitig ein wenig traurig, in solchen Momenten so weit weg zu sein. Das gehört leider zu den Schattenseiten einer Weltreise, auch wenn uns dies natürlich im Vorhinein bewusst war.


Kirschblüten-Regen und buntes Seoul bei Nacht

Am vierten Tag in unserer neuen Unterkunft drehen wir erstmals eine Runde durch unser neues Viertel. Es ist zwar immer noch der gleiche Stadtteil Hongdae, aber es sind doch alles Straßen und Geschäfte, die wir vorher noch nicht gesehen haben. Da es recht windig ist, wirbeln die Kirschblüten umher, was wunderschön aussieht.

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Bars und Restaurants in Hongdae-Hapjeong
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schöne Atmosphäre zwischen kleinen Läden und Lokalen
Weltreise 2020 Suedkorea Seoul mapo-gu Hapjeong Frankreich Hype french cafe
eines der vielen hippen „französischen“ Lokale
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die Speisekarte ist übersichtlich: Rinder-Brust, Rib-Eye oder verschiedene Körperteile vom Schwein…
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… so geht korean dining und BBQ

Am nächsten Abend braucht auch Jenny mal frische Luft und macht einen nächtlichen Spaziergang durch das Viertel. Respekt an alle, die gerade im Lockdown sind und ihre Wohnung gar nicht mehr oder nur noch zu bestimmten Tagen und Uhrzeiten verlassen dürfen. Wir sind dankbar, dass solche Maßnahmen in Südkorea nicht erforderlich sind. Die zahlreichen Seitenstraßen auf dem Weg zum Han Fluss sind mit Restaurants und Bars gefüllt und relativ gut besucht (aber natürlich nicht ansatzweise so, wie zu normalen Zeiten). Jedenfalls ist es schön, mal wieder unter Menschen zu sein, wenn auch mit Maske und Abstand.

Zurück in der Unterkunft bringen wir unser Achtsamkeitstraining voran. Die nächste Übung ist der sogenannte Bodyscan. Dabei wird die Aufmerksamkeit nacheinander auf die verschiedenen Körperteile gelenkt. Man spürt in den Körper hinein und beobachtet, was jetzt gerade ist, ohne es zu bewerten oder zu beurteilen. Wir kämpfen zunächst mit Langeweile und Müdigkeit während dieser Übung, sind aber zuversichtlich, dass sich dies mit der Zeit bessert. Später starten wir zum ersten Mal das Online-Singen von Hamburg Singt (korrekt: Der Norden Singt Zuhause). Für alle, die es kennen: „…dor secht wi moin, secht wi moin, secht wi moin, moin, moin… “ *haha. Jenny ist anschließend richtig fröhlich. Bei mir überwiegt noch etwas mehr der Lagerkoller, aber ein wenig hilft mir die Musik auch.

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belebt, aber immer noch ruhig in den Bars am Abend
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nächtlicher Spaziergang durch Hongdae-Hapjeong

Yeouido Hangang Park

Heute, nach fast einer Woche, machen wir endlich wieder einen Ausflug. Wir möchten zum Hangang (Han Fluss) und anschließend auf die andere Uferseite in den Yeouido Hangang Park. Unter anderem gibt es dort eine mehr als 1,4 km lange Straße, die gesäumt ist mit Kirschbäumen. Dort findet in normalen Zeiten alljährlich ein Kirschblütenfest mit deutlich mehr als einer Million Besucher statt. Heute werden wir jedoch genug Platz haben, da es mitten in der Woche ist und die Kirschblüte schon fast verblüht ist.

Zunächst beginnt der Tag mit einer kleinen Erinnerung an unser altes Zuhause – wir kommen am Café Moin vorbei. Lustig, was es so alles gibt in Seoul…

In Richtung des Hangang ist es mal wieder recht hügelig. Der riesige Fluss, mit einer Breite von mehr als einem Kilometer, ist echt beeindruckend. Die beiden Ufer sind mit zahlreichen großen und optisch sehr interessanten Brücken verbunden. Am Nordufer des Flusses, Richtung Stadtzentrum, sind die auf verschiedenen Ebenen angeordneten Highways markant, während direkt am Ufer Wege für Fahrradfahrer und Jogger angelegt sind. Die allgegenwärtigen Fitnessstationen sind auch hier gut frequentiert. Wir gehen über die Seogang Brücke, die mit ihrem markanten roten Bogen auch häufig in südkoreanischen Filmen und Serien zu sehen ist. Wir genießen die Aussichten auf Seoul: Vor uns befinden sich die Hochhäuser des Finanzdistrikts und etwa in der Mitte der Brücke überqueren wir die kleine und nicht zugängliche Insel Bamseom, auf der viele Vögel nisten.

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Bar-Restaurant gegenüber unserer Unterkunft
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Szene-Shopping im Bezirk Mapo-gu
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Spaziergang entlang des Parks am Han-Ufer
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Highway-Wirrwarr auf mehreren Etagen
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auf der Seogang Brücke über den Han Fluss

Am anderen Ende der Brücke angekommen, stehen wir direkt im Yeouido Hangang Park. Auf einem angelegten Platz erblicken wir zahlreiche Kinder und Jugendliche, die mit ihren Skateboards fahren und herumspringen, und insgesamt viele Südkoreaner beim Sport. Genau, auch hier sind wieder zahlreiche Fitnessgeräte aufgestellt und werden fleißig genutzt. Außerdem haben wir natürlich permanent einen tollen Blick auf Seoul, den Seoul Tower im Namsan Park und die nicht enden wollende Anzahl an Hochhäusern. Der Ausflug in Mapo-gu beginnt imposant.

Der Yeouido Hangang Park liegt auf der Halbinsel Yeouido und dort sind neben dem Park unter anderem die Nationalversammlung Südkoreas sowie das Bankenviertel Seouls beheimatet. In der aktuellen, vom Virus beeinflussten, Situation ist der Besuch des Hangang Parks vielleicht nicht ganz so schön wie sonst, da zum Beispiel die verschiedenen Springbrunnen und Wasserspiele trockengelegt sind und auch Fahrräder derzeit nicht ausgeliehen werden können. Trotzdem sind wir froh über unseren Ausflug und mögen die Stimmung im Park. Das scheinen die Einwohner genau so zu sehen, Südkoreaner liegen in ihren Zelten auf den Wiesen, auf einer Decke direkt am Ufer, spazieren am Fluss entlang, Familien picknicken, Kinder spielen – hier kommt das Leben definitiv wieder etwas zurück in dieser riesigen Stadt.

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eine schöne Pause auf dem Weg zum Yeouido Hangang Park
Weltreise 2020 Suedkorea Seoul Ausfluege Hangang Park Sportpark skaten
Sport-Klamotten sind sehr angesagt, auch wenn man am Ende damit nur spazieren geht…
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die schwimmende Bühne am Hangang ist normalerweise ein Publikumsmagnet…
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am Hangang-Ufer mit Blick auf das Zentrum von Seoul

Wir möchten auf unserem Ausflug natürlich auch die 1,4 km lange Straße mit den Kirschbäumen ansehen und hoffen, dass doch noch möglichst viele Bäume blühen. Auf dem Weg zu dieser Straße entdecken wir einen kleinen überdachten Platz mit Bänken und Speisekarten von diversen Lieferdiensten. Als wir uns noch kurz wundern, was das ist, kommt gerade ein Roller mit einer Essenslieferung angefahren. Da der Pavillon nummeriert ist, gehen wir davon aus, dass es mehrere dieser Stationen entlang des Flusses gibt. Ein fest eingerichteter Platz für Essenslieferungen ist doch mal eine kreative Idee, die hier auf jeden Fall gut angenommen wird.

An der Straße mit den zahlreichen Kirschbäumen angelangt, werden unsere Hoffnungen nicht wirklich erfüllt. Die meisten Kirschbäume sind schon verblüht und die Blätter dominieren an den Bäumen. Schade, aber einige wenige Bäume mit vielen Kirschblüten können wir noch entdecken und stellen uns vor, wie es in voller Blüte aussieht. Und es ist in der aktuellen Zeit trotzdem die richtige Entscheidung gewesen, nicht vor einer Woche hierher gekommen zu sein. Neben der Kirschblüte sehen wir noch zahlreiche andere blühende Pflanzen und es kommen wieder Frühlingsgefühle auf.

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Parkplatz für Essenslieferungen am Han Ufer
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Spaziergang unter den – kaum noch – blühenden Kirschbäumen
Weltreise 2020 Suedkorea Seoul Hangang Park Kirschbluete cherry blossom
Dieser Anblick auf 1,4 km Länge begründet auf jeden Fall ein eigenes Festival!

Bald wird es dunkel und die Temperatur fällt schnell zu dieser Jahreszeit. Da wir wieder zurück über den Hangang müssen, machen wir uns auf den Weg nach Hause. An der Nationalversammlung und am kleinen Yachthafen vorbei geht es hoch zur nächsten Brücke – vorbildlicherweise nehmen wir die Treppe und nicht den Lift… um dann zu merken, dass es nur eine Bahnbrücke ist und Fußgänger dort keinen Platz finden. Naja, immerhin haben wir einen schönen Blick auf das mittlerweile nächtliche Seoul und etwas für unsere Fitness getan. Also geht es wieder runter, weiter zur nächsten Brücke und wieder hoch. Über die Yanghwa Brücke führt ein Fußweg und die Brücke sieht mit ihren wechselnden Farben auch noch schön aus. Müde und kalt kommen wir später nach Hause – und sind glücklich über den Ausflug.

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Streetart am Ufer des Hangang
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National Assembly Hall in Seoul, der Standort der Nationalversammlung
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Blick auf die National Assembly Hall und die Skyline von Seoul
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die Yanghwa Brücke und die Wohnhochhäuser von Mapo-gu
Weltreise 2020 Suedkorea Seoul Ausfluege Hangang Park Yanghwa bridge
Rückweg über die angeleuchtete Yangwha Brücke

Schock auf Weltreise

Die nächsten Tage sind wir wieder in unserer Unterkunft und ein Thema nimmt mal wieder viel Raum ein… was wohl!? Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen sind nur noch drei Tage gültig und wir warten auf neue Infos der Regierung. Unsere Hoffnung liegt natürlich auf einer deutlichen Lockerung der Maßnahmen. Schließlich fallen die Neuinfektionszahlen Tag für Tag und von knapp 100 zu Beginn unserer Zeit in Südkorea auf heute gerade einmal 18 Fälle! Da wir aber bisher noch nichts genaues wissen, verlängern wir die Unterkunft um weitere zwei Tage.

Ja, so läuft unsere Reise derzeit ab. So fremdgesteuert hätten wir uns unsere Weltreise nie vorstellen können. Trotzdem sind wir dankbar, dass wir in Südkorea sein dürfen und wir fühlen uns hier sicher und gut informiert. Auf einmal erleben wir einen Schock!! Die von Südkorea ausgestellten Einreisegenehmigungen sollen unwirksam werden! Was??? Das löst Trauer und Frust zugleich aus. Das kann doch nicht wahr sein!!! Wo sollen wir denn dann hin? Wir verfallen gleich in Aktionismus und durchsuchen die Internetseiten der koreanischen Regierung und Ministerien. Auf Anhieb finden wir keine ausreichenden Detailinfos dazu. Wir haben Sorge, dass man uns bei der Ausreise festhalten könnte, weil wir illegal im Land geblieben sind.

Mit der Zeit sind wir uns aber immer sicherer, dass wir hier in Südkorea bleiben dürfen. Das rückwirkende Unwirksamwerden bezieht sich wohl nur auf bestimmte Visatypen. Da wir ohne Visa, nämlich mit einer Einreisegenehmigung (on arrival), ins Land gekommen sind, denken wir, dass wir nicht betroffen sind. Wir entscheiden, uns auf die deutsche Botschaft in Seoul zu verlassen, die diese Einschätzung auf ihrer Internetseite genauso beschreibt. OK, denken wir positiv…

Auch am letzten Tag der aktuellen social distancing Kampagne gibt es noch keine Informationen, wie es ab morgen weitergehen soll. Nun gut, es ist Sonntag. Vielleicht wird die Regierung die von uns erhofften Lockerungen erst nach dem Wochenende verkünden, damit die aktuellen Beschränkungen über das Wochenende noch diszipliniert umgesetzt werden. Ohne neue Infos geht es somit am Sonntagabend ins Bett…


Reisefreiheit in Südkorea und christlicher Schrein am Hangang

Der Montag beginnt und unser erster Blick geht natürlich wieder ins Internet – gibt es endlich Neuigkeiten von der Regierung? Ja, es gibt sie! Und sie sind sehr positiv für uns! Einige Lockerungen wurden vorgenommen und für uns entscheidend: Das Reisen ist wieder erlaubt. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen wieder uneingeschränkt, natürlich mit Abstandhalten und Maske, benutzt werden. Wir sind überglücklich.

Sofort setzen wir uns an die Unterkunftssuche, die uns zuerst wieder nur fensterlose Villen ausspuckt. Falls ihr mal in Südkorea ein Appartement oder ähnliches sucht, lasst Euch von dem Wort Villa nicht in die Irre führen. Das ist ein konglish (korean-english)-Wort und meint ein sehr kleines Appartement in der Innenstadt, welches nah an einer U-Bahn-Station gelegen ist. Mit einem luxuriösen Haus hat eine Villa also in Korea nichts zu tun! Nach langem Suchen finden wir eine Unterkunft nahe der Dongdaemun Design Plaza (ddp), in einem anderem Stadtteil von Seoul, Gwanghuidong, der sich sehr spannend und interessant anhört.

Heute möchten wir den letzten Tag in Hongdae nutzen und einen Auslfug zum Jeoldusan Martyrs‘ Shrine machen. Über die Verwendung des Wortes Schrein, hatten wir bereits hier berichtet. Diesmal ist es sogar eine christliche Stätte, und auch hier wird das Wort Schrein gewählt, um die höchste Anbetungsstätte zu beschreiben. In Südkorea sind übrigens etwa 30 Prozent der Bevölkerung Christen. Es gibt mehrere Megakirchen in Südkorea, darunter auch Pfingstgemeinden. Die größte megachurch ist die Yeouido Full Gospel Church, die wöchentlich etwa 480.000 Besucher zählt (Krass!). Da die Kirchen in der aktuellen Situation jedoch stark zu der Verbreitung des Virus beitragen, halten wir uns dort lieber fern. Bis zu unserem heutigen Ziel, dem Jeoldusan Martyrs‘ Shrine, ist es nur ein kurzer Weg in Richtung des Han Flusses und durch einen kleinen Park.

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der neue Highway überragt die traditionelle Wohnbebauung
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auch die Koreaner finden Gefallen an den leuchtenden Blüten

Auf dem Areal des Schreines sind kleine Gärten mit zahlreichen Pflanzen angelegt, die uns gut gefallen. Auffällig sind zudem die vielen verschiedenen Skulpturen, ob von Mutter Theresa, Papst Johannes Paul II. und einigen südkoreanischen Katholiken. Im Hauptgebäude, was optisch eher… sagen wir mal… schlicht ist, finden sich noch ein Museum und eine Wallfahrtskirche. Der Schrein ist ein heiliger Ort für die Südkoreaner und erinnert an die Verfolgung der Katholiken in der Vergangenheit. Dies fällt uns auch an der ehrfürchtigen Haltung der wenigen Besucher auf. Wir möchten diese in ihrer Verfassung nicht stören und belassen es dabei, uns ein wenig die Gärten anzusehen.

Weltreise 2020 Suedkorea Seoul Ausfluege Mapo-gu Jeoldusan Martyrs' Shrine
auf dem Gelände der Gedenkstätte des Schreins
Weltreise 2020 Suedkorea Seoul Mapo-gu Jeoldusan Martyrs' Shrine
der Jeoldusan Martyrs‘ Shrine in Seoul
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Gedenkstätte auf dem Gelände des Jeoldusan Martyrs‘ Shrine
Weltreise 2020 Suedkorea Seoul Mapo-gu Ausflug Jeoldusan Martyrs' Shrine Garten
das riesige Gelände und die Gärten des Jeoldusan Martyrs‘ Shrine

Zum Abschluss unseres Ausfluges gibt es noch einen Funfact zum Thema öffentliche Toiletten. Nebenbei bemerkt, sind diese überall in Seoul zahlreich zu finden, immer sauber und immer kostenlos. Das ist auf jeden Fall super! Gewöhnungsbedürftig dagegen war die Seifeam Stiel… Am Anfang fanden wir das ziemlich unhygienisch, die Seife mit allen anderen Menschen zu teilen. So sieht das dann aus:

Weltreise 2020 Suedkorea Seoul public toilets Seife am Stiel
auf den öffentlichen Toiletten in Seoul: Seife für alle!

Wieder zuhause in der Wohnung versuche ich mich daran, Nurungji (rice crust) selbst zu machen. Dazu vermischt man etwas fertig gekochten Klebereis mit einem kleinen bisschen Wasser und verteilt es in der Pfanne. Das Gemisch wird plattgedrückt und schön langsam angebraten, bis sich eine goldbraune Kruste bildet. Dann wendet man den Fladen und wartet wieder etwa 10 Minuten auf die goldbraune Kruste und schon ist der leckere Zwischensnack fertig. Mmmh, warm schmeckt es sehr gut! Den Abend lassen wir ruhig ausklingen und morgen geht’s los zur neuen Unterkunft und zur Entdeckung eines neuen Teils von Seoul.


Krass, mehr als vier Wochen sind wir nun schon in Seoul. Wie ist Euer erster Eindruck der Stadt – mit Ausgangsbeschränkungen? Wir freuen uns jedenfalls riesig auf die neue Unterkunft in Dongdaemun und ein bisschen Sightseeing im Zentrum. Kommt ihr mit? Viele Grüße, Thomas

2 Kommentare

  1. Das freut uns sehr, dass dir unsere Berichte gefallen. Vielen Dank für das treue Lesen und Kommentieren! Uns geht es in Italien gut. Wir sind dankbar, dass wir hier reisen können – wenn auch mit einigen Einschränkungen. Danke, Dir bzw. Euch wünschen wir auch gesunde und ruhige Weihnachtstage und alles Gute.

  2. Danke für Eure Berichte, die ich immer wieder mit Interesse lese. Ich wünsche Euch, dass Ihr auch in Italien glücklich seid und das Ihr trotz der Corona-bedingten Erschwernisse schöne Erlebnisse habt. Schöne Weihnachtstage und für 2021 alles Gute.
    Marianne

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