Von Sibirien nach Bangkok – alles scheint möglich | UnterwegsSein 5
Wieviel Freiheit finden wir in der Hitze von Thailands Hauptstadt Bangkok? Vom sibirischen Winter landen wir im trubeligen, heißen Bangkok. Für uns fühlt sich die Zeit an, wie ein neuer Abschnitt unserer Weltreise. Überglücklich und absolut sicher, dass das Chaos jetzt hinter uns liegt, erkunden wir eine für uns neue Kultur…
Unser fünftes YouTube-Video ist online! Die Story und Links zu unseren Erlebnissen in Bangkok findet ihr hier.
… übrigens ist es Teil der Serie: UnterwegsSein
Hier kannst du dir das Video „Von Sibirien nach Bangkok – und alles scheint möglich“ angucken:
Für alle, die lieber lesen, statt zu gucken – oder nachträglich noch einmal lesen möchten – ist hier der Beitrag zum Video: Von Sibirien nach Bangkok – und alles scheint möglich. Und natürlich auch für uns selbst. Denn unser Blog ist einfach unser digitales Wohnzimmer. Also darf dieses neue Kapitel unserer Weiterentwicklung auf Reisen hier natürlich nicht fehlen!
Reise & Mindset Serie: UnterwegsSein
Schon seit Ewigkeiten haben wir für uns den Wunsch formuliert, auch bei YouTube präsent zu sein. Wir lieben es, klassische Reisethemen mit der Reise zu uns selbst zu verbinden und gleichzeitig etwas zurückzugeben. In drei Worten: Reisen. Wachsen. Wirken.
So haben wir zu unserem Format gefunden: Eine Serie auf YouTube, in der wir alle unsere Reiseziele zeigen und Euch erzählen, was diese Reisen mit uns gemacht haben. Wir teilen unsere innere Reise und unsere Learnings mit Euch. Herzlich willkommen!
Herzlich willkommen bei „Von Sibirien nach Bangkok – und alles scheint möglich“
Wir wollten in den Schnee nach Japan und landeten dann mit unseren Winterschlafsäcken in der Hitze Thailands. Heute zeigen wir Euch, warum innere Stabilität so viel wichtiger ist als der perfekte Plan. Denn als wir aus Russland ausreisen mussten, gab es für uns nur noch die Option nach Bangkok zu fliegen. Und auch wenn es überhaupt nicht geplant war, fühlen wir uns jetzt hier richtig gut. Wir lieben es durch die Stadt zu laufen und sind richtig angekommen. Es fühlt sich an wie ein neues Kapitel auf Weltreise und wir sind uns sicher, das Chaos liegt hinter uns.
Gedanken zu unserer Reise nach Bangkok
Jenny:
Für mich war die Zeit in Bangkok richtig schön. Ich habe mich sehr auf die Stadt gefreut und wollte schon seit Jahren nach Bangkok. Irgendwie hat es nie geklappt, aber jetzt sind wir ganz unverhofft da gelandet. Abgesehen davon, dass die Stadt mich total fasziniert hat, kann ich sagen, dass die Zeit auch mit, ich habe das Arbeitsaufträge an mich selber genannt, geprägt war. Also, dass ich irgendwie so Erkenntnisse hatte, aber noch keine Lösung oder Aha-Erlebnis, was ich jetzt für mich gelernt habe. Sondern eher: Okay, da darf ich jetzt wirklich nochmal hingucken.
Was ist mein Wert?
Jenny:
Die erste dieser Erkenntnisse hatte ich direkt nach der Anreise, als wir im Hotel angekommen sind und diese Erleichterung gespürt haben, dass wir es jetzt geschafft haben. Denn die Anreise war wirklich anders als jemals zuvor. Es gab viele Vorschriften und Regularien, wie man sich zu verhalten hat und wer, wie wo hin darf. Das alles war so sehr im Außen, dass ich dachte, okay, wie funktioniert diese ganze Welt und unser System, in dem wir leben und was macht das mit dem einzelnen Menschen?
Ich habe mich so abhängig und kontrolliert gefühlt vom Außen, was dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, was der einzelne und damit ich selber auch überhaupt wert bin.
Und das fand ich schön, diese Erkenntnis, dass das doch wirklich nicht sein kann, dass ich mich so vom Außen messen lasse. Aber in meinem alten Leben in Hamburg dachte ich oft, ich bin irgendwie die Freundin, die Tochter, die Chefin, Kollegin, was auch immer und habe in dieser Rolle dann funktioniert und Leistung gebracht und die Erwartungen der anderen erfüllt. Ich dachte, dass ich dann gut genug oder liebenswert bin, weil ich diese Erwartung erfülle, weil ich dann ja für die anderen einen Mehrwert haben muss.
Aber dass ich so diesen Wert auch in mir tragen könnte, dass ich alleine, weil ich ich bin auch einen Wert habe und dass das natürlich für alle Menschen auf der Welt gilt, das habe ich nicht gesehen. Beziehungsweise bei den anderen vielleicht schon, aber bei mir selber nicht.
Deswegen denke ich gerne an diese Situation und an diese Zeit zurück, weil ich aus diesem ganzen Chaos, was im Außen war, immerhin diese wichtige Erkenntnis für mich mitgenommen habe. Und ich den Arbeitsauftrag für mich gespeichert: Was bin ich wert unabhängig vom Außen?
Eigenverantwortung und Intuition
Thomas:
Bangkok, diese trubelige laute Stadt voller Lichter, Leben und Mopeds hat mir zwei Learnings beschert, die interessanterweise nur mit meinem Innen zusammenhängen.
Das erste Learning würde ich mit den beiden Begriffen Selbstwahrnehmung und Eigenverantwortung beschreiben. Thailand ist, auch wenn wir schon wirklich viel gereist sind, für mich eine gänzlich neue Erfahrung. Zum ersten Mal verstehe ich wirklich überhaupt nichts von der Sprache. Ich kann nichts lesen und auch die Gestik und Mimik der Menschen ist mir ziemlich fremd. Im Vorfeld hatte ich da überhaupt nicht drüber nachgedacht, auch gar keine Ängste.
Ich habe gemerkt, dass mir diese Punkte im Außen sehr viel Orientierung geben und das im ersten Moment auch zu einer Hilflosigkeit bei mir geführt hat (weil es in Bangkok eben nicht so war). Aber dann habe ich mich zentriert und habe gemerkt, dass ich mich dann einfach mehr in die Eigenverantwortung begebe. Also wie nehme ich eine Situation wahr? Wie ist meine Intuition? Und dann darf ich selber entscheiden, wie ich die Situation annehme und was ich aus dieser Situation mache.
Früher habe ich diese Entscheidungen oft vom Außen treffen lassen und mich da aus dieser Verantwortung genommen. Das war für mich in Bangkok perfekt, um das anders zu üben. Selbst wenn es nur so banale Sachen sind, wie bei einfachen Gesprächen zu verstehen oder zu versuchen zu verstehen, was meint mein Gegenüber oder auch mal einfach das Essen auszuwählen.
Ich durfte einfach mich oder meine Wahrnehmung schulen und auf mich vertrauen. Das finde ich eine schöne Erfahrung und ein schönes Learning aus der Zeit in Bangkok. Das ist für mich auch etwas, was das Reisen ausmacht, dass ich einfach in komplett andere Welten eintauche und da eben genau solche Erfahrungen machen darf.
Wo sind meine Gefühle?
Jenny:
Die zweite Erkenntnis in Bangkok kam auch recht schnell innerhalb der ersten Tage. Wir haben erst einmal gar nicht so viel gemacht, sondern sind bei uns im Viertel (Bezirk Suan Luang) durch die Straßen gelaufen und haben uns die Märkte angeguckt und die Tempel in der Umgebung. Da habe ich so gedacht, wow, ich bin so dankbar, erleichtert und so froh, dass ich jetzt hier sein darf. Also, dass es für uns noch möglich war und wir das jetzt so kennenlernen und entdecken dürfen.
Doch dann kam irgendwie die Erkenntnis, okay, ich habe das gedacht, aber warum fühle ich das denn eigentlich nicht? Auch interessant, dass dann auf einmal meine Gefühle in den Vordergrund kamen… Denn in Hamburg habe ich mich nie damit beschäftigt. Gefühle haben in den ersten 30 Jahren meines Lebens ehrlich gesagt, nicht so eine große Rolle gespielt. Höchstens, dass man die irgendwie nicht zeigen oder verstecken und verdrängen soll und sie nicht wichtig sind.
Und plötzlich laufe ich durch Bangkok und merke diese Diskrepanz zwischen Gefühl und Kopf. Ich denke, boah, ich bin so dankbar und froh, dass wir jetzt hier sind, aber ich fühle nichts. Es hat sich leer angefühlt in mir. Ja, das war also der zweite Auftrag an mich selber. So habe ich mir das in mein virtuelles Notizbuch geschrieben: Was ist da eigentlich passiert? Wie kann es sein, dass ich das nicht fühle und wo sind meine Gefühle? Wie bin ich in diese Situation gekommen, dass es jetzt so ist und vor allem natürlich, wie komme ich da jetzt wieder raus?
Ruhe ist mir wichtig
Thomas:
In Bangkok habe ich mir erlaubt nach innen zu gucken und gemerkt, dass ich überhaupt Bedürfnisse habe. Das klingt jetzt vielleicht komisch, weil Bedürfnisse natürlich jeder hat. Natürlich hatte ich sie vorher auch, ich habe sie halt einfach nur verdrängt, weil ich mich vom Außen habe leiten und beeinflussen lassen. In Bangkok habe ich da aber einen Schritt rausgemacht und das finde ich mega cool.
Früher wäre für mich klassisch gewesen: Okay, wir fliegen nach Bangkok. Was kann man da angucken? Tempel oder die Khao San Road. So hätte ich dann mein Bedürfnis bezeichnet: Ich muss das sehen, um in Bangkok gewesen zu sein oder um mitreden zu können. Jetzt war es aber anders.
Ich habe immer deutlicher gespürt, dass es ein Bedürfnis nach innerer Ruhe bei mir gibt. Dass mich vielleicht die vergangenen Monate mit den Weltreisevorbereitungen, dem Abenteuer Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn, Temperaturen von bis zu -25° und dem geplatzten Traum, als wir in Wladiwostok saßen und nach einem Monat Weltreise feststellten, dass es keine Fähren mehr gab, die uns nach Japan oder Südkorea gebracht hätten, dass mich das alles geschlaucht hat.
So habe ich mich sogar gut damit gefühlt, dass wir Bangkok erlebt haben, ohne diese klassischen Sehenswürdigkeiten zu sehen. Wir haben so schöne Ausflüge gemacht bei uns im Viertel, haben kleinere Tempel besucht, sind mit den (Khlong-) Booten gefahren und es war für mich einfach eine runde Zeit. Ich habe mich richtig gefreut da gewesen zu sein, und dieses Bedürfnis zu spüren. Das war auf jeden Fall ein Schritt in meiner Entwicklung, dass ich das überhaupt zugelassen habe. Mittlerweile kann ich diese Bedürfnisse immer besser erkennen. Aber Bangkok war da für mich schon ein Anfang und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.
Religion im Alltag
Jenny:
Was ich in Bangkok super schön fand, waren die Geisterhäuschen. Wahrscheinlich kennen es auch viele von Euch. Es ist so, dass wenn irgendwo ein Gebäude gebaut wird, dass man dem Glauben nach, den Geistern die man vertrieben hat, wieder beschwichtigen muss mit so einem Häuschen. Und dieses Haus muss immer schöner und prunkvoller sein als das Hauptgebäude, damit die Geister eben entschädigt werden und dahin gehen. Dann werden auch Opfergaben gebracht. Bei Banken, bei diesen riesigen Bankgebäuden mit modernen Glasfassaden, da stehen riesige pompöse Geisterhäuschen davor. Das ist wirklich beeindruckend und was dann alles als Opfergabe gebracht wird. Das fand ich einfach spannend, das kennenzulernen.
Und der zweite Punkt war, was wir in den Tempeln von Bangkok erlebt haben. Am Anfang haben wir ja ein bisschen außerhalb vom Zentrum gewohnt und haben da das Viertel zuerst erkundet. Dabei sind wir in den Tempeln immer eingeladen worden. Auch wenn gerade eine Zeremonie war und wir dachten, na ja, wir halten uns mal zurück, weil wir wollen ja auf keinen Fall stören. Als wir dann aber so herbeigewunken und eingeladen wurden, wir sollen doch dazu kommen, war es immer bunt und fröhlich und das kannte ich so vorher gar nicht, dass man die Religion oder den Glauben so auch leben kann. Insgesamt hat mich das dann dazu gebracht, für mich selber mal herauszufinden, was denn der Glaube in meinem Alltag und in meinem Leben für eine Rolle spielt.
Das Fremde bereichert mich
Jenny:
Dieser neue Blickwinkel, von dem ich gerade geredet habe, bezüglich dem Glauben, das kann ich auf viele Bereiche beziehen. In Bangkok habe ich sehr stark gemerkt, wie sehr das Fremde mich bereichert, weil ja alles neu war: Neue Gerüche, alles sieht anders aus, das Essen ist anders, die Kultur ist anders. Es hat mich einfach wieder so aus meinem Trott und aus der Gewohnheit rausgeholt.
Ich habe mich gefragt, was ist für uns in Deutschland normal? Wie machen wir die Dinge? Es hat sich für mich manchmal festgefahren angefühlt, so nach dem Motto, das macht man halt so oder so wird es vielleicht auch erwartet. Dann mal wieder zu sehen, dass es auch ganz anders möglich ist, das fand ich richtig schön. Genau das ist ja auch der Grund, warum wir reisen. Aber in Bangkok habe ich wieder erlebt, dass es wirklich so ist, dass einfach das Neue und Dinge zum ersten Mal zu tun, neue Dinge zu entdecken, dass mich das innerlich so sehr öffnet und bereichert. Ich finde es immer wieder spannend dahinzugucken, wie andere Menschen leben.
Welche Wahrheiten trage ich in mir?
Jenny:
Das letzte Learning von Bangkok passt zu dem davor, dass ich es einfach so spannend finde zu sehen, wie andere Menschen leben. An so vielen verschiedenen Alltagsszenen habe ich gemerkt, dass die Menschen offensichtlich eine ganz andere innere Überzeugung haben, dass sie vielleicht auch kollektiv andere Werte haben, andere Dinge glauben, über sich selber und über das Leben. Natürlich ist es so. Ganz klar. Es ist eine andere Kultur und es sind andere äußere Umstände.
Aber mein Learning war, mir das selber noch einmal klar zu machen, dass ich auch viele kollektive Wahrheiten aus Deutschland in mir trage, die vielleicht aber gar nicht meiner eigenen Wahrheit entsprechen. Und, dass es sich auf jeden Fall lohnt, da mal hinzugucken: Was trage ich eigentlich mit mir herum und was erzähle ich mir selber, obwohl es vielleicht gar nicht meine eigene Wahrheit ist.
Das Video zu diesen Gedanken und die gesamte UnterwegsSein-Playlist findest du auf unserem Kanal: weitglücklich@youtube
Guckt gerne vorbei, abonniert uns bei YouTube und kommentiert, was ihr zu unseren Erfahrungen sagt. Damit könnt ihr uns unterstützen, was uns sehr freut! Wir sind gespannt auf jedes Feedback.
Wie geht unsere Reise weiter und was erleben wir noch in Thailand? Wir freuen uns auf tolle Orte, Begegnungen und neue Learnings. Alles Liebe, Jenny und Thomas