Seoul Stillstand
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Seoul zwischen Stillstand und Hoffnung | UnterwegsSein 7

Überglücklich, voller Vorfreude und ein bisschen unsicher, erreichen wir Seoul… und landen zwischen Stillstand und Hoffnung. Die riesige Metropole Südkoreas schenkt uns eine unvergessliche Zeit mit vielen Learnings. Trotz Trubel im Außen finden wir sogar ein bisschen mehr zu uns selbst.


Unser YouTube-Video #7 ist online! Die Story und Links zu unseren Erlebnissen in Südkorea findet ihr hier.

… übrigens ist das Video Teil der Serie: UnterwegsSein

Hier kannst du dir das Video „Ankommen in Seoul – zwischen Stillstand und Hoffnung“ angucken:

Für alle, die lieber lesen, statt zu gucken – oder nachträglich noch einmal lesen möchten – ist hier der Beitrag zum Video: Seoul – zwischen Stillstand und Hoffnung. Und natürlich auch für uns selbst. Denn unser Blog ist einfach unser digitales Wohnzimmer. Also darf dieses neue Kapitel unserer Weiterentwicklung auf Reisen hier natürlich nicht fehlen!

Reise & Mindset Serie: UnterwegsSein

Schon seit Ewigkeiten haben wir für uns den Wunsch formuliert, auch bei YouTube präsent zu sein. Wir lieben es, klassische Reisethemen mit der Reise zu uns selbst zu verbinden und gleichzeitig etwas zurückzugeben. In drei Worten: Reisen. Wachsen. Wirken.

So haben wir zu unserem Format gefunden: Eine Serie auf YouTube, in der wir alle unsere Reiseziele zeigen und Euch erzählen, was diese Reisen mit uns gemacht haben. Wir teilen unsere innere Reise und unsere Learnings mit Euch. Herzlich willkommen!

Herzlich willkommen bei „Seoul – zwischen Stillstand und Hoffnung“

Nach Wochen voller Unsicherheit sind wir einfach nur froh, überhaupt noch irgendwo ankommen zu dürfen.

In diesem Video nehmen wir Euch mit nach Südkorea, wo wir wirklich erstmal durchgeatmet haben. Am Anfang haben wir viel Zeit in unserem Apartment verbracht. Es hat sich ein bisschen angefühlt wie ankommen, aber auch wie abwarten. Mit der Zeit haben wir dann die Stadt entdeckt und es war super spannend. Wir waren sofort verliebt in Seoul. Dennoch hat uns dieses Gefühl begleitet, dass insgesamt die Welt noch still steht.

Und in diese Phase dazwischen nehmen wir Euch mit, zwischen Stillstand und neuer Hoffnung.

Neue Denkmuster entwickeln

Jenny:

Meine Learnings aus Seoul sind sehr abwechslungsreich: Teilweise fröhlich, teilweise traurig und ernst. Und das spiegelt auch die Zeit in Seoul wider. Denn in Seoul haben wir wirklich alles entdeckt. Diese riesige Metropole hat uns fasziniert und dementsprechend bunt wird es diesmal.

Ich fange auch direkt am Flughafen an. Als wir nämlich in Südkorea gelandet sind, hat mich als erstes überrascht, dass ich überall ganz viele Comicfiguren gesehen habe und bunte Blümchen. Überhaupt war alles in bunten Farben.

Wir sind ja unverhofft in Südkorea gelandet und mein Bild war, das einzige, was ich ehrlicherweise hatte, dass Südkorea eine sehr krasse Leistungsgesellschaft ist. Also, dass viel Druck herrscht und sehr viel gearbeitet wird. Und die Wirtschaft ist ja in den letzten Jahrzehnten wirklich sprunghaft gewachsen. Deswegen hat es für mich am Anfang nicht zusammengepasst: Wir haben Geschäftsleute gesehen, die auf ihrem Koffer irgendeine pinke Comicfigur hatten oder bunte Regenschirme mit irgendwelchen Bären und Mäusen drauf in allen möglichen Farben.

Klar, das ist alles nur im Außen. Das weiß ich schon auch. Aber ich fand es einfach cool, direkt zu erkennen, dass mein altes Schubladendenken, was ich aus Deutschland habe, dass man dann nicht seriös ist und man irgendwie eine bestimmte Farbe oder ein bestimmtes Outfit tragen muss, um als Geschäftsfrau oder Geschäftsmann seriös zu sein, dass ich das ablegen durfte. Ja, ich darf umdenken.

Fokus ausrichten

Jenny:

In der ersten Zeit in Seoul habe ich auf jeden Fall gelernt, wie wichtig es ist, meinen Fokus zu wählen. Denn am Anfang waren wir viel in dem Apartment und es gab Regeln und Vorsichtsmaßnahmen. Dementsprechend haben wir uns natürlich auch daran gehalten. Wenn wir schon zu Besuch sind, finde ich, dann sollte man das Land auf jeden Fall respektieren und so haben wir viel Zeit in der Wohnung verbracht, haben viel Nachrichten gehört und immer beobachtet, was im Außen gerade passiert.

Ihr könnt Euch vorstellen oder erinnert Euch selber: Es zieht wirklich einfach runter, wenn man das den ganzen Tag hört und sich den ganzen Tag damit beschäftigt. Dann denkt der Kopf ja gar nichts anderes mehr. Entsprechend haben wir dann angefangen, nach Onlinekursen und Seminaren zu suchen, die uns interessieren.

So haben wir zum Beispiel mit Innerer Kind Arbeit angefangen, weil das plötzlich online stattgefunden hat. Es hatte mich vorher schon interessiert. Da war das in der Nähe von Hamburg und plötzlich gab es das online und ich konnte das von Südkorea aus machen. Es hat mich einfach zurück in meine Mitte gebracht und mich glücklich gemacht. Ich habe gemerkt, dass es mir gut tut.

Genau. Deswegen fand ich es so schön zu merken, worauf richtest du deinen Fokus?

… Und an alle Hamburger, auch Hamburg singt, hat ja online stattgefunden. So haben wir von Seoul aus mitgesungen. Und ja, das ist natürlich jetzt nur ein kleines Beispiel am Rande, aber es zeigt doch: Ich kann trotzdem in jeder Situation in die Annahme gehen und gucken, was kann ich tun, damit es mir besser geht und was mich jetzt gerade in dem Moment glücklich macht. Anstatt einfach nur dazusitzen und mich zu beschweren und zu sagen, okay, es ist jetzt gerade alles blöd.

Verbindung zu mir

Jenny:

Eines der ersten Dinge, die wir in Seoul gemacht haben, als wir wieder rausgehen konnten, war, dass wir in der Nähe von der Wohnung im Park waren. Da waren wir sehr oft, auch weil wir noch nicht wirklich mit den U-Bahnen und so weiter gefahren sind, sondern nur fußläufig alles erkundet haben. Und dieser Park war so schön.

Nach dieser Zeit in der Wohnung hat sich das angefühlt wie im Paradies. Wir hatten Sonne, der Frühling kam langsam, alles hat geblüht, die Kirschblüte war überall, das fand ich wunderschön. Ich kann es gar nicht beschreiben, das war wirklich ein ganz neues Lebensgefühl.

Und dann gab es da in diesem Park noch so einen Barfußpfad, den haben wir dann natürlich auch ausprobiert. Dabei habe ich gemerkt, wie ich selber in Verbundenheit mit meinem Körper und mit mir gekommen bin. Nur durch das Sein in der Natur und mich selber zu spüren. Und das hatte ich vorher nie.

Klar, ich war in Hamburg beim Sport. Das war in der Rückschau betrachtet eher so automatisiert in meinem Alltag eingebunden, aber ich habe da nie meinen Körper oder mich gespürt. Ich habe das eher als Teil des Alltags abgespult. Und nun, in Südkorea habe ich entdeckt, wie schön es ist, in der Natur zu sein, barfuß die Natur zu fühlen, mich zu erden und wirklich in Kontakt mit mir selber zu kommen. Das hat mir gut getan.

Bedeutung von Achtsamkeit

Jenny:

Der erste größere Ausflug ging dann zu einem Tempel bei uns im Viertel. Und dieser Tempelbesuch hat sehr viel verändert. Erstmal wurden wir wieder super herzlich begrüßt und empfangen. Wir können uns gerne umgucken, die Gebetshalle besuchen und den großen Buddha. Ich finde es immer so schön, wenn da überhaupt gar keine Berührungsängste sind. Es war ja klar, wir kommen offensichtlich nicht aus dem asiatischen Raum und sind nicht buddhistisch gläubig. Wir haben auch gesagt, dass wir uns nicht so gut damit auskennen. Dann hat er uns noch vieles erklärt und es war einfach schön.

Was ich für mich gelernt habe, war diese Achtsamkeit, dass es im Tempel ja immer wieder um das Thema Achtsamkeit geht. Alleine schon beim Betreten der Anlage, dass es da eine hohe Tempelschwelle gibt, damit man einen großen Schritt macht und achtsam den Tempel betritt und nicht einfach so reinläuft. Und das zieht sich einfach durch, durch diesen ganzen Tempelbesuch und irgendwas hat das mit mir gemacht. Bei dem Thema Achtsamkeit habe ich jedenfalls gemerkt: Da steckt mehr für mich drin. Das hat mich so in den Bann gezogen.

Im Anschluss habe ich mich dann über das Thema informiert und sehr schnell zu John Kabat-Zinn gefunden, der ja auch ein Achtsamkeitsprogramm entwickelt hat. Das haben wir dann tatsächlich in Seoul für uns selber, in abgewandelter Form, gemacht. Es gab viele Atemmeditationen und Bodyscans, also, dass man gedanklich durch den Körper geht und die verschiedenen Körperteile fühlt.

Das war echt ein Gamechanger für mich. Es hat richtig was bei mir bewirkt. Danke an den Tempelbesuch, dass ich das da erfahren durfte und es da seinen Anfang gefunden hat.

Emotionale Verbindung zu mir selbst

Thomas:

Sind wir auf dem richtigen Weg oder gibt es diesen Weg überhaupt?

Die Frage habe ich mir häufiger gestellt in Seoul. In diesen 10 Wochen, die wir insgesamt dort waren, hatte ich viele Ängste und Zweifel in mir, ob die Entscheidung, auf Weltreise zu gehen, überhaupt die richtige war und auch, womit wir das überhaupt verdient haben. So war die Zeit in Seoul schon sehr intensiv. Gleichzeitig war es auch irgendwie skurril, dass wir in einer 20 Millionen Metropole sind und touristisch fast alleine dort.

In der Einleitung hatten wir bereits erwähnt, dass wir viel Zeit im Apartment verbracht haben in Seoul und neben irgendwelchen Live-Tickern oder Nachrichten, habe ich die Zeit auch genutzt, um nach innen zu gucken.

Sehr emotional war dabei das, was ich mit Innerer Kind Arbeit erlebt habe. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber mir hat dieses Tool in dem Moment wirklich sehr geholfen. Im Rahmen von Meditationen bin ich in meine Kindheit gereist und habe da noch einmal einige Situationen nachfühlen können. Das kannte ich vorher überhaupt nicht, dass ich diese emotionale Verbindung hatte, zu diesen Situationen. Als ich das erste Mal mit diesen Emotionen in Kontakt gekommen bin, da habe ich wirklich so viel geheult. Einerseits von der ganzen Trauer, die da auch hochgekommen ist, aber auch vor Freude, dass ich in diesen Kontakt gekommen bin.

Mittlerweile weiß ich natürlich, dass das nur die Spitze des Eisbergs war. Nur, es war ein erster Schritt und der hat mich wirklich glücklich gemacht in dem Moment.

Ich muss nicht perfekt sein

Thomas:

Anschließend zu dem ersten Learning, dass ich unterdrückte Anteile in mir entdeckt habe, möchte ich noch ein zweites Learning dieser inneren Reise teilen und zwar: Ich muss nicht perfekt sein.

Wenn ich daran zurückdenke, muss ich schon selber schmunzeln. Ich weiß nicht, ob ihr das auch kennt. Wie oft saß ich in den Meditationen und bin einfach eingeschlafen? Gerade in diesem acht Wochen Achtsamkeitstraining, was wir gemacht haben, gab es viele Meditationen, ob einfach nur sitzen und atmen oder andere geführte Meditationen. Es war eigentlich egal. Ich bin schon relativ regelmäßig dabei eingeschlafen, obwohl wir das tagsüber gemacht haben und nicht mitten in der Nacht.

Anfangs habe ich mich echt darüber geärgert. Es kamen auch Gedanken wie: Boh, jetzt bist du zu schlecht, um eine Meditation zu machen. Ich bin also so in Selbstvorwürfen hängen geblieben. Aber das war glücklicherweise nur die ersten paar Male und dann bin ich in die Annahme gekommen, frei nach dem Motto: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Dann konnte ich es auch wirklich annehmen und akzeptieren.

Ich finde es wichtig, diese Prozesse zu starten und in die Prozesse reinzugehen. Wenn man dann halt mal einschläft bei der Meditation, ja, dann ist es so. Dann macht man es beim nächsten Mal wieder und beim nächsten Mal wieder und irgendwann bleibt man wach und kommt zu sich. Ja, es ist okay, so wie es ist.

Ich richte meinen Fokus aus

Thomas:

Das nächste Learning ist eine Mischung aus dem Innen und dem Außen und lautet: Ich richte meinen Fokus aus.

Jenny hatte das eben schon mal erwähnt, dass es ihr ähnlich ging. Nur bei mir hat es sehr viel mit der Lautstärke zu tun. Ich hatte eine ähnliche Entdeckung schon in Bangkok und in Seoul ist mir das noch einmal sehr, sehr stark aufgefallen.

Die Stadt an sich ist so laut mit Comicfiguren, mit Popkultur und unzähligen Lichtern. Ich wurde überfrachtet mit Eindrücken im Außen. Trotzdem ist dieses Bedürfnis nach Innen zu kommen oder den Fokus nach Innen auszurichten, da so groß geworden. Und vielleicht ist das dieser Auslöser, dass es so laut ist. Dass ich merke, ich brauche auch den Fokus auf das Innen.

Beispielsweise sind wir in Gangnam, einem super belebten Stadtteil, eine Mall nach der anderen und keine 50 Meter später stehen wir in einer wunderschönen Tempelanlage mit absoluter Ruhe. Das ist so ein krasser Kontrast gewesen. Und den habe ich an mehreren Stellen erlebt, ob bei dem renaturierten Fluss, der mitten durch die Stadt führt, ob in den Gärten des Königspalastes oder auch in vielen anderen Tempelanlagen, die richtige Oasen der Ruhe in der Stadt sind. Jedenfalls habe ich richtig gemerkt, wie wichtig es mir geworden ist, den Fokus auch nach innen zu richten und, dass es mir einfach auch gut tut, das zu tun.

Verbundenheit mit der Natur

Jenny:

Worauf ich mich in Seoul gefreut habe, neben vielen anderen Dingen, weil Seoul wirklich faszinierend ist, ist der Medizinmarkt. Das ist ein riesiges Areal, wo ganz viele Naturprodukte verkauft werden, um damit zu heilen. Das sind Rinden, Wurzeln, Samen, Blüten, Blätter, getrocknete Fische und ganz viel Knoblauch – massenhaft, wirklich massenhaft. Der Marktbesuch war richtig toll und spannend. Wir haben mit so vielen Verkäufern gesprochen, die uns was gezeigt haben, erklärt haben, wofür irgendwas ist. Am Ende haben wir auch eine Rinde mitgenommen, womit wir Tee aufgekocht haben.

Ich finde es einfach toll, zu sehen, wie sehr die Menschen in Verbundenheit mit der Natur leben und ganz selbstverständlich von diesen Naturprodukten profitieren. Denn zumindest meiner Meinung nach: Solange es hilft, hat es auf jeden Fall auch eine Daseinsberechtigung. Und es ist natürlicher, sanfter und bekömmlicher für den Körper.

Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, wie sehr ich in Hamburg von dem Thema Natur entfremdet war.

Unser Umgang miteinander

Jenny:

Ein Thema, was mich in Seoul sehr sehr beeindruckt hat, ist das Thema Sicherheit. Denn wir haben uns so wohl gefühlt. Es war so entspannt für uns, mit unseren Wertsachen, den Kameras, durch die Stadt zu laufen, wie in keinem Land, wo wir bisher waren. Und die Koreaner machen das halt ebenso.

Wir sind zum Beispiel durch den Park gelaufen und auf einmal lagen da ein Handy und ein Schlüssel rum auf der Bank. Wir dachten erst, es hätte jemand verloren oder fragten uns, wie das da hinkommt. Dann sehen wir aber, dass 20, 30 Meter weiter einige Skateboard fahren. Sie haben einfach ihre Sachen da liegen gehabt. Wie cool ist das bitte, wenn das funktioniert!? Oder: Wir waren in einer Kneipe, wo Selbstbedienung war. Es kommen vier Leute nach der Arbeit rein. Alle legen ihren Laptop, ihr Handy, ihre Schlüssel auf den Tisch. Alles war draußen auf der Terrasse und sie gehen rein und holen sich was zu essen und zu trinken. Und es lag einfach da eine halbe Stunde oder so, bis die wieder da waren. Unvorstellbar…

Das habe ich vorher noch nie erlebt. In der Gesellschaft funktioniert es einfach, weil man es so macht. Es würde ein schlechtes Licht auf einen selber werfen, wenn man andere beklaut und Sachen wegnimmt.

In der gleichen Art und Weise schließen auch viele ihre Geschäfte ab. Obst- und Gemüsestände zum Beispiel, machen einfach ein Tuch drüber, dann hat der Laden geschlossen. Oder auch so kleinere Kiosks oder so, die keine richtige Eingangstüre haben. Die lehnen dann das Tor an und machen einen Besen davor und dann weiß jeder, okay, das Geschäft ist gerade zu.

Am Anfang konnte ich meinen Augen nicht trauen. Aber wir haben das dann so oft gesehen und auch mit vielen Koreanern darüber gesprochen. Ja, es ist einfach so. Und wie schön wäre es, wenn wir alle so miteinander umgehen würden.

Neue Perspektive auf Bewegung

Thomas:

In den zehn Wochen in Seoul sind wir viel spazieren gegangen durch die verschiedenen Stadtviertel oder Parks. Dabei habe ich neue Impulse für mein Bewusstsein über Körper und Gesundheit mitgenommen. Bei mir war es früher so, Sport ist nur dann Sport, wenn ich am Ende total ausgepowert bin.

In Seoul habe ich da ein anderes Bewusstsein aufgebaut. Es war auch der erste Ort, wo ich überall Fitnessgeräte gesehen habe, ob in den Parks oder auf kleineren Plätzen. Deshalb haben wir auch viele Menschen gesehen, die sich bewegt haben. Diese Bewegungen sahen für mich häufig aus wie im Zeitlupentempo und früher hätte ich mich da vielleicht sogar darüber lustig gemacht. Aber da habe ich wirklich gemerkt: Ich find es cool.

Die Leute gehen einfach raus und bewegen sich. Das ist doch einfach gut. Lieber integriere ich diese sanfteren Bewegungen in meinen Alltag, als dass ich überhaupt nichts mache, wie es auch Zeiten in meinem Leben gab.

Wer bin ich in einer Gesellschaft?

Jenny:

Ja, das nächste Learning kommt aus Gangnam und ist sehr nachdenklich. Ihr kennt wahrscheinlich alle den Song Gangnam Style. Ich kannte die Geschichte von dem Lied schon etwas, wegen einer Freundin, die in Korea gelebt hat. Es geht darum, dass die Menschen einfach unter sehr großem Druck leben, sehr viel leisten, arbeiten müssen und gleichzeitig wenig Geld haben, die Mieten sehr teuer sind und sie kaum wohnen können.

Es gibt in Seoul sogenannte Villas, die sind um die zehn Quadratmeter oder vielleicht noch kleiner, ohne Küche, die sehr viele Koreaner mieten und gleichzeitig sehr viel arbeiten müssen. Das haben wir in Gangnam gesehen und gespürt.

Dazu muss man noch sagen, dass Südkorea eine der höchsten Suizidraten der Welt hat. Wir haben ja am Anfang in Mapo an der leider bekannten Brücke gewohnt, die schon hoch abgesichert ist mittlerweile. Das war richtig bedrückend, da immer langzulaufen mit diesem Wissen, dass auch viele Jugendliche oder Studenten schon keinen anderen Ausweg finden, außer eben zu gehen.

Gleichzeitig zu diesem traurigen Fakt ist es auch noch so, dass Südkorea, die niedrigste Geburtenrate der Welt hat und das ist natürlich für ein System wirklich sehr kritisch.

Und in Gangnam haben wir gesehen, dass dieser Kontrast besteht zwischen diesem super modernen Businessleben, die Wirtschaft boomt, überall riesige Displays, bunte 3D-Animationen, diese Glasfassaden, Wolkenkratzer, modernste Architektur. Und dann auf der anderen Seite zu sehen, wie leben die Leute, in welchen Wohnungen, wie wenig Geld haben sie, wie viel Leistungsdruck und Druck überhaupt im Alltag ist da und… oh ja, das macht was mit mir.

Genau, da hat sich für mich die Frage gestellt, was kann ein System mit mir machen? Was macht ein System mit der Gesellschaft? Und wie möchte ich leben? Wie bewusst möchte ich leben und dann vielleicht auch etwas ändern, so wie es in meiner Macht steht.

Bedeutung der eigenen Meinung

Thomas:

Mein letztes Learning heißt: Mach dir dein eigenes Bild.

Ich hatte wenig Vorstellung von Südkorea oder von Seoul im Kopf, bevor wir dorthin gereist sind. Aber eines war, dass das Essen super toll sein soll. Mein Fazit ist da eher etwas differenzierter. Ich fand es super schwierig, vegetarisch oder vegan zu essen und dann auch noch nachhaltig. Im Supermarkt haben wir teilweise, und das ist echt kein Spaß, einzelne Möhren oder Zucchinischeiben eingeschweißt gesehen. Das kann ich nicht kaufen.

Es gab recht selten so Garagenläden oder Märkte, da hat man wirklich gutes Gemüse und Obst bekommen. Aber ansonsten fand ich es wirklich schwierig. Wenn jemand gerne Fleisch oder Fisch isst, kann ich mir schon vorstellen, dass Südkorea ein Essensparadies ist. Es sah nämlich gut aus, was es da teilweise gab. Aber für mich fand ich es schon echt schwierig. Ich denke zum Beispiel noch an vegetarisches Sushi zurück, wo dann trotzdem Speck mit drin war.

Es gab in Seoul aber auch super coole Sachen, die man probieren konnte. Ob es jetzt Marshmallow Eis war oder so viele Speisen mit roter Bohnenpaste, die fand ich mega lecker, oder frittierte Käse HotDogs. Also, es gab ja gefühlt nichts, was es nicht gibt. Und das wiederum war schon cool. Aber ich fand das Essen im Alltag, wenn ich selber gekocht habe, relativ schwierig.

Das soll nur ein Beispiel sein, wo es mir wieder aufgefallen ist, dass es immer wichtig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Verbindung von Moderne und Tradition

Jenny:

Insgesamt fand ich die Zeit in Seoul wirklich schön, faszinierend und spannend. In dieser riesigen Metropole gab es wirklich alles zu entdecken. Und damit möchte ich auch abschließen, wie schön es funktioniert, Kultur, Tradition und Moderne zu verbinden. Auch hat es sich für mich mich wirklich gar nicht angefühlt wie ein Kontrast, dass ich sage, ich komme jetzt von dem einen Viertel ins andere oder von der einen Straßenecke zu dem nächsten Laden. Sondern das war wirklich wie verwoben.

Ich habe gefühlt, dass die Südkoreaner das in Seoul wirklich so gelebt haben. Es war alles vermischt: Die alten Tempelanlagen, daneben die hippen Cafés, alles in dieser Comic Welt, modern gehalten und trotzdem immer wieder irgendwo ein Bambusgarten mit einem Teehaus, wo wieder Tradition gelebt wurde.

Ich könnte jetzt unzählige Beispiele nennen. Und eigentlich passt es zum ersten Flughafen-Learning: Ich darf mein Denken auch kippen, ich darf neu denken. Es muss nicht dieses Schubladendenken sein, diese Ordnung, die wir vielleicht mit unseren Gedanken manchmal herstellen wollen und diese Klassifizierung. Sondern eben, ich darf offen sein für Neues, für neue Erfahrungen und neues Denken. Genau, das fand ich richtig schön. Danke Seoul!

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Wie geht unsere Reise weiter und was erleben wir nach Seoul? Wir freuen uns auf tolle Orte, Begegnungen und neue Learnings. Alles Liebe und bis zum nächsten Mal, Thomas und Jenny

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