Loslassen, neuer Fokus und wieder ein Zuhause | UnterwegsSein 10
Wir mussten eine Entscheidung treffen, die unsere einzige Option war: Der Rückflug nach Deutschland und das hieß für uns Loslassen und einen neuen Fokus setzen. Vor dem Abschied von Südkorea nehmen wir Euch aber noch einmal mit auf einen Roadtrip durch das Land, in dem wir uns so wohlgefühlt haben. Wir erzählen Euch, was diese Zeit mit uns macht, welche Leere und Enttäuschung in uns ist und wie viel Unsicherheit wir mit uns rumtragen.
Unser YouTube-Video #10 ist online! Die Story und Links zu unseren Erlebnissen in Deutschland findet ihr hier.
… übrigens ist das Video Teil der Serie: UnterwegsSein
Hier kannst du dir das Video „Loslassen, neuer Fokus und wieder ein Zuhause“ angucken:
Für alle, die lieber lesen, statt zu gucken – oder nachträglich noch einmal lesen möchten – ist hier der Beitrag zum Video: Loslassen, neuer Fokus und wieder ein Zuhause. Und natürlich auch für uns selbst. Denn unser Blog ist einfach unser digitales Wohnzimmer. Also darf dieses neue Kapitel unserer Weiterentwicklung auf Reisen hier natürlich nicht fehlen!
Reise & Mindset Serie: UnterwegsSein
Schon seit Ewigkeiten haben wir für uns den Wunsch formuliert, auch bei YouTube präsent zu sein. Wir lieben es, klassische Reisethemen mit der Reise zu uns selbst zu verbinden und gleichzeitig etwas zurückzugeben. In drei Worten: Reisen. Wachsen. Wirken.
So haben wir zu unserem Format gefunden: Eine Serie auf YouTube, in der wir alle unsere Reiseziele zeigen und Euch erzählen, was diese Reisen mit uns gemacht haben. Wir teilen unsere innere Reise und unsere Learnings mit Euch. Herzlich willkommen!
Herzlich willkommen bei „Loslassen, neuer Fokus und wieder ein Zuhause“
Das Außen hat uns vermeintlich alles genommen, was uns Orientierung gegeben hat. Wie wir da wieder rausgekommen sind, ist durch eine grundlegende Veränderung, nämlich nach innen gucken und unseren Fokus neu auszurichten.
Wir zeigen Euch, was das Thema Loslassen damit zu tun hat, wie wir es für uns genutzt haben und was sich dadurch geändert hat. Viel Spaß beim Mitreisen und Lesen.
Klarheit hilft beim Loslassen
Thomas:
Willkommen zu meinen Learnings aus der Zeit nach der Weltreise. Rein dieses Wörtchen „nach“ ist schon einer der Aspekte, die mir wirklich geholfen haben. In Südkorea hatte ich nämlich immer gedacht, das ist ein böser Traum. Ich wache irgendwann auf und wir können doch weiterreisen. Und dieser Schwebezustand aus Hoffen und Bangen hat mich wirklich zermürbt.
Nebenbei gesagt hatte das auch nichts damit zu tun, was ich mir unter einer Weltreise vorstelle, nämlich Freiheit, unendliche Weite und die Welt kennenzulernen. Und dann saßen wir im Flieger, sind in Deutschland ausgestiegen und ich bin auch in ein Loch gefallen. Aber trotzdem hat mir diese Klarheit, dass es vorbei ist, auch geholfen, loszulassen.
Und das ist auch mein Learning, dass das Loslassen so wichtig ist, um weiterzugehen. Es war fast so, dass wie eine Last von mir abgefallen ist, als ich diese Weltreise losgelassen habe und in Deutschland war. Dann habe ich mich wieder ein Stück weit freier gefühlt habe und mich auch wieder in der Lage gesehen habe, mein Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Autonomie als Motivation
Thomas:
Neben dieser Klarheit, dass es vorbei ist, kam noch der Aspekt dazu, dass ich mich auch gescheitert gefühlt habe. Erst breche ich auf, lasse Wohnung, Job und alles los, um dann sechs Monate später wieder auf der Matte zu stehen.
Es wäre für mich auch völlig okay gewesen, wenn ich die Entscheidung selber getroffen hätte. Wenn ich zum Beispiel gemerkt hätte, dass so eine Weltreise ohne festen Wohnensitz nichts für mich ist und ich zurück in ein etwas geordneteres Leben möchte, dann wäre es okay gewesen. Wahrschienlich hätte ich dann auch meinen Frieden damit geschlossen. Aber das möchte ich mir nicht vom Außen entscheiden lassen. Sondern ich möchte das entscheiden. Und das habe ich so stark in diesem Moment gemerkt, dass ich das Heft des Handelns in der Hand haben möchte. Das hat mich motiviert, meinen Fokus neu zu setzen und weiterzugehen.
Annahme und Energie erhöhen
Jenny:
Mein erstes Learning aus der Zeit in Deutschland ist, die Dinge positiv zu sehen.
Und bevor das jetzt einige sagen, ich meine nicht: „Oh ja, sieh doch alles positiv, da lösen sich deine Probleme auf.“ Nein, das funktioniert natürlich nicht. Und ganz klar, es dürfen auch Gefühle wie Wut und Trauer da sein. Das ist ja überhaupt gar keine Frage.
Was ich damit meine, ist eher so dieses Gedankenkarussell zu stoppen, dieses Negative, dass man sich die ganze Zeit selber die immer gleichen negativen Gedanken erzählt. Also wie zum Beispiel in Seoul in den letzten Tagen, dass ich immer wieder dachte „Wir haben es nicht geschafft. Wir haben versagt. Warum passiert mir das?“. Dann ist man ja so in dieser Spirale gefangen, wenn man sich das den ganzen Tag selber erzählt. Das führt ja zu nichts.
Und genau da hatte ich diesen Shift, als wir dann wirklich in Deutschland angekommen sind. Okay, es ist wie es ist! Und dies aber nicht nur als Gedanken, sondern es wirklich zu fühlen und annehmen zu können. Also: Ich kann es ja nicht ändern. Und wenn wir doch jetzt sowieso nach Deutschland zurück müssen, weil es keine andere Möglichkeit gibt, dann kann ich es doch annehmen, das Beste daraus machen und mich fokussieren auf das Schöne.
Währenddessen habe ich auch gemerkt, dass sich auch die Schwingung wieder erhöht. Nämlich genau dann, wenn man sich selber da rausholt aus diesen negativen Gedanken und den Fokus setzt auf das Positive, was jetzt das Gute daran ist.
In Deutschland haben wir unsere Freunde und die Familie gesehen, was auch super schön war und viele Sachen entdeckt (Das kommt gleich noch beim nächsten Punkt.) Dann ist man automatisch in dieser höheren Schwingung und zieht dann auch wieder höher schwingende Sachen in sein Leben. So kann man sich dann auch ein Stück selber rausziehen.
Rollenbilder und Erwartungen ablegen
Jenny:
Zurück in Deutschland ist mir auf jeden Fall aufgefallen, dass ich auch wieder in diese alte Rolle reingerutscht bin, die ich in Deutschland immer hatte. Oder es waren vielleicht auch verschiedene Rollen und Erwartungen, die Freunde und Familie an mich haben. So wie sie mich kennen, so bin ich halt. Auf Reisen habe ich aber gemerkt, dass dieses Rollenbild gar nicht zu mir passt. Also, ich bin natürlich aus einem bestimmten Grund da reingerutscht durch Erfahrungen, die ich gemacht habe und durch Glaubenssätze, die ich mitbekommen habe.
Auf der Reise habe ich mich immer freier gefühlt. Es ist ja wahrscheinlich auch leichter, weil es kennt einen keiner und man kann sich ganz neu vorstellen. Andere Leute lernen einen anders kennen. Vor allem konnte ich auch diesen Drang leben, rauszugehen in die Natur, die Welt zu entdecken, zu genießen und unterwegs zu sein.
In Deutschland habe ich dann gedacht, naja, aber wenigstens diesen Aspekt kann ich doch mit Sicherheit auch hier leben. Dann haben wir angefangen, Ausflüge zu machen in die Umgebung, auch an Orte, wo wir früher waren und jetzt schon lange nicht mehr oder die wir vermeintlich kennen, weil wir schon tausend Mal daran vorbeigelaufen sind. Aber dann wirklich mit dieser Aufmerksamkeit fürs Detail, so wie ich es auch in einem anderen Land machen würde, mir das wirklich anzugucken und wahrzunehmen.
Das haben wir dann gemacht und waren in einer wunderschönen Klamm, haben uns alte historische Stadtkerne angeguckt, waren in der Natur, an einem Lost Place und es hat so Spaß gemacht. Das fand ich ein schönes Learning, ein Stück von meinem wahren Ich, diesem authentischen Ich, auch in Deutschland leben zu können.
Eigene Grenzen verschieben
Thomas:
Die erste Zeit in Deutschland nach der Rückkehr war geprägt von Familie und Freunden, die uns wirklich willkommen geheißen haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Als wir angefangen haben, den Fokus neu auszurichten, war uns eigentlich schnell klar, dass ein Campervan die einzige Option ist, um unsere Reise fortzusetzen beziehungsweise um eine neue Reise zu beginnen.
Als wir diese Klarheit hatten und den Fokus da wirklich darauf ausgerichtet haben, ging es dann auf einmal sehr schnell. Wir haben drei, vier Angebote rausgesucht, sind einmal quer durch Deutschland gefahren und dann am nächsten Tag mit einem Campervan zurückgekommen. Und dann ging wirklich eine super spannende Zeit los, die arbeitsintensiv war. Schließlich wollten wir diesen halb ausgebauten Van so herrichten, dass wir uns darin zu Hause fühlen können.
Währeddessen habe ich so viel gelernt, sei es überLackierarbeiten, Rostausbesserung und dann alles, was mit Innenausbau zusammenhängt, wie man so einen Bus dämmt, wie man einen separaten Stromkreislauf installiert und welche Lösung wir für Wasser, Abwasser und Toilette finden. Ich hatte vorher wirklich null Berührungspunkte mit dem Thema Wohnmobil oder Campervan. Eigentlich dachte ich, wir reisen 3 bis 5 Jahre durch Südostasien, durch Afrika, Lateinamerika und kommen dann zurück und reisen mit dem Campervan durch Europa und entdecken auch unseren Kontinent.
Aber mit jedem Schritt, mit dem unser Zuhause gewachsen ist, ist dann auch die Vorfreude gewachsen. Ich habe mich dann doch darauf freuen können, bald mit dem Campervan aufzubrechen und Europa zu erkunden. Und was wir da alles erlebt haben, zeigen wir Euch ab dem nächsten Beitrag.
Der Wert von Innehalten
Jenny:
Während der Zeit, als wir dann in Deutschland den Van ausgebaut haben, habe ich etwas zum ersten Mal in meinem Leben gemacht. Nämlich, eine Pause einzulegen, in der ich mich gut gefühlt habe. Aus meinem Arbeitsleben vorher kannte ich das gar nicht. Wenn da eine Pause war von einer Tätigkeit, dann habe ich in der Zeit wieder etwas anderes gemacht. Genau so war es in der Freizeit. Persönlich, habe ich immer nur Pause gemacht, wenn mein Körper mich quasi dazu gezwungen hat und es mir wirklich schlecht ging.
Aus heutiger Sicht finde ich es echt krass, was ich mir zugemutet habe. Umso schöner, dass ich es in dieser Situation konnte. Vielleicht erinnere ich es deswegen auch so genau, dass ich dachte so: „Boah, ist das cool, einfach mal innehalten und diese Zeit zu haben, zu realisieren, was passiert hier eigentlich gerade.“
Es ist dazu gekommen, weil die Nachbarn sich ein Cocktailtaxi gerufen hatten. Wir waren da wirklich super abgelegen in einem Wohngebiet, da war nichts anderes um uns herum. Sie haben ein bisschen gefeiert im Garten und dann haben wir gesagt „Ja, komm, wir holen uns jetzt auch zwei Cocktails“. Eigentlich trinken wir es beide überhaupt nicht. Es ging wirklich nur um diesen Moment. Draußen war es schon dunkel, es gab super gute Musik und dann saßen wir da in diesem halb ausgebauten Bus. Es war so witzig und cool, weil wir in dem Moment realisiert haben, was wir hier machen. Wir haben den alten Traum losgelassen, Backpacking funktioniert jetzt gerade einfach nicht, und haben bewusst eine neue Entscheidung getroffen und den Fokus nach vorne ausgerichtet. Okay, wir probieren jetzt Vanlife und wir sind gerade dabei, den Van auszubauen. Und es geht bald los.
Ja, es war ein schönes Learning, nicht immer Leistung bringen zu müssen. Nein, das Leben ist auch dazu da, es zu genießen und zu feiern. Auch wenn es nur dieser kleine Moment war, im Endeffekt war es vielleicht nichtmals eine halbe Stunde. Aber es war so schön, es war gute Laune, wir hatten Spaß und jetzt so eine schöne Erinnerung.
Seitdem darf das auf jeden Fall mehr sein in meinem Leben. Ich bin gespannt, wie es bei Euch ist. Vielleicht ist das ja eine Inspiration, Euch zwischendurch mal eine Pause zu gönnen und Euch dabei gut zu fühlen und das wirklich zu genießen. Schreibt es doch gerne mal in die Kommentare, ob Euch das leicht fällt oder ob ihr da eher so seid, wie es mir früher ging, dass es eigentlich nur erlaubt ist, wenn es unbedingt sein muss.
Das Video zu diesem Beitrag findest du auf unserem Kanal: weitglücklich@youtube
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Loslassen und ein neuer Fokus haben uns Klarheit und Vorfreude auf etwas Neues geschenkt. Was habt ihr von unseren Learnings am meisten mitgenommen, was hat Euch geholfen? Alles Liebe und bis zum nächsten Mal Thomas und Jenny