Okavangodelta – Selbstfahrer im Moremi Game Reserve

Magisch! Die Hälfte des Okavangodeltas steht unter Wasser, der Weg zu unserer Campsite ist nicht befahrbar und alles kommt anders als gedacht. Aber der traumhafte Fluss und die faszinierende Tierwelt entschädigen alles!


Tierreiche Anreise und Campsite überflutet

Wenn ich mir so die Unmengen an Fotos ansehe, die ich für diesen Beitrag herausgesucht habe, bekomme ich die leise Ahnung, dass dies wohl ein Tierfoto-Beitrag wird *grins. Dann soll es so sein. Bei jedem Foto leben die Erinnerungen wieder auf. Es ist so faszinierend, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung im Okavangodelta zu sehen! Aber der Reihe nach: Das Okavangodelta ist einer der Orte, auf den wir uns schon seit Jahren riesig freuen, ihn endlich einmal zu erkunden. Wir entscheiden uns, mit dem Auto in das riesige Binnendelta zu fahren. Viele fliegen auch über das Okavangodelta zu den ausgewählten Campsites, die nicht an eine Straße angeschlossen sind. Ob man über diesen tierreichen, wunderschönen Nationalpark fliegen möchte, muss jeder selbst entscheiden. Faszinierend wird die Aussicht sicherlich sein…

… doch wir bevorzugen den Landweg. Und ich sag mal so: Man ist halt näher an den Tieren dran! *grins

Die Anfahrt zum Moremi Game Reserve macht uns wirklich komplett sprachlos. Wir sehen so viele Giraffen, Steinböcke, Wasserbüffel, Affen, Warzenschweine und vor allem Elefanten, dass wir für die 80 Kilomter lange Strecke etwa vier Stunden brauchen. Vor allem die vielen Elefanten faszinieren uns. Es sind noch einmal deutlich mehr als im Nxai Pan National Park. Öfters sehen wir ganze Elefantenherden, die sich an einem Wasserloch breit gemacht haben. Sie trinken, baden, spritzen sich nass, putzen sich mit ihrem Rüssel, fressen und kommunizieren miteinander. Wir sind so dankbar, dass wir solche Momente erleben dürfen! In Summe entdecken wir etwa 100 Elefanten, darunter auch viele Jungtiere, die wir stundenlang beobachten könnten.

Weltreise 2021 Botswana Moremi Okavangodelta Elefanten baden
Elefanten-Trink- und Badepause am Wasserloch
nach dem Baden laufen die Elefanten wieder in den Busch um dort in Ruhe fressen zu können
Huch! Besuch aus dem Busch, wenige Meter neben uns

Auf dem letzten Stück der Sandpiste vor dem Parkeingang, springen plötzlich unzählige Paviane vor und hinter uns über die Straße. Die ganze Affenbande klettert überall um uns herum durch das Gebüsch, laust sich gegenseitig, streitet, spielt, ruht oder frisst. Manchmal ist es schon unglaublich zu sehen, welch menschenähnliche Züge die Tiere zeigen – wobei: Eigentlich ist es ja andersrum. Sie waren zuerst da *grins.

Wenn wir nicht noch ein ganzes Stück in das Okavangodelta reinfahren müssten, wären wir noch bis zum Abend hier geblieben. Wir können uns gar nicht vorstellen, wie tierreich das Moremi Game Reserve erst sein soll, wenn hier schon so viele Tiere sind. Auch die Landschaft ist wunderschön und leuchtet in den verschiedensten Gelb- und Grüntönen. Unsere Vorfreude steigt…

Springböcke grasen am Wegesrand und beobachten uns neugierig
wunderschöne Landschaft auf dem Weg ins Okavangodelta

Einfahrt in das Moremi Game Reserve

Die Campsite Third Bridge, die wir gebucht haben, ist wegen der starken Regenfälle in diesem Jahr noch nicht erreichbar. Sie liegt ziemlich weit im Okavangodelta und um dorthin zugelangen, muss eine Brücke passiert werden, die im Moment noch unter Wasser steht. Dies an sich ist nicht ungewöhnlich. Allerdings ist die Third Bridge sonst meistens ab Ende März/ Anfang April wieder befahrbar. Aber der Regen in diesem Frühjahr war so stark, dass sogar die Campsite überflutet war, was wohl selten vorkommt. In Maun konnten wir die von uns gewünschte alternative Campsite Xakanaxa nicht buchen, da sie ebenfalls gesperrt ist – wegen eines Unfalls mit einem Leoparden. Allerdings trifft es „Unfall“ unserer Meinung nach nicht ganz: Ein Tourist ist nachts, ohne Licht, in den etwa hundert Meter entfernten ablution block zur Toilette gegangen! Auf diesem Weg hat ein Leopard seine Chance gewittert und den Touristen angefallen. Tja, selbst schuld. Wir sehen es so: Wir, die Menschen, sind zu Gast im Land der Tiere. Also läuft es nach ihren Regeln! Punkt. Das heißt, dass ich mich im Dunklen nicht von meinem Feuer oder dem Auto entferne – und schon gar nicht ohne Licht!

Wie auch immer, wir entscheiden die Frage des Campingplatzes vor Ort zu klären und fahren gegen Mittag am South Gate in das Moremi Game Reserve. Hinter dem Parkeingang erscheint uns die Umgebung zunächst trostlos. Wir sehen nur noch die Sandpiste zwischen Gras und Laubbäumen und ab und zu einige Wasserlöcher mit wenigen Antilopen. Von den Elefanten finden wir nur noch die auffälligen Spuren, die sie in dem hohen Gras hinterlassen. Wir sind ein wenig enttäuscht. Später erfahren wir, dass ein anderer Reisender, den wir in Maun kennengelernt haben, auf dieser Strecke etwa 20 wild dogs (Hyänenhunde) mitten auf der Straße gesehen hat. Tja, so unterschiedlich kann es sein. Es ist eben Natur.

Als wir am Xakanaka Gate des Moremi Game Reserve ankommen, werden wir super freundlich empfangen. Der Ranger vor Ort erklärt uns, welche Routen aktuell befahrbar sind, was alles noch unter Wasser steht und wo es die meisten Tiere zu sehen gibt. Gerade als er das sagt, raschelt es plötzlich im Gebüsch hinter uns und ein Elefant kommt an uns vorbei spaziert. Krass! Einfach so! Direkt neben uns! Und wir haben noch mehr Glück: Wir können doch auf der Xakanaka Campsite übernachten. Wie genial. Wir fahren also noch tiefer in das Okavangodelta hinein und hoffen auf weitere Tiere.

erste Eindrücke der Natur im Moremi Game Reserve

Xakanaka Campsite und Löwenjagd im Okavangodelta

Bis zum Xakanaka Gate war die Fahrt durch das Game Reserve relativ eintönig. Doch kaum fahren wir hinter dem Gate Richtung Campsite, sehen wir eine große Pavian-Familie. Eines der Jungtiere ist noch so winzig, dass wir nicht mehr zählen können, wie oft wir uns sagen hören: „Oh, der ist sooo süß!“ Der Kleine ist noch ganz wackelig unterwegs und hat seine Arme und Beine beim Springen und Klettern noch nicht ganz unter Kontrolle. Nur der Sprung an den Bauch seiner Mutter klappt einwandfrei. Das ist wieder so ein Moment, aus dem wir gar nicht mehr heraus möchten.

Als wir dann doch weiterfahren zur Campsite, erblicken wir die ersten größeren Wasserflächen. Sie leuchten uns tiefblau entgegen. Als wenn dieser Anblick nicht schon beeindruckend genug wäre, taucht direkt neben dem Auto plötzlich ein Flusspferd auf! Im hohen Gras sehen wir zunächst nur den Rücken, doch es bahnt sich seinen Weg Richtung Wasser, sodass wir es noch von allen Seiten zu sehen bekommen. OK, jetzt sind wir wirklich im Bilderbuch-Okavangodelta angekommen. So haben wir es uns immer vorgestellt.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Xakanaka Campsite. Der erste Platz, den der Ranger uns vorgeschlagen hat, ist bereits voll. Wir sind total überwältigt, welches Equipment die Leute mit hierher nehmen. Manche haben sich richtige Lager mit Outdoor-Küchen und Sitzecken aufgebaut. Am Ende landen wir auf dem südlichen Teil des Camps (Xakanaka MG XA-03). Wir parken unter Bäumen, neben einer Feuerstelle direkt an einem der Seitenarme des Okavango. Kaum dass wir aus dem Auto ausgestiegen sind, läuft ein Elefant vor uns her! Er bleibt wenige Meter neben uns stehen und rupft sich einige Zweige und Blätter von einem Baum – als ob wir gar nicht da wären. Dann läuft er Richtung Wasser, verschwindet fast vollständig im hohen Gras und trinkt. Wir sind verzaubert und voller Ehrfurcht. Elefanten sind einfach so toll. Auch wenn wir heute schon so viele gesehen haben, bekommen wir nicht genug von ihnen!

Für einen kurzen Game Drive ist noch Zeit, bevor es dunkel wird. Wir entscheiden uns für eine kleine Runde in der Nähe der Campsite. Da wir vor allem Katzen sehen möchten, versuchen wir diese in den Bäumen oder dem hohen Gras ausfindig zu machen. Während wir langsam über die Sandpiste rollen und die Umgebung absuchen, taucht plötzlich ein Löwe direkt vor uns auf! Und er ist sehr fokussiert. Langsam fängt er an, sich in Bewegung zu setzen, wird immer schneller und läuft plötzlich los! Jetzt sehen wir auch, wen er fokussiert hat: Ein Warzenschwein… Ein zweiter Löwe kommt aus dem Gras gerannt und zusammen laufen sie von zwei Seiten auf das Warzenschwein zu. Doch dann bleiben sie plötzlich beide stehen und gucken sich suchend um. Das Warzenschwein scheint heute Glück gehabt zu haben. Die beiden Löwen legen sich neben der Sandpiste in das hohe Gras. Obwohl sie keine zwei Meter von uns entfernt sind, sehen wir sie kaum noch. Sie sind super getarnt. Es würde uns mal interessieren, an wie vielen Tieren wir schon vorbei gefahren sind, ohne es zu merken! *grins

Wir entscheiden unseren Safari-Tag mit diesem tollen Erlebnis zu beenden und fahren zurück zur Campsite, um noch im Hellen zu kochen.

… und legt sich ins hohe Gras
Fahrt zur Xakanaka Campsite in der goldenen Stunde
Ellipsen-Wasserbock im Okavangodelta kurz vor dem Camp

Abendessen mit Elefanten und Mondaufgang

Auf dem Weg zur Campsite sehen wir viele der typischen Elefantenspuren: abgerissene Äste liegen überall auf dem Weg und das Gras ist in einer Schneise plattgetrampelt. Schon bald steht ein Elefant vor uns und versperrt uns den Weg. Wir warten gerne bis er an diesem Baum zu Ende gefressen hat und weiterzieht. Auf der Campsite angekommen, wartet schon der nächste Elefant. Heute ist wirklich unser Elefanten-Tag! Diesmal steht der graue Riese so dicht vor unserer Türe, dass Thomas zunächst nicht aussteigen kann. Grundsätzlich ist es so, dass die Elefanten sich aussuchen, wie nah sie an andere Lebewesen herankommen. Wenn dann plötzlich doch jemand näher an ihnen ist, als gedacht oder jemand in den Weg läuft, können die Elefanten ganz schön ungemütlich werden. Als wir später kochen, läuft der Elefant noch immer über die Campsite und fühlt sich anscheinend überhaupt nicht gestört von uns. Sehr gut, so soll es sein!

Beim Kochen dämmert es schon und wir essen bereits im Dunklen. Als wir uns schon auf den Nachthimmel freuen, wird es plötzlich wieder hell. Es ist so hell, dass wir unsere Schatten auf dem Boden erkennen können. Und das, was wir am Horizont sehen, ist… Wow! Ich glaube, ich habe noch nie so etwas Magisches gesehen. Der Mond geht über dem tiefblauen Wasser des Okavango auf. Aber es ist nicht irgendein Mondaufgang. Der Mond ist riesengroß und feuerrot. Es ist Blutmond (totale Mondfinsternis, dann leuchtet der Mond rot). Hier, auf der Südhalbkugel findet dieses Spektakel fast zeitgleich mit den Sonnenuntergang statt. Gleichzeitig ist auch noch Supermond, das heißt der Mond erscheint deutlich größer, da er sich als Vollmond am erdnächsten Punkt befindet (ungefähr 27.000 km näher an der Erde als sonst). Wir gucken also sprachlos auf diesen riesigen, rot leuchtenden Himmelskörper… bis ich irgendwann realisiere, dass ich das ganz dringend fotografieren möchte und loslaufe, um meine Kamera zu holen *grins.

Mondaufgang im Okavangodelta

Von Wasserbüffeln geweckt auf der Xakanaka Campsite

Am nächsten Morgen wachen wir auf und sehen auf der einen Seite einen spektakulär gefärbten Morgenhimmel, kurz vor der aufgehenden Sonne, und auf der anderen Seite einige Wasserbüffel neben unserem Zelt grasen. Wir machen uns kurz bewusst, wie unfassbar genial das ist, was wir hier gerade erleben, bevor wir aus dem Zelt klettern. Die Wasserbüffel laufen sofort weg, als sie uns hören. Wer hätte gedacht, dass diese riesigen Tiere so viel Angst haben?

Nach dem Aufstehen kommen wir mit einem Paar aus Südafrika und Simbabwe ins Gespräch. Beide sind mit den wilden Tieren Afrikas aufgewachsen und haben zudem Wildlife studiert. Es ist super spannend, was sie uns alles erzählen und wir könnten den ganzen Tag in dieser wundervollen Landschaft des Okavangodeltas sitzen und ihnen zuhören. Sie zeigen uns die verschiedenen Spuren im Sand. So erfahren wir auch, dass die Nacht ein Leopard zwei Meter neben unserem Auto hergelaufen ist. Das erklärt das Hufgetrappel, was wir gehört haben. Eine Zebraherde und einige Giraffen sind vor der Katze geflüchtet.

Was uns aus den Erzählungen jedoch am meisten im Gedächtnis geblieben ist, sind die Gespräche über die Elefanten. Sie haben ähnliche Emotionen wie wir Menschen und trauern zum Beispiel sehr ausgeprägt. Wenn ein Tier stirbt, kommen die anderen aus der Herde und halten für mehrere Tage eine Totenwache ab. Wenn einzelne Knochen des verstorbenen Elefanten herumliegen, nehmen die anderen Elefanten die Knochen mit dem Rüssel hoch und berühren sie liebevoll. Nach einer Weile legen sie die Knochen wieder hin und haben sich damit quasi verabschiedet. Die detaillierten Ausführungen, die wir hören dürfen, machen uns selbst ganz emotional und wir denken an die toten Elefanten in der Central Kalahari und im Makgadikgadi-Nxai Nationalpark.

Unsere Vorfreude auf die lebendigen Tiere um uns herum, lässt uns bald doch einen Game Drive starten. Unweit der Campsite treffen wir einige der Wasserbüffel wieder. Es ist jedes Mal lustig zu sehen, wie verschiedene kleinere Vögel und die weißen Kuhreiher mit den Büffeln zusammen umherziehen. Die Vögel sitzen auf den riesigen Tieren und fressen die Parasiten von der Haut der Wasserbüffel. Aber auch für die kleinen Tiere halten wir gerne an – ein unschlagbarer Vorteil als Selbstfahrer, sich diese Zeit zu nehmen. Mehrfach gucken uns Zwergmangusten mit ihren schwarzen Kulleraugen neugierig an, bevor sie einen Baumstamm hochklettern oder im Gebüsch verschwinden.

Wasserbüffel neben der Xakanaka Campsite

Zauberhafte Paradise Pools im Moremi Game Reserve

Der erste Stop des heutigen Game Drive sind die Paradise Pools, die ihren Namen vollkommen zurecht tragen. Gestern morgen wurden hier 14 Löwen gesehen, von ihnen fehlt jedoch leider jede Spur. Da aber alleine schon die Landschaft wunderschön ist, entscheiden wir uns, hier zu frühstücken. Das ist doch mal eine super Aussicht, um den Tag zu starten!

magische Landschaft an den Paradise Pools
grasendes Zebra im saftigen Grün des Okavangodeltas

Abenteuerlicher Game Drive zur Fourth Bridge

Vom South Gate kommend ist derzeit nur die Piste zum Gebiet rund um die Xakanaka Campsite befahrbar. Die ersten drei Brücken (First, Second und Third Bridge) stehen noch unter Wasser. Die vierte Brücke ist allerdings auch von Xakanaka aus zu erreichen und ist unser nächstes Ziel. Aber natürlich ist auch diese Route von den heftigen Regenfällen nicht verschont geblieben. So müssen wir die derzeit noch überflutete Hauptroute immer wieder umfahren. Dazu folgen wir dünnen Reifenspuren auf einer Wiese oder durch den Sand. Hätte uns der Ranger heute Morgen nicht mehrmals gesagt, dass wir auf jeden Fall zur Fourth Bridge fahren können, wären wir wohl in einigen Momenten umgedreht. Die Freude ist groß, als wir irgendwann vor der Brücke stehen und auf das tiefblaue Wasser ringsherum gucken.

unser Weg durch das Okavangodelta über die Fourth Bridge
Blick zurück auf die Fourth Bridge und unsere Piste

Hinter der Brücke fahren wir noch etwa eine Stunde durch die flache Ebene. Es ist sehr einsam hier und wunderschön. Wir sehen einen Sattelbill-Storch mit rotem Schnabel und mehrere Antilopen und Zebras. Katzen haben wir heute leider noch nicht zu Gesicht bekommen. Wir nähern uns dem derzeit noch überfluteten Gebiet. Es ist schwierig, dieses genau auszumachen, da das Gras auch im Wasser wächst. So ist nicht erkennbar, ob der Boden unter dem Gras wirklich noch fest ist. Wir gehen auf Nummer sicher und machen uns auf den Rückweg. Wir haben heute schließlich noch etwas Besonderes vor!

Auf dem Weg zur Campsite sehen wir wieder mehrere Elefanten, die wie aus dem Nichts plötzlich neben uns auftauchen. Es ist uns jedes Mal ein Rätsel, wie sich diese riesigen Tiere so gut tarnen können. Einmal wühlt ein Warzenschwein vor uns die Straße auf. Jetzt wissen wir auch endlich wo diese unregelmäßigen, tiefen Löcher herkommen, die kaum von den Autos sein können.

Blick von der Fourth Bridge auf das tiefblaue Wasser des Okavango

Lautlos über das Wasser in der Okavango Lagune

Jetzt beginnt der Teil des Tages, auf den ich mich so gefreut habe: Eine Bootsfahrt auf dem Okavango! Ursprünglich hatte ich an eine Mokoro-Fahrt im Okavangodelta gedacht. Ein Mokoro ist ein Einbaum-Boot, welches ohne Motor durch die kleinen Wasserstraßen fährt. Dies hat den Vorteil, dass man sich lautlos bewegt und so (theoretisch) näher an die Tiere heran kommt. Die Mokoro Station an der Third Bridge wird jedoch im Moment nicht bedient. Daher starten wir am Nachmittag mit einem kleinen Motorboot von der Xakanaxa Campsite. Bevor wir unser Auto an der Anlagestelle parken, treffen wir erneut auf einen Elefanten. Die scheinen hier überall rings um die Campsite neben uns zu wohnen *grins. (Anmerkung: Später in Maun, erfahren wir von einem anderen Reisenden, der mit dem Mokoro gefahren ist, dass es ganz nett war, aber nach ein paar Stunden auch nervig. Man sitzt so nah über dem Wasser und fährt durch sehr enge Gassen, dass man neben sich stundenlang nur Gras sieht. – Da können wir jetzt nichts zu sagen. Wir hätten es trotzdem gerne ausprobiert.)

Unsere Bootfahrt beginnt auf einem kleinen Seitenarm und wir sind relativ schnell von dem hohen Gras umgeben. Wir nutzen die Hippo- und Elefanten-Trassen, um vorwärts zu kommen. Beide Tiere laufen durch das Gras und drücken dieses so zur Seite und nach unten, dass „Autobahnen“ entstehen, wie unser Guide diese Trassen nennt. Diese „Autobahnen“ können dann von den kleinen Booten genutzt werden. Allerdings richtet sich das Gras natürlich irgendwann auch wieder auf und wächst neu zusammen. So kommt es, dass wir in einer dieser Trassen in einer Sackgasse stecken und drehen müssen.

Nach einer Weile verlassen wir die kleinen Trassen und fahren auf die Xakanaka Lagune hinaus. Ich traue meinen Augen nicht, denn es sieht so wunderschön aus! Das Wasser ist spiegelglatt und bewegt sich nur, wenn ein Fisch auftaucht oder ein Vogel im Sturzflug seine Beute jagt. Immer wieder gleiten wir ohne Motor durch das Wasser, sodass es wunderbar idyllisch und still um uns herum ist. Gerade als ich denke, was könnte jetzt noch schöner sein, hat unser Guide etwas entdeckt… Als wir uns nähern, traue ich meinen Augen nicht! Vor uns steht ein Elefant im Wasser!!! AAAHHH!!! Ich bekomme jetzt beim Schreiben immer noch eine Gänsehaut.

Eine gefühlte Ewigkeit stehen wir mit unserem Boot neben dem Elefanten und beobachten ihn, wie er in aller Ruhe die Abkühlung im Okavango genießt. Er badet ausführlich und taucht immer weiter unter Wasser. Unser Guide erklärt uns, dass Elefanten manchmal auch mit dem ganzen Körper unter Wasser gehen. Dann gucken nur noch wenige Zentimeter des Rüssels heraus. Wir sehen, wie der Elefant Wasser in seinen Rüssel einsaugt und sich dann damit abduscht. Er scheint sich richtig zu freuen, über das kühle Nass. Wir vergessen alles um uns herum und sind voll in diesem Moment. Es ist jetzt gerade einfach alles perfekt und nichts sollte anders sein! Bevor der Elefant an Land geht, trinkt er noch etwas. Dann dreht er sich um und verschwindet langsam im hohen Gras. Hier können wir selbst miterleben, wie gut sich auch die riesigen Dickhäuter tarnen können. Schon nach wenigen Metern ist er für uns nicht mehr zu erkennen.

Noch immer voller Emotionen von diesem für uns einzigartigen Erlebnis, fahren wir weiter durch das Okavangodelta. Als die Wasserstraße wieder breiter wird, sehen wir drei große, braune Flecken im Wasser, die sich leicht bewegen… eine Hippo-Familie! Wir geben den Flusspferden durch Klopfen auf das Wasser Bescheid, dass wir uns nähern, verstecken uns aber hinter einer Ansammlung von Gras. Das Männchen guckt einmal aus dem Wasser und gibt zu verstehen, dass wir bleiben sollen, wo wir sind. Das machen wir und alle sind zufrieden. Die Hippos dümpeln im Wasser hin und her, machen ansonsten aber keine Anstalten, sich zu bewegen. Ach, ist das traumhaft schön!

in der Xakanaka Lagune finden wir eine Hippo Familie im Wasser

Als wir die Xakanaka Lagune verlassen, fahren wir immer wieder ohne Motor durch die schmalen Wasserstraßen. Das Wasser ist ganz still, die Oberfläche spiegelglatt und so tief blau, dass es total surreal aussieht. Wir finden einen etwa ein Meter großen Catfish (Wels) und viele verschiedene Vögel, auch den jesus bird, der über das Wasser laufen kann *grins.

Zum Abschluss der Bootsfahrt stehen wir in einer kleineren Lagune mit tausenden Seerosen. Ich finde keine Worte, die beschreiben, wie unfassbar schön das ist!!! Ich weiß nicht, ob ich mich jemals in meinem Leben so friedlich gefühlt habe. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Karte von dem riesigen Okavangodelta, das ungefähr so groß ist wie Hessen (in der Regenzeit etwa 20.000 Quadratkilometer). Also nur das Delta an sich, ohne die angrenzenden Nationalparks. Und wir sind mittendrin: Um uns herum sind Elefanten und Hippos im Wasser und Leoparden und Löwen trinken hier. Wir sitzen in diesem winzigen Boot, sehen dieses tiefblaue Wasser, alles ist ruhig und alles ist perfekt! An diesem Ort mit dieser Aussicht und Kulisse, hätte ich ewig bleiben können. Diese Fahrt ist für mich wie in einer anderen Welt (und das ist sie ja tatsächlich auch) und pure Magie!

Der Rückweg wird rasant! Bisher waren wir sehr gemütlich unterwegs. Abrupt wird uns bewusst, dass der Ausflug nun zu Ende ist. Wir fliegen mit voller Geschwindigkeit durch die engen Hippo trails und liegen in den Kurven so schief, dass wir auf jeweils einer Seite nur noch wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche sind. Das Gras schlägt uns von überall entgegen und wir ducken uns weg, wenn wir schnell genug sind.

Mein Fazit: Auch wenn ich nur diese eine Bootsfahrt hätte machen können… dafür hätte sich die Anreise ins Okavangodelta schon gelohnt! Merkt man, dass ich begeistert bin? *grins

Ankunft an der Xakanaka Campsite

Elefanten und Lagerfeuer auf der Xakanaka Campsite

Der Bootsanleger ist nicht weit von unserer Campsite entfernt. Trotzdem ist zu Fuß gehen hier natürlich nicht angesagt. Als wir gerade in unser Auto einsteigen möchten, steht wieder ein Elefant auf unserem Weg. Vorher hatten wir gehört, dass die alle im Chobe Nationalpark sein sollen. Aber wie soll es dort erst sein, bei allem, was hier schon los ist…? Der Elefant steht weniger als zehn Meter neben uns und pflückt sich gemütlich die Marula Früchte vom Baum (Amarula Likör kennt wohl jeder, das sind die Früchte, aus denen das alkoholische Getränk hergestellt wird). Der Marula Baum heißt auch Elefantenbaum. Ob das nun daran liegt, dass die Elefanten die Früchte so gerne fressen oder weil der Stamm aussieht wie ein Elefantenbein, wissen wir nicht. Es könnte jedenfalls beides stimmen.

Heute freuen wir uns besonders auf den Sonnenuntergang. Ja, die Farben sind mal wieder spektakulär, aber vor allem bedeutet die untergehende Sonne für uns, dass der Mond gleich wieder aufgehen wird! Am Lagerfeuer unterhalten wir uns mit anderen Reisenden und blicken alle gebannt auf den feuerroten Mond. Es wird so taghell, als wenn die Sonne scheinen würde. Fun Fact am Rande: Thomas und ich haben mit dem Gang zum Toilettenhäuschen extra gewartet, bis der Mond aufgegangen ist, damit wir Licht haben. „Ja, lass mal warten. Wird ja gleich wieder hell! *haha. So beenden wir unseren letzten Abend im Moremi Game Reserve und klettern zum letzten Mal im Okavangodelta in unser Zelt.

zum Abschluss des Tages genießen wir den Sonnenuntergang auf der Xakanaka Campsite

Frühstück mit Hippos an den Paradise Pools

Heute fahren wir wieder zum Frühstück zu den Paradise Pools. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dort doch noch Löwen oder Leoparden zu sehen. In einer der vielen Wasserstraßen des Okavangodeltas gehen Hippos spazieren. Auf ihnen und am Wasser sehen wir viele Vögel und im Schatten der Bäume einige Paviane und Meerkatzen.

Auch wenn wir gestern schon an den Paradise Pools waren, ist die Landschaft sehr beeindruckend. Überall ist Wasser zwischen den Bäumen und es strahlt dunkelblau um die Wette mit dem leuchtend grünen Gras. Einige Wege in der Umgebung sind noch überflutet, weshalb wir ein paar Mal Umfahrungen nehmen. Doch einmal sind wir anscheinend falsch abgebogen, denn irgendwann stehen wir mitten im Wasser und die letzten dünnen Reifenspuren vor uns sind verschwunden. OK, das ist höchste Zeit umzudrehen! Aber das ist gar nicht so einfach, wenn ringsherum Wasser ist, von dem wir die Tiefe nicht kennen. Aussteigen und testen geht auch nur direkt nebem dem Auto… Also stecke ich lange Stöcke in die verschiedenen Wasserlöcher und entscheide, dass das Wasser niedrig und der Boden tragfähig genug sind. Wir kommen letztlich gut auf den Hauptweg zurück und sind sehr erleichtert.

Die Situation hat uns deutlich vor Augen geführt, dass das Binnendelta abflusslos ist und das komplette Wasser hier versickert. Neben den Sandpisten ist alles nass und sumpfig. In einem der Sümpfe steht ein junger Elefant. Er saugt sich Matsch mit seinem Rüssel an und verteilt diesen dann auf seinem ganzen Körper. Dabei sieht er noch ein bisschen unbeholfen aus, aber sooo süß!

zwei Antilopen spiegeln sich im Wasser der Paradise Pools
wie eine Fototapete: Die wunderschöne Landschaft des Okavangodeltas

Abschied vom Okavangodelta und Moremi Game Reserve

Wir sind traurig, das Okavangodelta zu verlassen und trösten uns mit der Hoffnung, auf dem Rückweg nach Maun wieder so viele Tiere zu sehen, wie auf dem Hinweg. Bis zum South Gate ist die Strecke wieder recht trist. Was wir sehen, ist lediglich, wie viel es hier im Frühjahr geregnet haben muss. Manche Kuhlen in der Sandpiste sind so tief, dass sie locker bis zur halben Höhe unseres Autos reichen.

Außerhalb des Moremi Game Reserve im Okavangodelta, startet sofort wieder die Tierparade! Giraffen, Zebras, Antilopen und Elefanten tummeln sich fast schon in den Büschen neben uns. Manchmal sehen wir sie erst sehr spät, weil die Büsche so dicht sind. Immer wieder laufen Giraffen oder Elefanten aber auch mitten auf der Straße. Warum sollen sie auch durchs Gebüsch laufen, wenn die Menschen ihnen so tolle, ebene Strecken errichten?

Auffällig sind die Verwüstungen der Elefanten, die sich alle paar Kilometer zeigen. Die Straßenabschnitte sind dann übersät mit abgeknickten Zweigen und Blättern. Mühelos können die Dickhäuter auch 20 bis 30 Zentimeter dicke Äste abknicken oder reißen kleinere Bäume gerne auch mal ganz raus. So schön es ist, die Tiere zu beobachten, erleben wir dann noch eine Situation, auf die wir lieber verzichtet hätten: Elefanten-Gefahr! Wir wissen, dass Elefanten ganz schön gefährlich werden, wenn sie sich gestört fühlen. Daher halten wir immer ausreichend Abstand und beobachten sie aus sicherer Entfernung. So machen wir es auch, als wir vor uns, rechts und links von der Straße mehrere Elefanten sehen. Wir warten ab, in welche Richtung die Tiere gehen möchten. Ein Bulle läuft auf die Straße, guckt uns an, entscheidet dann, dass wir keine Gefahr darstellen und die ganze Elefantenfamilie läuft mit dem jüngsten Nachwuchs vor uns über die Straße. Gut, dass wir da nicht zwischen gekommen sind! Gerade wenn die Herde noch viele Jungtiere hat, können die Elefanten uns dann schnell als Angreifer ansehen. Und genau das passiert in genau diesem Augenblick hinter uns! Ich höre ein Tröten, drehe mich um und gucke einer Elefanten-Kuh geradewegs in die Augen. Sie hat ebenfalls Nachwuchs dabei. Sch…, was tun??? Wir müssen schnell reagieren, ohne Panik bei den Tieren auszulösen. Zurück können wir nicht, da stehen Mutter und Kind im Gebüsch… Wir fahren ganz langsam und vorsichtig vorwärts. Die Elefanten vor uns sehen das und beeilen sich zum Glück, über die Straße zu kommen, anstatt auf uns zuzulaufen. Puh!! Mein ganzer Körper zittert vor Adrenalin.

Auf der weiteren Strecke bleibt die Fahrt entspannt. Wenn wir anhalten möchten, dürfen wir übrigens nicht zu stark bremsen, da uns sonst unsere eigene Staubwolke von hinten einholt und wir im Nebel verschwinden *grins. Anlass zum Anhalten gibt es auch ohne Elefanten noch genug: Einmal sehen wir eine Warzenschwein-Familie mit ganze vielen Jungtieren, die alle im Dreck rumschnüffeln und etwas zu fressen suchen. So süß!

der kleine Elefant frisst ungestört neben uns im Gras
auf dem Rückweg nach Maun steht plötzlich eine Elefantenfamilie vor unserem Auto

Es ist wie auf dem Hinweg: Wir brauchen ewig für die Strecke, weil wir es nicht übers Herz bringen, an den Tieren vorbeizufahren. So ist es doch wieder spät geworden und wir werden das Hostel in Maun erst im Dunklen erreichen. Das macht aber nichts, denn so genießen wir das tolle Licht der goldenen Stunde auf dem Rückweg aus dem Okavangodelta mit vielen Zebras und einer Herde von Wasserbüffeln unter einer Baumgruppe! Wir sind KO, überglücklich und dankbar, für die vielen tollen Eindrücke!

Zebras in der goldenen Abendsonne des Okavangodeltas

Ein lang gehegter Traum, das Okavangodelta zu sehen, ist für uns in Erfüllung gegangen. Die Natur dort ist noch viel, viel beeindruckender, als wir es uns immer vorgestellt haben. Was war das beeindruckenste Naturschauspiel, welches ihr jemals gesehen habt? Wir sind gespannt! Viele Grüße, Jenny

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.