Windhoek: Sehenswürdigkeiten und Gegensätze

Windhoek – die Hauptstadt Namibias und gleichzeitig die größte Stadt des Landes. Welche Sehenswürdigkeiten hat Windhoek zu bieten? Wir nehmen Euch mit auf eine Entdeckungstour der Gegensätze durch das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum Namibias.


Sicherlich ist Namibia in erster Linie für seine fantastische und abwechslungsreiche Natur bekannt. Wundervolle Landschaften und zahlreiche Tierarten finden sich überall mit Leichtigkeit. Die Erlebnisse auf unserem Roadtrip durch Namibia findet ihr in unserer Namibia-Übersicht.

Wenn wir ein Land bereisen, möchten wir jedoch immer zumindest ein paar Tage in der Hauptstadt verbringen. So bekommen wir ein gutes Bild: Wie tickt das Land, wie sind die Menschen, wie ist die Stimmung in der Gesellschaft und welche aktuellen Entwicklungen gibt es im Land? Oft begegnen sich Tradition und Moderne, Armut und Reichtum, und viele weitere Kontraste auf kleinem Raum.

Viel wussten wir über Windhoek im Vorfeld unserer Reise ehrlich gesagt nicht. Ein Grund mehr, in diese Stadt einzutauchen. Auf geht’s:

Windhoek Key Facts und allgemeine Informationen

Key Facts Windhoek
  • Einwohnerzahl: ca. 400.000 mit wachsender Tendenz –> damit die größte Stadt Namibias
  • Lage: ziemlich genau in der Mitte von Namibia
  • Höhe: mehr als 1.6oo Meter über dem Meeresspiegel – trotzdem im Talkessel
  • Wetter: ganzjährig warm (mittlere Temperatur etwa 26 Grad), Regen besonders von Dezember – März
  • Anbindung: Internationaler Flughafen mit Direktflügen aus Deutschland, Bahnhof mit Zugverbindungen innerhalb des Landes, zahlreiche Mietwagenfirmen
  • Besuchsdauer: Wir empfehlen 2-3 Tage

Windhoek wurde offiziell erst 1890 gegründet. Interessant ist, dass trotz einer relativ jungen Stadtgeschichte verschiedene Einflüsse in der Stadt vorhanden sind. Die deutsche Kolonialgeschichte ist anhand einiger Gebäude, Straßennamen und Geschäften präsent. Südafrikanischer Einfluss – Namibia ist erst seit 1990 unabhängig von seinem Nachbarn – ist beispielsweise an der Siedlungspolitik erkennbar. Dunkelhäutige Einwohner Windhoeks wurden in die Vorstädte verbannt und so entstand der Stadtteil Katutura. Mittlerweile ist es Windhoeks bevölkerungsreichster Stadtteil und damit vielleicht auch das wirkliche Zentrum der Stadt. Die Spuren der Apartheidspolitik sind somit in Namibia weiterhin erkennbar.

Windhoek ist umgeben von den Auasbergen. Das Klima empfinden wir im Juni und Juli als sehr angenehm. Tagsüber 20 bis 25 Grad bei konstant strahlendem Sonnenschein und eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit – das ist für uns der perfekte Winter. Auch wenn wir immer im T-Shirt herumgelaufen sind, scheint es für viele Namibier sehr kalt zu sein. Mäntel, Fleecejacken und Wollmützen werden häufig getragen.

Ein kleines bisschen Alltag in der Hauptstadt Windhoek

Für uns ist es ein unschätzbarer Vorteil, durch unsere lang andauernde Weltreise auch ein wenig Alltag an den verschiedenen Orten mitzuerleben. So freuen wir uns über mehr als drei Wochen in Windhoek. Wie sieht es in den Supermärkten aus (das finden wir immer sehr spannend), wann und wo ist etwas los auf den Straßen, wie ist die Atmosphäre und wie sieht es abseits der touristischen Hotspots aus? Pandemiebedingt ist es natürlich schwierig, viel Kontakt zu Einheimischen zu bekommen. Einige Restaurants und Cafés haben leider geschlossen. So können wir auch nicht einschätzen, ob die bettelnden Kinder in der Fußgängerzone immer dort anzutreffen sind oder ob es Folgen der Pandemie und dem ausbleibenden Tourismus sind.

Weltreise 2021 Namibia Hauptstadt Briefkaesten
Everyday Life – Bilder von Briefkästen auf großem Platz

Erster Eindruck von Windhoek

Bei unserer Ankunft in Namibia erreichen wir am frühen Morgen den internationalen Flughafen Hosea Kutako, etwa 40 Kilometer außerhalb von Windhoek. Ein Mitarbeiter unserer Mietwagenfirma holt uns ab und mit der aufgehenden Sonne erreichen wir die Stadt. Nach einer ausführlichen Einführung übernehmen wir das Auto und steuern als erstes ein Einkaufszentrum, die Maerua Mall, mit einem großen Supermarkt an. Was uns direkt auffällt: Es gibt extra breite und extra hohe Parkplätze für Safari-Jeeps. Das Angebot im Supermarkt ist groß und wir laden erste Vorräte ein.

Unser erster Eindruck lautet: Sehr gute Straßen, geordneter Verkehr, großzügige Einkaufsmöglichkeiten und freundlich wirkende Menschen.

Fünf Wochen Roadtrip durch Botswana und Namibia liegen nun vor uns.

Etwa 8.000 Kilometer und unzählige Eindrücke später kommen wir zurück nach Windhoek und möchten mehr von der Hauptstadt sehen. Dafür haben wir ein zentrales Apartment, fußläufig zur Innenstadt, gemietet. Mit einem einwöchigen Zwischenstopp in Swakopmund verbringen wir schlussendlich insgesamt etwa drei Wochen in der Hauptstadt. Wir nutzen die Zeit, um unsere Reise-Eindrücke zu verarbeiten und, um Windhoek zu erkunden.

Weltreise 2021 Namibia Sonnenuntergang
Sonnenuntergang von unserem Balkon am ersten Abend nach dem Roadtrip

Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Windhoek

Der erste Tag unserer Stadtbesichtigung führt uns hauptsächlich durch das Zentrum. Immer wieder treffen wir auf die Independence Avenue als zentrale Verkehrsader. Ein Bummel entlang dieser Straße zeigt einiges vom Flair der Hauptstadt. Wir empfinden das Zentrum von Windhoek als sicher und bewegen uns dort ungestört.

Historische Kolonialgeschichte und moderne Architektur

Viele Highlights bieten sich rund um den Zoopark, der direkt an die Independence Avenue grenzt. Der Zoopark ist eine kleine Grünanlage inklusive einer Freilichtbühne und einem Spielplatz. Auch eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die deutsche Kolonialherrschaft ist dort installiert. Uns gefällt die Atmosphäre. Einige Anwohner liegen auf der Wiese, picknicken oder verbringen ihre Pause dort.

Direkt gegenüber findet sich der denkmalgeschützte historische Straßenzug mit dem Erkrath-Gebäude, dem Gathemann-Gebäude und dem Hotel Kronprinz. Umrahmt und fast schon dominiert wird das Ensemble von einigen modernen Banken und Versicherungen.

Weltreise 2021 Namibia Windhoek Zoopark Sehenswuerdigkeiten
Zoopark mit Bankgebäude im Zentrum Windhoeks
Weltreise 2021 Namibia Windhoek Sehenswuerdigkeiten
wilhelminische Gebäudereihe mit Wirtschaftsgebäuden
Fußgängerzone mit Kunst und Uhrturm

Unmittelbar an die zuvor genannten Gebäude schließt sich die wenige hundert Meter lange Fußgängerzone von Windhoek an. Sie beginnt mit dem kleinen, zwischen den umliegenden Gebäuden fast verschwindenden, Uhrturm. Leider sind nur wenige Straßenhändler anzutreffen, vermutlich eine Folge der Pandemie. Trotzdem ist es lebhaft und bunt. Ein Brunnen aus Meteoriten und diverse Kunstwerke gestalten die Fußgängerzone abwechslungsreich.

Wir sehen junge Namibier beim Fotoshooting und beobachten die Menschen in ihrem Alltag. Kleine Seitengassen laden zum Entdecken ein. So stehen wir auf einmal in einem schönen Innenhof. Alte deutsche Straßenschilder zeigen die Abzweige zur Stübelstraße und zur Poststraße, wie die Hauptstraße der Fußgängerzone früher hieß. Irgendwie ist es für uns immer noch komisch, 8.000 Kilometer von Deutschland entfernt auf deutsche Geschichte zu treffen. Leider werden wir in der Fußgängerzone einige Male von Kindern um Geld oder Lebensmittel angebettelt.

Weltreise 2021 Namibia Windhoek Sehenswuerdigkeiten Uhrturm
Am Uhrturm beginnt die Fußgängerzone von Windhoek
Weltreise 2021 Namibia Windhoek Zentrum Poststrasse
kleiner Innenhof mit Zeugnissen deutscher Vergangenheit
Weltreise 2021 Namibia Windhoek Zentrum Poststrasse
die Poststraße im Zentrum von Windhoek
Christuskirche und politisch bedeutsame Gebäude

Zurück an der Independence Avenue zweigen wir diesmal in die andere Richtung durch den Zoopark ab. Die Christuskirche ist eines der Wahrzeichen der Stadt und keine 300 Meter entfernt. Die evangelisch-lutherische Kirche steht auf einem kleinen Hügel und ist schon von der Hauptstraße aus zu sehen. Leider ist ein Besuch des Inneren nur im Rahmen von geführten und vorab angemeldeten Touren möglich.

Schräg hinter der Kirche fällt ein großes, relativ modernes Gebäude mit einer Statue davor auf. Die Statue zeigt Sam Nujoma, einen der berühmtesten Freiheitskämpfer Namibias. Zudem war er der erste Staatspräsident des Landes nach Erreichung der Unabhängigkeit 1990 (!). Im Gebäude dahinter ist das Unabhängigkeitsmuseum untergebracht. Direkt daneben ist die Alte Feste zu sehen. Heute als Nationalmuseum genutzt, war sie schon Ende des 19. Jahrhunderts das Hauptquartier der deutschen Besatzungstruppen. Später diente sie auch als Quartier der südafrikanischen Besetzer.

Weltreise 2021 Namibia Windhoek Christuskirche
Christuskirche und Unabhängigkeitsmuseum

Das ist aber noch nicht alles. An die Christuskirche grenzt mit dem Parlamentsgarten eine Grünanlage. Ein Blick in diese eröffnet die Aussicht auf den Tintenpalast. Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Gebäude wurde übrigens vom selben Architekten wie die Christuskirche entworfen. Der Tintenpalast wird heute noch politisch genutzt und ist Sitz der Nationalversammlung Namibias. Ringsherum sind weitere Ministerien, Behörden und Justizgebäude zu finden. Fast noch mehr gefallen uns allerdings einige kleinere Wohngebäude, die wir in der Umgebung entdecken.

Weltreise 2021 Namibia Windhoek Zentrum
Schöne Wohngebäude am Straßenrand in Windhoek
Zeit für eine Pause – Windhoek kulinarisch

Eine Pause zwischen den Entdeckungen gehört natürlich auch dazu… Kulinarische Erlebnisse zählen immer zu unseren Highlights auf Reisen. Wir probieren gerne lokale Spezialitäten. In Swakopmund hatten wir bereits sehr gutes Essen in verschiedenen Cafés und Restaurant. In Windhoek haben wir uns schwer getan. Pandemiebedingt sind leider einige Restaurants (dauerhaft) geschlossen. Außerdem wird Windhoek zu Teilen unserer Besuchszeit unter strengere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus gestellt. So dürfen Restaurants nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten.

Dennoch: Leckeren Kaffee und Kuchen gibt es im Craft Café Namibia, welches sich im Old Breweries Craft Market befindet. Wer will, kann hier also direkt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und vor- oder hinterher Souvenirs kaufen. Das Eis bei Cramer direkt am Zoopark ist lecker und ebenfalls guten Kaffee gibt es unmittelbar daneben bei den Slowtown Coffee Roasters. Wer es, zumindest vom Namen her, traditionell deutsch mag, ist im Café Schneider oder im Goethe Café gut aufgehoben. Wir haben beide Lokale aber nicht getestet und können daher keine Empfehlung geben.

Streetfood und das berühmte Joe’s Beerhouse

Natürlich ist es auch möglich, an einem der Straßenstände zu essen. Zwei, drei Mal kaufen wir dort etwas und es hat uns immer gut geschmeckt. Die Pizza im Sicilia ist ok und durch die fußläufige Entfernung zu unserem Apartment auch perfekt zum Mitnehmen geeignet. Als Restaurant ist Joe’s Beerhouse eine Institution in Namibia, insbesondere unter Touristen und Expats. Es liegt zwar etwas außerhalb am Rande von Windhoek-Zentral. Allerdings wird ein Shuttleservice angeboten. Wir sind nur einmal dort, um uns die riesige!! Anlage von innen anzugucken. Die Deko und Einrichtung sind aufwendig, alles wirkt gemütlich, das Essen ist (leider nur) OK.

Das übrigens unseren Beobachtungen nach beliebteste „Restaurant“ ist eine international bekannte Fast-Food-Kette mit Schwerpunkt auf Hühnchen. Die Schlange am Drive-In hat einige Male bis auf die Hauptstraße gereicht. Aber es wäre auch ohne Anstellschlange keine Option für uns gewesen…

Windhoek Station: Spaziergang zum historischen Bahnhof

Über die Independence Avenue gehen wir weiter in Richtung Norden. In etwa einem Kilometer liegt der historische Bahnhof Windhoeks. Unterwegs machen wir kurze Abstecher. Zuerst sehen wir die katholische St. Mary’s Cathedral, die zweite recht imposante Kirche in Windhoek-Zentral. Später gucken wir uns die Turnhalle an, ein historischer Bau aus 1913. Sie ist auch für die neuere Geschichte von großer Relevanz, da dort die Unabhängigkeitserklärung Namibias unterschrieben wurde und heute der Gerichtshof (Tribunal) der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas seinen Sitz hat.

Gerichtshof des südlichen Afrikas in der historischen Turnhalle und St. Mary’s Cathedral

Die Windhoek Station erreichen wir wenig später. Zunächst sieht alles wie leergefegt aus, es ist überhaupt nichts los. Der Bahnhof an sich gefällt uns gut und die historischen Lokomotiven und Waggons auf dem Vorplatz und neben dem Gebäude passen in das Gesamtbild. Im Bahnhofsgebäude befindet sich das Transnamib-Museum. Leider sind alle Türen verschlossen. So werfen wir nur einen schnellen Blick durch die Haupteingangstür zum Bahnhof. Schade…

Private Führung durch die Windhoek Station

Gerade als wir uns umdrehen, geht die Türe auf. Ein Mann lädt uns ein, in den Bahnhof zu kommen. Wir freuen uns sehr über die unverhoffte Gelegenheit. Es ist beeindruckend und sieht so aus, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Wir fühlen uns um 100 Jahre zurückversetzt. Die Schalter in der Halle oder die Anzeigetafeln, alles wird früher genauso ausgesehen haben. Selbst die Glocke am Bahnsteig als Signal für die Abfahrt der Züge hängt noch. Einige Fotografien im Inneren des Bahnhofes zeigen einige Städte in Namibia zu Zeiten ihrer Erschließung mit der Eisenbahn und wie sie heute aussehen.

Weltreise 2021 Namibia Windhoek Station
Windhoek Station: Der Bahnhof der Hauptstadt

Zudem kommen wir mit dem Mann ins Gespräch und er erzählt uns, dass er in einem Chor singt. Mit diesem war er schon mehrfach zu Auftritten in Deutschland und ist auch so schon viel gereist. Das ist vermutlich ein Privileg, das sonst eher der weißen Bevölkerung Namibias vergönnt ist. Außerdem erzählt er uns einiges über den Bahnhof und Namibia allgemein. In Windhoek empfiehlt er uns einen Besuch des Stadtteils Katutura und sagt, dass es dort sicher sei.

Sonnenuntergang am Three Circles Viewpoint

Zum Tagesabschluss gehen wir zurück in Richtung Independence Avenue, überqueren diese und kommen erneut an der Turnhalle vorbei. Bis zu unserem Ziel, dem Three Circles Viewpoint östlich der Innenstadt, haben wir noch ein paar Höhenmeter vor uns. Der Name kommt von den drei kreisrunden Flächen, deren umgebende Mauern mit zahlreichen Graffitis besprüht sind. Das gefällt uns sehr, ebenso wie der abendliche Blick auf Windhoek. Der Aussichtspunkt ist gut besucht, insbesondere viele jugendliche Namibier verbringen ihre Zeit hier. Wir würden den Punkt nicht als das Highlight schlechthin bezeichnen, es ist aber ein schöner Tagesabschluss im Zentrum Windhoeks.


Windhoek: Gegensätze und nachdenkliche Momente

Schon die Erlebnisse in Windhoeks Zentrum bieten viel Abwechslung. In der Stadt könnt ihr zusätzlich noch durch verschiedene große Shopping Malls bummeln oder ihr besucht weitere Museen wie beispielsweise dass Old Wheelers Museum über die Geschichte der Motorisierung in Namibia.

Außerhalb von Windhoek-Zentral bieten sich einige Möglichkeiten für weitere Unternehmungen. Ihr könnt in den umliegenden Bergen wandern, im Daan Viljoen Game Reserve Tiere beobachten oder den monumentalen Heldenacker besuchen, ein riesiges Kriegsdenkmal im Süden Windhoeks.

Uns zieht es allerdings in die anderen Stadtteile Windhoeks. Außerhalb der Innenstadt werden wir mit noch viel mehr Kontrasten konfrontiert:

Armut und Reichtum – Katutura, Luxury Hill und Präsidentenpalast

Immer wieder hatten wir gelesen, dass eine Tour durch den Stadtteil Katutura ein interessantes und authentisches Bild von einem Teil Namibias vermittelt. Historisch gesehen ist Katutura der Stadtteil, in welchen die Schwarze Bevölkerung im Zuge der Apartheidspolitik umgesiedelt wurde.

Vor unserem Besuch haben wir lange darüber nachgedacht, ob wir uns den Stadtteil wirklich ansehen möchten. Handelt es sich bei Katutura um ein Township, ähnlich wie in vielen südafrikanischen Städten? Und stellt eine geführte Tour ein Vorführen der Schwarzen Bevölkerung dar? Zudem leben die Menschen dort häufig nur (oder wie wir später feststellen: immerhin) in Wellblechhütten und möchten vielleicht nicht, dass man so nah in ihre Privatsphäre eindringt.

Letztlich hatte uns der nette Mann im Bahnhof (selbst Teil der Schwarzen Bevölkerung) überzeugt, einfach dorthin zu fahren. Es sei dort sehr sicher und wir könnten uns frei bewegen. Zudem sind dieser und die angrenzenden Stadtteile ein großer Teil von Windhoek. Daher interessiert es uns schon sehr, um ein möglichst umfassendes Bild zu bekommen. So fahren wir mit unserem Mietwagen, einem kleinen VW Polo, einige Kilometer aus dem Stadtzentrum hinaus nach Katutura.

Katutura und Okuryangava – informal settlements

Zuerst fällt uns auf, dass die Häuser immer kleiner und niedriger werden. Aber es sind Häuser aus Stein. Asphaltierte Bürgersteige gibt es kaum noch. Dann tauchen die ersten Wellblechhütten auf. Häufig sind es Geschäfte, Bars oder Take-Aways. Das Viertel ist sehr lebhaft. Wäsche hängt draußen zum trocknen, viele Kinder lassen sich die Haare flechten und andere spielen auf der Straße Fußball. Wir empfinden die Atmosphäre als positiv und entspannt. Auf jeden Fall wirkt es so, als ob sich das Leben mehr draußen abspielt. Wir lassen uns treiben und biegen mal hier und mal da ab.

Wellblech-Bar und kleine Geschäfte
Wachsende Bevölkerung am Rande Windhoeks

Viele Menschen kommen mit der Hoffnung in die Hauptstadt, dort mehr Geld zu verdienen und ihr Leben zu verbessern. Deshalb breiten sich Katutura und die angrenzenden Stadtteile immer weiter aus. Die Bevölkerung Windhoeks steigt insbesondere in diesen Stadtteilen an. So sind wir schlussendlich nicht nur in Katutura, sondern auch im nördlich angrenzenden Okuryangava.

Je weiter wir an den Stadtrand kommen, desto mehr Wellblechbehausungen gibt es und die Verkaufsstände werden immer einfacher. Insbesondere um die vereinzelten Häuser oder um die Schulen herum, sind (Stachel-) Drahtzäune installiert. Ja, Schulen oder Day Cares wurden in Katutura einige errichtet. Später sehen wir dann fast ausschließlich Wellblechhütten. Die wenigen Waren werden einfach auf den Boden gelegt oder auf Pappkartons gestellt.

Kilimanjaro Informal Settlement

Am nördlichen Stadtrand haben wir einen Ausblick auf das Kilimanjaro Informal Settlement. Die Aussicht auf die vielen Hütten aus Wellblech oder gesammelten Müll werden wir so schnell nicht wieder vergessen!

Bisher fühlen wir uns sehr sicher. Dennoch entschließen wir uns, wieder zurück in Richtung Katutura und Richtung Zentrum zu fahren. Kommt man, so wie wir gerade, aus einem Informal Settlement, wirkt Katutura richtig weit entwickelt. Es gibt den großen Soweto Markt, ein Einkaufszentrum, mehrere Steinhäuser und Schulen sowie medizinische Einrichtungen.

Auf der Hauptstraße gibt es einige Läden, in denen quasi alles zu bekommen ist. So sehen wir zum Beispiel mehrere Wellblechhütten mit Werbung, dass sie Windows und Virenscanner installieren oder Elektrogeräte verkaufen (in welchem Zustand auch immer…). Sehr präsent sind auch die kleinen „We cut meat„-Wellblechhütten.

Blick über das Kilimanjaro Informal Settlement
Prägende Momente am Rande von Windhoek

Auf unserem Rückweg durch Katutura und Okuryangava halten wir an einer Straßenecke. Ich (Thomas) steige aus, um an einem Straßenstand etwas zu essen zu kaufen. Würstchen werden gegrillt und für einen namibischen Dollar (etwa 0,06€) kauft man ein Stückchen. Dieses wird dann abgeschnitten und kann direkt vom Grill gegessen werden. Allerdings werde ich dort von einem der Männer angesprochen. Er empfiehlt uns dringend, lieber jetzt als gleich das Viertel zu verlassen. Es sei hier einfach nicht sicher für uns…

Thomas kauft am Straßenstand Essen

Insgesamt wühlt uns der Besuch auf eigene Faust von Katutura und der Armenviertel in den Randgebieten ziemlich auf. Die informellen Wohnsiedlungen sind ein krasser Anblick! Wir sind ergriffen, auch wenn wir es kaum beschreiben können. Die Eindrücke sind so emotional! Teilweise geht es rechts und links die Hügel hoch und runter und wir sehen nur noch Wellblechstücke in verschiedenen Formen und Farben. Zusammengesteckt ergeben sie so etwas wie windschiefe Verschläge. Es gibt kaum Gassen zwischen den Behausungen.

Ein besonders emotionaler Moment wird uns ewig im Gedächtnis bleiben: Mehrere Kinder laufen fröhlich hinter einem Stück Müll her und spielen damit. Als wir vorbeifahren, winken sie und freuen sich. Es ist schön zu sehen, wie vorurteilsfrei Kinder noch sind und es ihnen egal ist, wie die Menschen aussehen. Jenny kämpft mit den Tränen.

Was uns noch auffällt: Wir werden kein einziges Mal angebettelt! Vielleicht scheinen also wirklich keine Weißen hierher zu kommen, denn sowohl in der Innenstadt als auch in anderen Teilen des Landes haben wir dies anders erlebt.

Trotzdem sind wir sehr froh, dass wir „nur“ in einem Polo unterwegs sind. In einem großen Safari-Auto wären wir schon von weitem als Touristen erkannt worden und sicher nicht in diese Stadtteile gefahren. Später lesen wir, dass carjacking verbreitet sei… Vielleicht hatten wir einfach nur kein Pech…

Luxushügel, Burgen und Präsidentenpalast

Schon der Name Luxushügel, östlich des Zentrums im Stadtteil Klein Windhoek, lässt den Kontrast erahnen, den wir hier in wenigen Stunden erleben. Drei Burgen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, die Schwerin-, Sander- und Heinitzburg stehen dort relativ dicht beieinander. Leider sind die ersten beiden nicht zu besichtigen. In der Heinitzburg ist allerdings ein 4-Sterne-Hotel inklusive Restaurant. So kann zumindest diese besucht und von deren Terrasse ein schöner Blick über die Stadt genossen werden. Ansonsten sehen wir auf unserem Spaziergang auf dem Luxushügel viele Gebäude, die mit teilweise hohen Mauern und blickdichten Zäunen umgeben sind. Die Straßen sind wie leergefegt.

Etwas weiter von der Innenstadt entfernt liegt Auasblick. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist die Aussicht auf die Windhoek umgebenden Auasberge in diesem teuren Stadtteil hervorragend. Neben schönen Aussichtspunkten, ist dieser Ort sehr gut geeignet, um den Sonnenuntergang über Windhoek zu genießen.

Außerdem befindet sich dort der Regierungssitz Namibias. Und es wird noch prunkvoller: Das State House, der Regierungs- und Präsidentensitz, oder vielleicht besser der Präsidentenpalast, dominiert diesen Stadtteil. Allein die kilometerlangen vergoldeten Zäune zeugen davon, dass hier nicht gespart wurde. Wir belassen es bei einem abendlichen Blick auf das Areal und genießen den Sonnenuntergang.

schon von Weitem ist die Kuppel des Präsidentenpalastes zu sehen

Persönliches Fazit: Windhoek ist definitiv einen Stopp wert!

Es ist immer noch kurios für uns, durch eine afrikanische Stadt zu laufen und deutsche Einflüsse zu sehen. Beispiele sind Straßennamen wie Garten-, Sperlingslust oder Hans-Dietrich Genscher-Straße, Gebäude wie die Turnhalle oder Alte Feste und deutsche Produkte im Supermarkt. Auch wenn uns mehrere Namibier bestätigen, keinen Groll gegenüber Deutschen zu empfinden, macht uns die Geschichte nach wie vor traurig.

Allgemein fällt uns auf, dass Windhoek eine relativ saubere Stadt ist. Je zentraler oder touristischer wir uns bewegen, beispielsweise in der Fußgängerzone oder an großen Kreuzungen, desto mehr werden wir allerdings mit Bettelei konfrontiert. Leider sprechen uns auch einige Kindern an.

Zwar sind Großstädte oft vielfältig, in Windhoek fallen uns die Gegensätze aber sehr ins Auge. Seien es das moderne Shoppingcenter und große Restaurants im Vergleich zu den einfachsten Straßenständen oder Luxusgebäude und zusammengezimmerte Wellblechhütten. Die Unterschiede sind in vielen Bereichen riesig. Wir haben das Gefühl, in einer krassen Zwei-Klassen-Gesellschaft zu sein. Fröhlichkeit und Lebensfreude erleben wir verstärkt in den ärmeren Vierteln.

je zentraler wir kommen, desto größer das Angebot an verschiedenen Waren

Seid ihr für eine mehrwöchige Reise in Namibia, würden wir einige Tage in der Hauptstadt definitiv empfehlen. Der Besuch der Stadt hat unsere Namibia-Reise abgerundet und uns weitere Facetten des Landes gezeigt. Zudem hat uns Windhoek mit seiner Vergangenheit aus Kolonialgeschichte und Apartheidspolitik, zusätzlich zum Nachdenken angeregt.


Unser erster „Städtetrip“ in Afrika hat uns viele interessante Eindrücke vermittelt. Wie ist es bei Euch? Besucht ihr auch gerne die Hauptstadt eines Landes und würdet ihr in Namibia auch ein paar Tage für Windhoek einplanen? Viele Grüße, Thomas

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Werbung, da wir Euch erzählen, was wir für ein Auto gemietet haben (VW Polo)…

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