Swakopmund – Geschichte, Robben und Welwitschias

Das charmante Städtchen Swakopmund hat jede Menge deutsche Kolonialgeschichte zu bieten und ist ein perfekter Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Ausflüge. Zwischen Robben, Welwitschias und Architektur erleben wir eine neue Seite von Namibia.


Willkommen zu unserer dritten Teilstrecke auf unserem Namibia Roadtrip. Heute teilen wir:

Ankunft in Swakopmund – und Sandsturm

Von unserem Zwischenstopp in Uis sind es noch etwas mehr als 200 Kilometer bis nach Swakopmund. Die zweite Hälfte der Strecke führt über die sehr gut ausgebaute B2, geradeaus auf das Meer zu. Schon von Weitem erkennen wir einen feinen, blauen Streifen am Horizont. Wir freuen uns so auf die Küste!

Weltreise 2021 Namibia Strassenverkauf Swakopmund
Verkaufsstände am Straßenrand Richtung Swakopmund

Nach vielen Stunden im Auto sind wir froh, Swakopmund zu erreichen. Der lange Tag, an dem wir schon am Morgen im versteinerten Wald im Damaraland waren, hat uns müde gemacht – und hungrig! Deshalb steuern wir als erstes ein kleines Fischrestaurant an. Von der freundlichen Bedienung werden wir direkt auf deutsch angesprochen. Willkommen in Swakopmund…!

Mit unserem Abendessen fahren wir zur Seebrücke. Der Fisch ist frisch und super lecker! Vor uns geht die Sonne am wolkenlosen Himmel über dem rauen Atlantik unter. Wir sind zufrieden mit unserem Auftakt in Swakopmund.

Weltreise 2021 Namibia Seebruecke Swakopmund Sonnenuntergang
frischer Fisch mit einer fantastischen Aussicht auf die Seebrücke von Swakopmund

Anschließend fahren wir die letzen Meter zu unserer Campsite, wo wir einige Tage bleiben werden. Unser privater Stellplatz ist richtig luxuriös. Wir haben sogar ein eigenes Häuschen mit WC, Dusche und Wlan. Jetzt freuen uns auf eine erholsame Nacht und stellen uns endlich mal wieder keinen Wecker…

Sandsturm in der Nacht

Ausschlafen sieht anders aus… In der Nacht ist ein kräftiger Sturm mit starken Windböen aufgezogen und hat uns in unserem Zelt richtig durchgeschüttelt. Das Ergebnis sind höchstens zwei Stunden Schlaf.

Als es hell wird, entdecken wir das ganze Ausmaß… feinster Sand… überall. Unsere Schlafsäcke glitzern silbrig und die Kameras und E-Reader, die wir abends im Zelt noch benutzt haben, sind bedeckt von Sand. Sch… Unsere Haare kleben, selbst in den Ohren haben wir Sand *grins. Der Vormittag besteht also aus putzen und waschen. Was für eine zähe Nummer.

Weltreise 2021 Namibia Swakopmund Campsite Alte Bruecke
Luxus-Campsite in Swakopmund: Alte Brücke mit eigenem Haus/Badezimmer

Ausflug zur Robbenkolonie am Cape Cross

Eine Fahrt zum Kreuzkap (Cape Cross) ist für namibische Verhältnisse fast schon eine Kurzstrecke. Von Swakopmund aus sind es nur etwa 130 Kilometer. Die Straße führt nahezu komplett geradeaus entlang der Küste und ist überwiegend asphaltiert. Historisch ist das Kreuzkap von Bedeutung, da der portugiesische Seefahrer Diego Cão Ende des 15. Jahrhunderts an dieser Stelle erstmals namibianischen Boden betrat. Das original errichtete Kreuz ist nicht mehr zu sehen. Dafür gibt es aber zwei Nachbildungen inklusive der Inschriften. So viel zur Geschichte. Aber das ist nicht der primäre Grund für unseren Ausflug.

Unser Ziel sind die Bewohner des Gebietes. Das Cape Cross Seal Reserve ist nämlich die Heimat von etwa 80 bis 100 Tausend Ohrenrobben. Unvorstellbar, diese Anzahl!

Anfahrt zum Kreuzkap von Swakopmund aus

Der Benguela-Strom lockt Fische und Robben zum Cape Cross

Der Grund für die riesige Robbenkolonie ist das hervorragende Nahrungsangebot. Der Benguela-Strom sorgt für perfekte Rahmenbedingungen. Das Meer ist so fischreich, dass sogar noch mehr Robben dort leben könnten. Das würden sie auch. Allerdings wird der Bestand durch menschliche Eingriffe jedes Jahr teilweise deutlich reduziert.

Für uns ist es jedenfalls eine unvorstellbar große Menge an Tieren, die die raue Atlantikküste am Kreuzkap bevölkern. Ganz schöne Brocken sind sie auch. Männliche Tiere können bis zu 350 Kilogramm schwer werden. Überwiegend sehen wir jedoch weibliche Tiere, die bis etwa 80 Kilogramm wiegen können, mit ihren Jungtieren. Die männlichen Tiere kommen eigentlich nur zur Paarungszeit in den letzten Monaten des Jahres an Land. Eine Besonderheit der Ohrenrobben ist, dass sie sich relativ gut und flott an Land bewegen können.

Soviel zur Theorie. Jetzt beginnen wir unseren Spaziergang. Schon beim Parken des Autos auf dem Parkplatz müssen wir vorsichtig sein, da einige Tiere es sich dort in der Sonne bequem gemacht haben und sich keinen Zentimeter bewegen…

Robben begrüßen uns am Parkplatz von Cape Cross
gut zu Fuß: Ohrenrobben sind auch an Land ganz schön schnell

Kurz hinter dem Parkplatz beginnt ein großer Steg, über den man zwischen den Robben hindurch laufen könnte. Die Holzkonstruktion ist jedoch von den Tieren in Besitz genommen und es ist kein Durchkommen möglich. Aber sie waren ja schließlich auch zuerst hier *grins.

Egal, in welche Richtung wir blicken, wir sehen nur Robben. Der Strand ist bedeckt von teilweise übereinander liegenden Tieren und in den Wellen vor der Küste wimmelt es vor schwarzen Punkten. Einfach überall sind Robben!

der Besuchersteg ist von den Robben in Beschlag genommen und nicht passierbar
unglaublich süß, diese kleinen Ohrenrobben am Cape Cross

In den Wellen tummeln sich Tausende von Ohrenrobben

Am Ufer liegen sie neben- und übereinander, aber auch im Wasser sind unzählige Tiere. Es ist faszinierend, wenn eine der großen Wellen heranrauscht und die unendlich vielen Robben tauchen, schwimmen oder in den Wellen springen. Beeindruckend ist es auch, wenn sich eine Horde von bis zu fünfzig Tieren plötzlich in Bewegung setzt und sich in die Fluten stürzt. Und natürlich lieben wir die vielen Jungtiere, die bei ihrer Mutter trinken oder miteinander spielen. Ach, wir könnten ewig zugucken…

Es gibt übrigens keinerlei Zäune oder sonstige Absperrungen. Schlussendlich geben uns die Robben vor, wo wir hingehen können und wohin nicht. Uns ist es ohnehin wichtig, die Tiere in Ruhe zu lassen. Daher gehen wir nur dorthin, wo wir den Abstand wahren können. Grundsätzlich sollte man natürlich nie zwischen die Robben gelangen. Sie könnten sich gestört fühlen und sich gegebenenfalls auch verteidigen.

trinkendes Ohrenrobben-Jungtier
die Robbenkolonie von Kreuzkap belagert den kompletten Strandabschnitt
es ist faszinierend, wie die Massen an Robben in den Wellen toben

Heftiger Gestank in der Cape Cross Luft

Abschließend wollen wir dies nicht verschweigen: Wir können nicht nur unzählige Robben sehen, wir können sie auch riechen! Es ist wirklich krass, was für ein Geruch in der Luft liegt. Tja, so viele Robben müssen ja auch irgendwo ihr Geschäft verrichten… Zudem sehen wir leider auch einige tote Tiere am Strand liegen. Teilweise sind es noch sehr frische Kadaver, an denen Möwen herumpicken. Außerdem sind auch Schakale und Hyänen häufig am Kreuzkap. Gerade Jungtiere stehen auf deren Speiseplänen weit oben. Oft sehen wir auch diverse Skelettteile, Schädel, Wirbel oder andere Knochenstücke. Uns hat der Gestank an den toten und noch verwesenden Elefanten erinnert, dem wir im Central Kalahari Game Reserve begegneten.

Zudem herrscht eine ständige Geräuschkulisse. Richtig laut soll es aber erst werden, wenn die Männchen zur Paarungszeit an Land kommen und sich mit Gebrüll um ihr Revier streiten.

Salz, Schiffswracks und Schlager auf dem Rückweg nach Swakopmund

Kaum sind wir auf der Straße nach Swakopmund, die etwa einen Kilometer vom Meer entfernt verläuft, sind es um die 35 Grad. Am Kreuzkap bei den Robben waren es bestimmt zehn Grad weniger. Immer wieder kommen wir an Souvenirständen mit Salzkristallen vorbei. Verkäufer sehen wir weit und breit nicht. Es stehen überall nur Spardosen zur Selbstzahlung.

Uns kommen einige Autos entgegen, die aus der Entfernung etwas merkwürdig aussehen. Das war uns schon bei der Ankunft in Swakopmund aufgefallen. Bei näherer Betrachtung entdecken wir Angelhalterungen an den Fahrzeugen! Klar, logisch! Sie sehen an jedem Auto anders aus. An den jeweils passend erscheinenden Stellen werden auf dem Dach, an der Kofferraumklappe oder seitlich Stahlköcher befestigt, worin die Angeln stecken. Sie sehen interessant bis lustig aus, diese Konstruktionen.

Ansonsten sehen wir einige Schiffswracks an der Atlantikküste. Die heftige Brandung an dieser Küste ist für Schiffe sehr gefährlich. Der weit über 500 Kilometer lange Abschnitt von Swakopmund bis zur Grenze von Namibia und Angola am Fluss Kunene heißt Skeleton Coast. Der Name leitet sich von den vielen Schiffsskeletten ab, die dort zu finden sind. Bei einem Schiffswrack, der 2008 gesunkenen Zeila, halten wir für eine Pause an. Die See ist ziemlich rau und die Wellen brechen sich. Es ist ein beeindruckender Anblick, insbesondere mit der Kombination eines tollen Sonnenuntergangs.

das Wrack der Zeila an der Skeleton Coast bei Swakopmund

Der Rest der Rückfahrt ist dann etwas skurril. Aber vielleicht ist es auch die richtige Einstimmung auf die folgenden Tage, in denen wir Swakopmund erkunden. Im Radio finden wir auf einmal einen deutschsprachigen Sender, der uns völlig unbekannte Schlagermusik spielt. Keine Ahnung, wo sie sowas ausgegraben haben. Dazwischen wird von Filmabenden, Spendenaktionen und Flohmärkten an deutschen Schulen berichtet.

Dem deutschen Einfluss kann man hier anscheinend wirklich nicht entkommen. Unser Abendessen haben wir im Altstadt Restaurant…


Swakopmund – charmantes Städtchen mit Historie

Swakopmund hat weniger als 50.000 Einwohner. Das touristische Highlight ist im Wesentlichen das nicht einmal einen Quadratkilometer große historische Zentrum.

Swakopmund wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, als die deutsche Kolonialmacht einen geeigneten Standort als Hafen zur Anlandung gesucht hat. Der in der Nähe liegende Hafen von Walvis Bay war unter britischer Verwaltung. So mussten sich die deutschen Besetzer nach einer Alternative umsehen. Diese Alternative haben sie an der Mündung des Swakop Flusses gefunden und Swakopmund gegründet. Damit ist die Erklärung des Stadtnamens auch abgeschlossen *grins.

Schon kurze Zeit nach der Gründung der Stadt wurde ein Linienverkehr zwischen Hamburg und Swakopmund aufgenommen. Die Woermann Linie als Betreiber des Schiffsverkehrs ist heute noch präsent, unter anderem mit dem auffallenden Woermannhaus mit seinem markanten Turm im Stadtzentrum.

An einer Stelle werden wir sogar an unsere alte Heimat erinnert: Nahe der Mole von Swakopmund steht unter dem Emblem der Woermann Linie ein großer Anker und das Schild Altona. Ach, Hamburg…

Spaziergang durch die Stadt

Swakopmund dehnt sich nördlich des Flusses aus, wobei die meernahen Bereiche die wohlhabenderen Teile sind. Dort leben viele Menschen mit europäischen Wurzeln und viele Unterkünfte liegen dort. Der größere Teil der Bevölkerung lebt in den Vorstädten, wo Touristen häufig nicht hinkommen und wo die Stadt fast nahtlos in die Namib-Wüste übergeht. Im Zentrum entsteht jedenfalls der Eindruck, in einem deutschen Örtchen aus dem frühen 20. Jahrhundert zu sein, da dort die historischen Einflüsse sehr präsent sind.

Obwohl das Zentrum recht klein ist, sind wir an mehreren Tagen durch den Stadtkern gelaufen. Zahlreiche Cafés, Restaurants oder Läden lassen uns gemütliche Tage hier verbringen.

Deutsche Architektur rund um das Wahrzeichen von Swakopmund

Unsere erste Tour durch die Stadt beginnen wir am Leuchtturm, der in Etappen auf seine jetzige Höhe von 21 Metern gebaut wurde. Rund um den Leuchtturm von Swakopmund gibt es einiges zu entdecken. Ein – vermutlich pandemiebedingt – etwas spärlicher Straßenmarkt mit Handwerk und Souvenirs, historische Gebäude wie das kaiserliche Bezirksgericht, aber auch einige Cafés und Restaurants. Wir schieben eine Kaffeepause im Café Anton mit Apfelstrudel und Nussteilchen ein – auch das ist Namibia.

Hinter dem Leuchtturm beginnt das Stadtzentrum und wir sehen viele alte und glücklicherweise häufig noch gut erhaltene Gebäude. Das Alte Amtsgericht, eine Bäckerei, das Prinzessin Rupprecht Hotel oder das beeindruckende Hohenzollernhaus. Auch Kirchen, sowohl katholisch als auch evangelisch, entdecken wir. Interessanterweise gibt es sogar eine Litfasssäule, eine deutsche Erfindung von 1854. Die Straßen haben Namen wie Moltke-, Bismarck- oder Poststraße. Außerdem gibt es die Schrödergasse und den Ankerplatz.

das Wahrzeichen von Swakopmund wurde 1911 final fertiggestellt
Altes Amtsgericht in Swakopmund
Lebhaftes Flair und Impressionen aus dem frühen 20. Jahrhunderts

Im Zentrum der Stadt gibt es viele deutsche Geschäfte, wie eine Buchhandlung, einen Friseur, eine Wäscherei und deutsche Restaurants. So prägen das Swakopmunder Brauhaus, das Altstadt Restaurant, der Fachwerk Biergarten oder auch das Stadtmitte Café das Zentrum. Es gibt sogar eine kleine Fußgängerzone. Insgesamt erzeugt das ein interessantes Flair, das mal so gar nicht in unser Bild von Afrika passt. Der Kontrast von lebhafter Stadt mit historischen Gebäuden gefällt uns trotzdem.

Neben dem Woermannhaus mit seinem markanten Turm (um die auslaufenden Schiffe zu beobachten), fällt uns noch ein ehemaliges Schülerheim auf. Ja, dieser Spaziergang ist wirklich ein Streifzug durch die Geschichte. Ein bisschen ist die Zeit hier stehengeblieben.

neobarockes Hohenzollernhaus – eines der schönsten Gebäude in Swakopmund
Woermannhaus, für den Hamburger Spediteur Woermann errichtet
Alte Kaserne und Streetart

Swakopmund war nur relativ kurz in deutscher Hand. Im ersten Weltkrieg wurde die Stadt von den Deutschen bereits wieder aufgegeben. Die nachfolgende südafrikanische Besatzung verwendete das etwa 40 Kilometer südlich liegende Walvis Bay als Hafenstadt und wichtiges Zentrum. Vielleicht ist das der Grund, weshalb wir durch ein nahezu unverändertes Stadtzentrum aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts laufen.

Da bereits 1902 die Bahnstrecke von Swakopmund nach Windhoek fertiggestellt wurde, gibt es sogar einen großen Bahnhof. In der Nähe erinnert ein Schild neben einem Hauseingang an den Ort der ehemaligen Kaiserlichen Zollabfertigungsstelle.

Zuletzt möchten wir noch die Alte Kaserne von Swakopmund erwähnen. Zwischendurch wurde das imposante Gebäude auch als Jugendherberge verwendet. Mittlerweile steht es jedoch leer und verfällt leider etwas. Was uns jedoch begeistert, sind die zahlreichen Wandmalereien an der umgebenden Mauer. Diese wurden von Kindern und Jugendlichen im Rahmen eines internationalen Jugendtages erstellt. Wir lieben Straßenkunst und betrachten die Sprüche und Zeichnungen.

der Alte Bahnhof von Swakopmund, rein konnten wir leider nicht…
Nasser Besuch und Gischt auf der Seebrücke

Obwohl sie eigentlich auf dem Weg in die Stadt liegt, besuchen wir sie erst relativ spät: Die Seebrücke, die über 200 Meter in den Atlantik ragt. Rund um die Seebrücke fällt uns auf, wie gut die Uferpromenade und die Parkanlagen am Meer gepflegt sind. Es ist sehr grün und sauber.

Außerdem entdecken wir ein Achtung-Perlhühner-Schild *grins. Erinnert ihr Euch noch an die lustige Situation im Central Kalahari Game Reserve in Botswana, wo sie mehrere Minuten vor uns hergelaufen sind?

die Promenade von Swakopmund südlich der Seebrücke

Um auf die eigentliche Seebrücke zu kommen, laufen wir zu Beginn über zwei schmale Stege. Die Wellen donnern unter uns her und spritzen so hoch, dass die Holzbretter, auf denen wir laufen, nass sind. Es ist unglaublich, mit welcher Wucht die Wellen angerollt kommen! Jenny ist zu Beginn etwas unsicher, ob die brüchige und teils verrostete Kontruktion diesen Naturgewalten standhalten kann. Der Zustand der Seebrücke könnte tatsächlich besser sein. Trotzdem ist es beeindruckend, über dem Meer zu stehen, während die Wellen unter uns in Richtung Strand und Stadt rollen.

Achso: Das berühmte Restaurant Jetty am Ende der Seebrücke ist übrigens geschlossen. Wir hatten uns schon so auf einen Besuch gefreut!

Swakopmund heute und kulinarisch

Für Swakopmund wuchs die Bedeutung des Tourismus immer mehr. Durch den eigenen Charme der Stadt und dank der einmaligen Lage zwischen Meer und Wüste ist Swakopmund sehr beliebt. Viele Ausflüge sind in der näheren Umgebung möglich, insbesondere Wüstentouren, zu Fuß oder motorisiert und verschiedene Sportmöglichkeiten in den Dünen und auf dem Wasser.

Kulinarisch kann Swakopmund definitiv überzeugen und bietet uns die Möglichkeit, abwechslungsreich und gut zu essen. Im Brewer & Butcher lassen wir uns vegetarische Burger mit selbstgebrautem Bier schmecken. Käsespätzle und Bratkartoffeln mit Hansa Bier gibt es im Altstadt Restaurant, frisches Sushi bei Andy’s Seafood Restaurant und mega leckeres Curry mit Garnelen vom The Fish Deli. Wir probieren einiges und sind immer begeistert. Unser Lieblingsort ist allerdings das Village Café. Eine superfreundliche Inhaberin, herzliche Bedienungen, ein tolles Ambiente, dazu leckerer Kaffee und vielseitiges Essen, überzeugen uns absolut. Nur in der Tiger Reef Beach Bar ist das Essen eher mau. Der Platz hinter einer Glasscheibe direkt am Wasser mit Blick auf einen fantastischen Sonnenuntergang macht den Besuch dann aber doch lohnenswert!

Sonnenuntergang von der Tiger Reef Beach Bar – im Hintergrund rechts ist die Seebrücke zu sehen

Zum Abschluss noch ein paar Gedanken von uns

Insgesamt mag sich das alles ganz lustig anhören, mit den deutschen Straßen, dem deutschen Essen und den vielen deutschen Einflüssen. Die Menschen mit deutschen Wurzeln, die dort leben und ihre Kultur bewahren, können wir verstehen. Trotzdem erinnert uns Namibia und insbesondere Swakopmund auch an die Kolonialgeschichte Deutschlands. Damit haben wir uns nicht ganz wohl gefühlt.

Immer, wenn wir die Möglichkeit hatten, mit Einheimischen über dieses Thema zu sprechen, haben wir sie deshalb nach ihrer Meinung gefragt. Es ist doch besser, die Menschen selbst zu fragen, als zu glauben, man wisse, wie sie denken. In mehreren Gesprächen haben wir erfahren, dass es bei den Einheimischen keinen Groll gegenüber den Deutschen gibt. Dies sei alles längst Geschichte. Deutschland würde Namibia heute hin- und wieder finanziell aushelfen. Das sei es, was zählt. Wir hatten dies für uns eher als Freikaufen bewertet, freuen uns aber, dass es vor Ort (von einigen) positiv gesehen wird.

Wir können die Situation in Namibia und die Gefühle der Bewohner mit der Kolonialgeschichte nicht umfassend bewerten und schildern hier nur unsere Erfahrungen und Gedanken. Unabhängig davon gehört die Kolonialisierung zur europäischen Geschichte dazu und es ist interessant, diese in Swakopmund und in Namibia insgesamt ein wenig besser kennenzulernen.


Roadtrip durch die Moonscape und auf dem Welwitschia-Drive

Nach abwechslungsreichen Tagen in Swakopmund, steht bei unserem nächsten Ausflug wieder die sagenhafte Natur Namibias im Fokus. Unser Ziel ist der Welwitschia-Drive, eine Route, die von Swakopmund aus in die Namib-Wüste führt. Ein Highlight sind die namensgebenden Welwitschia-Pflanzen. Ebenso sind wir allerdings auf die Landschaft gespannt, die an einigen Stellen an eine Mondlandschaft erinnern soll und daher Moonscape genannt wird.

Welwitschia und Mondlandschaft

Schnell haben wir die asphaltierten Straßen von Swakopmund verlassen und biegen auf die D1991 ab. Von hier aus fahren wir etwa 50 Kilometer durch die Namib-Wüste bis zum Endpunkt unseres Ausfluges, der größten Welwitschia. Die D-Straße ist, wie eigentlich immer in Namibia, eine Sandpiste in einem ziemlich guten Zustand. Teilweise können wir kilometerweit sehen, dann sind wir wieder umgeben von kleineren Hügeln. Ständig schimmert alles in den verschiedensten Braun- und Gelbtönen und überall glitzert der Boden. Alleine die Fahrt ist ein tolles Erlebnis!

Skurril ist nur der deutsche Schlager, der im Radio läuft (solange wir Empfang haben…). Das passt für uns nicht so ganz zu einem Wüsten-Roadtrip, aber es amüsiert uns.

Bis wir die ersten Welwitschias sehen, dauert es eine Weile. Vorher erreichen wir einige Viewpoints, die uns einen Blick auf die Mondlandschaft erlauben. Als erstes fällt uns auf, dass es locker 10 Grad wärmer ist als in Swakopmund. Sehr gut! Dazu genießen wir die faszinierende Landschaft. Wir sind ganz alleine und um uns herum ist eine absolute Stille.

Mondlandschaft in Namibia: Stellt ihr Euch so den Mond vor?
Moonscape: Teilweise sind richtig tiefe Furchen entstanden
Jenny genießt die Aussicht auf die Mondlandschaft in Namibia
ganz alleine mit unserem 4×4 in der riesigen Namib-Wüste

Auf der weiteren Fahrt schlängelt sich die Straße ein Stück abwärts. Wir durchqueren das Flussbett des Swakops und sind überrascht, dass es verhältnismäßig grün ist. Sogar Bäume stehen hier! Und das, obwohl der Swakop heutzutage meistens kein Wasser mehr führt. Früher war das mal anders, schließlich ist er für die Mondlandschaft mitverantwortlich.

Blick auf das überraschend grüne Flussbett des Swakops

Kurze Zeit später taucht die erste Welwitschia auf. Eine große Infotafel erklärt dieses Gewächs. Einzelne männliche und weibliche Pflanzen sind speziell markiert. Es ist schon faszinierend, wie ein Überleben in so einer kargen Landschaft möglich ist. Laut der letzten Zählung wurden über 52.000 Welwitschien in der Namib-Wüste gefunden.

Welwitschia – was ist das eigentlich?

Die Welwitschia ist eine endemische Pflanze, die nur in einem schmalen Streifen der Namib-Wüste vorkommt. Dieser Streifen zieht sich nördlich bis nach Angola hinein. Südlich sind noch etwas mehr als 100 Kilometer von Swakopmund entfernt Welwitschien entdeckt worden. Die meisten sind aber in der Nähe von Swakopmund. Wir geben mal eine kurze Zusammenfassung dessen, was wir im Petrified Forest von unserem Guide gelernt haben. Dort sind wir dieser speziellen Pflanze nämlich zum ersten Mal begegnet.

  • Welwitschien können sehr alt werden, vermutlich bis zu 2.000 Jahre. Die älteste bekannte Welwitschia in Namibia wird auf über 1.500 Jahre geschätzt.
  • Zwei Blätter – mehr hat eine Welwitschia nicht. Das Blattpaar franst im Laufe der Zeit ziemlich aus, beispielsweise durch starken Wind. So erscheint es, als ob es wesentlich mehr Blätter wären.
  • Es ist direkt erkennbar, ob es sich um eine weibliche oder männliche Pflanze handelt. Weibliche Pflanzen haben relativ dicke, zapfenförmige Blütenstände. Männliche Welwitschien haben kleinere und verzweigte Blütenstände.
  • Welwitschien wachsen sehr langsam. Der Guide hatte uns ein kleines Pflänzchen gezeigt, das so gerade aus dem Boden guckte. Diese Welwitschia sei „erst“ 17 Jahre alt und daher nur wenige Zentimeter groß…
  • In touristischen Gebieten liegt oft ein Steinkreis um die Welwitschien, um das nah unter der Oberfläche liegende Wurzelwerk zu schützen.
  • Der Name Welwitschia stammt von einem Österreicher, der als erster Europäer diese Pflanze entdeckte.
die weibliche Welwitschia-Pflanze – erkennbar an den großen, zapfenförmigen Blütenständen

Highlight Riesenwelwitschia im Namib-Naukluft Park

Als die Straße des Welwitschia Drive endet, stehen wir mitten in der Wüste auf einem kleinen Parkplatz mit Toiletten. Es sind ähnliche Verschläge wie die Buschklos im Central Kalahari Game Reserve in Botswana. So viel Infrastruktur für eine Pflanze! *grins. Die älteste bekannte Welwitschia ist umzäunt. Dank einer mini Tribüne haben wir aber trotzdem freie Sicht. Wirklich beeindruckend! Diese Welwitschia ist deutlich größer als die anderen bisher gesehenen Pflanzen. Sie soll über 1.500 Jahre alt sein!

Welwitschia mit kleiner Tribüne mitten in der Namib-Wüste
hier ist sie: Die größte und älteste Welwitschia der Welt!
direkt daneben wächst eine jüngere, männliche Welwitschia-Pflanze

Unsere Route führt uns weiter nach Süden

Unser Roadtrip geht weiter. Nach fünf Nächten in Swakopmund ist unser nächstes Ziel Sesriem mit dem angrenzenden Sossusvlei, im Namib-Naukluft-Nationalpark. Schon die ersten 40 Kilometer von Swakopmund nach Walvis Bay sind spektakulär. Rechts rauschen die Wellen des Atlantiks an die Küste, links ist die Wüste und es erheben sich die ersten Sanddünen. Seht selbst:

Faszinierende Strecke: Rechts das Meer, links die Wüste!

Swakopmund hat uns sehr gut gefallen. Außerdem gibt es super viele Möglichkeiten für Aktivitäten und Ausflüge. Aber Swakopmund ist auch wunderbar zum Entspannen. Es riecht nach Meer, es gibt hervorragendes Essen und gemütliche Cafés. Wie hat Euch Swakopmund gefallen? Viele Grüße, Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.