Namibia Roadtrip: Selbstfahrer im Etosha NP

Wir reisen mit unserem 4×4-Geländewagen für mehrere Wochen als Selbstfahrer durch den Süden Afrikas. Der Auftakt in Namibia ist eines der touristischen Highlights, welches wir fast ausgelassen hätten… der Etosha-Nationalpark!


Anreise von Botswana nach Namibia

Unsere letzte Nacht in Botswana verbringen wir in Ghanzi. Somit hätten wir genau 1.125 Kilometer Strecke bis zum Etosha Nationalpark vor uns. Auch wenn die Straßen in Namibia in wirklich hervorragendem Zustand sind, ist uns das für einen Tag zu weit. Wir teilen die Anfahrt auf und legen einen Zwischenstopp auf der Düsternbrook Guest Farm, kurz hinter Windhoek, ein.

Da wir die Campsite erst in der Dämmerung erreichen, ist die Anfahrt nach Düsternbrook schon aufregend. Permanent sehen wir Verkehrsschilder, dass es Senken gibt, die mit Wasser gefüllt sein können. Bei uns ist es zwar trocken, das reduziert aber nicht unser Achterbahngefühl bei dem ständigen Auf und Ab. Auf den letzten Metern denken wir in jeder Senke, dass wir gegen eine Wand fahren. So steil geht es vor uns wieder hoch. Kurz vor den Kuppen sehen wir den weiteren Straßenverlauf nicht mehr und haben das Gefühl, abzustürzen!

Wir sind froh, als wir das Dachzelt auf unserer Campsite aufbauen und uns ein schnelles Abendessen kochen. Morgen sind es nur noch 545 Kilometer bis zum Etosha Nationalpark.

Weltreise 2021 Namibia Duesternbrook Guest Farm Camping
alleine auf der riesigen Campsite der Düsternbrook Guest Farm
Weltreise 2021 Namibia Duesternbrook Guest Farm Camping
… auch am nächsten Morgen im Hellen…

Wandern auf den Hügeln von Düsternbrook

Am nächsten Morgen orientieren wir uns erst einmal, wo wir überhaupt sind. Verschiedene Wanderwege führen mit einer Länge von bis zu 17 Kilometern über das Gelände. Dies vielleicht mal als kleiner Anhaltspunkt, was für großer Landbesitz hier in Namibia teilweise existiert. Und es geht noch größer! Nach der vielen Fahrerei von gestern und der heute noch anstehenden Kilometer ergreifen wir die Gelegenheit: Es gibt einen drei Kilometer langen small mountain trail. Das klingt perfekt und wir freuen uns auf ein bisschen morgendliche Bewegung.

Strahlend blauer Himmel, die Morgensonne wird von Minute zu Minute kräftiger und wir sind alleine in dieser Landschaft. Wunderbar! Es ist eine schöne Wanderung. Wir durchqueren ein trockenes Flussbett und die kleinen Berge bringen unseren Kreislauf in Schwung. Belohnt werden wir für die Anstiege mit tollen Aussichten auf die Umgebung. Tiere sehen wir übrigens kaum, nur ziemlich große Käfer und eine handtellergroße Spinne. Dafür ist der Boden sehr besonders. Überall glitzert es in den verschiedensten Farben. Kein Wunder, dass sowohl in Namibia als auch in Botswana Diamanten zu finden sind. Beschwingt von der frischen Morgenluft machen wir noch ein spontanes Workout berghoch und haben viel Spaß.

Weltreise 2021 Namibia Duesternbrook trockenes Flussbett
Start unserer Wanderung durch ein trockenes Flussbett
Weltreise 2021 Namibia Duesternbrook small mountain hike
… auf einen der vielen Hügel der Düsternbrook Farm
Weltreise 2021 Namibia Duesternbrook small mountain hike
wir genießen den Ausblick auf die Weite Namibias rund um Düsternbrook

Anfahrt Richtung Etosha Nationalpark

So kann ein Tag beginnen. Nach dem Sportprogramm und der schönen Aussicht steigen wir ins Auto und brechen auf zu unserem ersten Selbstfahrer-Tag in Namibia. Zu Beginn sind wir wieder auf unbefestigter Straße. Wir sehen viele Affen vor uns über die Straße springen. So halten wir schon wieder an, bevor wir die asphaltierte Hauptstraße erreichen.

Auf dem Weg Richtung Norden lesen wir viele deutsche Namen. Wir passieren zum Beispiel den Teufelsbach und kommen an Groß Barmen vorbei. (Für alle Wuppertaler: Der gleichnamige Ort liegt nicht bei Groß Barmen in Namibia, wie wir schon oft gefragt wurden, sondern in Südafrika *grins.) In jedem der Orte, an dem wir vorbei fahren, gibt es eine Kirche. Circa 90% der Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben. Die Bauwerke sind sehr unterschiedlich in ihrer Architektur und Erscheinung. Als wir einmal neben einer Kirche mit roter Klinkerfassade stehen, denken wir sofort an unsere alte Heimat – Hamburg.

Interessant sind für uns außerdem die Tankstellen! Warum? Weil sich dort das Leben abspielt. Meist wimmelt es vor Kleinbussen und Menschen. Die Tankstellen fungieren als Bushaltestelle, Obst- und Gemüsemarkt oder als Treffpunkt. Man kann sich die Schuhe putzen lassen, Souvenirs oder eine neue Jeanshose kaufen. Wir entdecken immer wieder neue Möglichkeiten…

Weltreise 2021 Namibia Duesternbrook offroad Senken
im Hellen sind die Senken auf dem Weg von Düsternbrook zur B1 nur noch halb so schlimm
Weltreise 2021 Namibia Ortschaften Tankstellen
eine typische Ortsdurchfahrt entlang einer belebten Tankstelle

Mit der Dämmerung erreichen wir das Von Lindequist Gate, das östliche Eingangstor zum Etosha Nationalpark. Unmittelbar davor biegen wir ab. Nach einem kurzen Stück der Cutline entlang erreichen wir unsere Campsite. Unser erster Blick über den Zaun des Etosha Nationalparks bietet uns einen faszinierenden Sonnenuntergang in den tollsten Farben. Was für eine schöne Begrüßung.

Weltreise 2021 Namibia Nationalpark Sonnenuntergang
bunter Sonnenuntergang über dem Etosha Nationalpark

Allgemeine Infos zum Etosha Nationalpark für Selbstfahrer

Für viele ist der Etosha Nationalpark das namibische Highlight schlechthin. Ähnlich beliebt sind vermutlich nur die Sanddünen von Sossusvlei im Namib-Naukluft-Nationalpark. Wir waren erst unsicher, ob wir überhaupt in den Etosha Nationalpark fahren möchten. Durch die komplette Umzäunung des Geländes fühlt es sich für uns ein wenig nach Zoo an. Zugegeben ein riesiger Zoo… Der Nationalpark misst fast 23.000 Quadratkilometer. Wir haben gehört, dass zum Beispiel die „überzähligen“ Giraffen aus dem Etosha Nationalpark in das südlich gelegene Damaraland gebracht werden. Die Anzahl der Wildkatzen im Park ist einfach nicht ausreichend, um den Bestand in ein natürliches Verhältnis zu setzen. Und von alleine können die Giraffen sich eben keinen neuen Lebensraum suchen…

Zudem soll es im Etosha Nationalpark sehr touristisch zugehen und wir haben bei einer Safari lieber unsere Ruhe. Daher sind wir lieber als Selbstfahrer unterwegs, anstatt dorthin gebracht zu werden, wo alle sind. Aufgrund der hohen Anzahl an Wildtieren gibt es dafür fast eine „Tiergarantie“. Außerdem gibt es die große Chance auf Nashornsichtungen. Sonst ist das meist nur noch in den privaten Game Reserves der Fall, die sich speziell dem Schutz dieser Tiere widmen. Deshalb haben wir uns schlussendlich entschieden, eine Nacht im Etosha Nationalpark zu verbringen. Außerdem hatten wir nur relativ wenige Großkatzensichtungen in Botswana. So hoffen wir, Leoparden, Geparden oder Löwen zu sehen.

Ein größerer und vielleicht der berühmteste Teil des Nationalparks ist die Etosha-Pfanne. Dabei handelt es sich um eine Salztonpfanne, ähnlich den Pfannen im Makgadikgadi-Nxai-Nationalpark in Botswana. Die Pfanne im Etosha Park ist jedoch nicht befahrbar… Die Hauptstraße durch den Etosha Nationalpark verläuft vom östlichen Von Lindequist Gate bis zum Anderson Gate im Südwesten. Abzweigend von der Hauptstraße gibt es kleine bis mittelgroße Loops oder Abstecher zu den Wasserlöchern. Die Ausschilderung mit Wegweisern ist größtenteils gut.

Fast klassisch ist es, die verschiedenen natürlichen und künstlichen Wasserlöcher abzufahren. Eine großartig andere Möglichkeit hat man im Etosha Nationalpark eigentlich auch nicht… Hier könnt ihr Euch eine übersichtliche Karte von einer Homepage über den Etosha Nationalpark herunterladen. Es sind alle Wasserstellen und die Entfernungen vermerkt. Insbesondere in der Trockenzeit ist es an den Wasserstellen am wahrscheinlichsten, zahlreiche Tiere zu beobachten. Bei uns sind die meisten Wasserlöcher aber entweder trocken oder verwaist. Ist man mehrere Tage dort, kann man es sich auch mal ein paar Stunden an den Wasserlöchern bequem machen. Sicher kommen dann verschiedene Tiere zum Trinken und man kann die Natur genießen.

Tag 1 im Etosha Nationalpark: Begrüßung und Nashörner?

Am Morgen stehen wir vor dem Von Lindequist Gate und werden negativ überrascht. Die Mitarbeiter am Eingangstor sind echt unfreundlich. An dieser Stelle können wir leider schon sagen, dass wir das noch mehrere Male erleben. Glücklicherweise scheint sich das auf den Etosha Nationalpark zu beschränken. Ansonsten hatten wir in Botswana und Namibia das Gefühl, dass wir herzlich willkommen sind.

Komplett neu für uns ist auch, dass die Asphaltstraße C38 im Nationalpark weitergeht. Das hält einige Giraffen und eine Zebraherde aber nicht davon ab, sich dort aufzuhalten und uns quasi zu begrüßen. Erstaunlicherweise sind die Tiere überhaupt nicht scheu. Wir fahren in nächster Nähe an ihnen vorbei und sie gucken uns neugierig hinterher! Anscheinend sind die Tiere hier deutlich mehr an die Menschen gewöhnt. Wir denken an die Zebras im Makgadikgadi-Nationalpark, die sofort weggaloppiert sind, ehe wir überhaupt in ihre Nähe kommen konnten.

Zunächst fahren wir Richtung Norden zum Twee Palms Wasserloch, an den östlichen Punkt der Etosha-Pfanne. Die Landschaft ist schön. Da aber wenig Tiere zu sehen sind, kehren wir bald um. Über eine große Herde Gnus, die sich rund um das Wasserloch aufhalten, freuen wir uns sehr. Wir können überhaupt nicht verstehen, warum die Gnus zu den ugly five gehören!

Weltreise 2021 Namibia Selbstfahrer Twee Palms Gnuherde
in der Nähe des Twee Palms Wasserloch sehen wir eine große Gnu-Herde
Weltreise 2021 Namibia Selbstfahrer Twee Palms Gnuherde Zebras
einige Zebras haben sich ebenfalls unter die Gnus gemischt

Wir fahren über die einzige Straße zurück zum Gate und am Namutoni Airport vorbei. Schon in der Serengeti, in Tansania, waren wir so überrascht, dass Menschen tatsächlich mit dem Flugzeug in die Nationalparks kommen. Die Straße führt uns weiter Richtung Halali, was südlich von der Mitte der Pfanne liegt. Schon kurz hinter dem Flughafen sehen wir kleinere Wasserlöcher, die von Gnus und Springböcken besucht werden. Gnus, Zebras und Springböcke, diese Kombination der drei Tiere haben wir auch in der Serengeti häufig beobachtet. Allerdings waren die Herden dort wesentlich größer.

Mittlerweile ist die Straße C38 unbefestigt. Der Zustand ist aber weiterhin hervorragend und wir könnten problemlos die erlaubten 60 km/h fahren. Wir sehen insgesamt wenige andere Autos und das ändert sich auch in der gesamten Zeit im Etosha Nationalpark nicht. Dafür tauchen ab und zu ein paar Oryx-Antilopen in der Umgebung auf.

Weltreise 2021 Namibia Etosha Springboecke kauend
Gnus und Springböcke an einem der vielen Wasserlöcher

Elefanten vor der riesigen Etosha-Pfanne

Dann erreichen wir die berühmte und riesige Etosha-Pfanne. Es sieht so faszinierend aus, wie die weißgraue Salztonpfanne und der Horizont ineinander übergehen. An manchen Stellen sieht die Pfanne am Horizont nass aus. Das kann aber auch an einer optischen Täuschung liegen. In weiter Entfernung können wir immer wieder kleine Punkte identifizieren. Anscheinend wandern gerade irgendwelche Tiere durch die Ebene.

Auf einmal sehen wir drei Elefanten, die gemütlich von der Seite auf uns zukommen. Wir bleiben sofort stehen und machen den Motor aus. Die frühzeitige Anwesenheit ist oft ein entscheidender Faktor, da die Elefanten uns so nicht als Gefahr wahrnehmen. Sie entscheiden dann selbst, wie nah sie einem kommen. Eines der Tiere scheint sehr neugierig zu sein und kommt geradewegs auf uns zu! Immer weiter! Als der riesige Elefantenbulle seinen Rüssel vorsichtig hebt und waagerecht in unsere Richtung streckt, ist er nur noch wenige Zentimeter von unserer Fensterscheibe entfernt. Mir wird mulmig… Er bewegt seinen Rüssel langsam hoch und runter und guckt uns interessiert an. Unser Adrenalin schnellt hoch. Dann verliert er jedoch das Interesse, geht an uns vorbei und über die Straße. Ein weiteres Auto steht ein paar Meter hinter uns und fährt mehr als 100 Meter langsam rückwärts, weil die Elefanten in seine Richtung marschieren.

Weltreise 2021 Namibia Selbstfahrer Etosha Pfanne Weitsicht
Salztonpfanne bis zum Horizont im Etosha Nationalpark

Bei erster Gelegenheit verlassen wir die Hauptstraße und biegen rechts Richtung Etosha-Pfanne ab. Dort erreichen wir schnell Okerfontein, eines der wenigen natürlichen Wasserlöcher. Leider ist es trocken und verlassen. Auf der Schotterpiste, die sich immer weiter der Etosha-Pfanne nähert, sehen wir verschiedene Tiere. Mal blockiert eine Springbockherde den Weg oder es stehen Giraffen mitten auf der Straße. Nach Raubkatzen und Nashörnern halten wir jedoch vergebens Ausschau.

Dennoch sieht die wechselnde Landschaft mit ihren leuchtenden Farben und einigen Tieren geschmückt, wie gemalt aus. Inmitten einer Zebraherde entdecken wir mehrere Jungtiere. Geschützt zwischen den anderen Tieren der Herde liegen sie im Gras. Nur die gestreifte, flauschige Mähne und ab und zu ein kleiner Kopf gucken daraus hervor. Wir freuen uns, dass wir während der von uns gewählten Reisezeit so viele Jungtiere sehen.

Weltreise 2021 Namibia Etosha Kuhantilope
die einzige Kuhantilope, die wir im Norden Namibias sehen
Weltreise 2021 Namibia Nationalpark Gnu und Zebra trabend
einzelne Zebras und Gnus galoppieren vor uns über die Straße

Besonderer Viewpoint umgeben von weißer Weite

Der erste Loop führt uns zurück auf die Hauptstraße. Für die nächsten 20 Kilometer folgt die Straße direkt dem Pfannenrand. Somit blicken wir ununterbrochen auf die endlose Weite der Etosha-Pfanne. Etwa in der Mitte der Strecke machen wir Halt an einem Picknick Spot. Hier gibt es sogar Toiletten mit fließendem Wasser und überdachte Tische und Bänke. Es ist einer von wenigen Punkten, an denen man das Auto verlassen darf.

Außer den Gräsern, die sich im seichten Wind hin und her bewegen, gibt es auch hier Dornbüsche. Sie wachsen meist vereinzelt oder zumindest deutlich lichter, als bei unserer ersten Begegnung… Erinnerungen an unsere Reise durch das Central Kalahari Game Reserve werden wach, als wir zu Beginn stundenlang durch regelrechte Tunnel aus Dornbüschen gefahren sind. Auch hier sind die Dornen wirklich riesig, bestimmt um die 10 Zentimeter lang.

Weltreise 2021 Namibia Selbstfahrer Etosha Aussicht
Blick auf die Etosha-Pfanne vom Rastplatz aus

Einen Aussichtspunkt möchten wir unbedingt noch sehen. Es ist nämlich möglich, an einer Stelle ein Stück in die Etosha-Pfanne hineinzufahren. Dort angekommen, ist es wirklich beeindruckend, in dieser gigantischen Pfanne zu stehen, umgeben von einem weißgrauen Meer aus Salzton.

Weltreise 2021 Selbstfahrer Etosha Pan Lookout Salzpfanne
endlose Weite am Etosha Pan Lookout
Weltreise 2021 Selbstfahrer Etosha Pan Lookout Salzkruste
die trockene Oberfläche der Salzpfanne im Etosha Nationalpark

Nächtliche Begegnung am Wasserloch im Etosha NP

Die heutige Nacht verbringen wir im Halali Restcamp. Dort gibt es ein künstliches und nachts beleuchtetes Wasserloch, das eine große Chance auf Nashornsichtungen bietet. Das ist echt schon eine andere Hausnummer. Mitten im Etosha Nationalpark finden wir gefühlt ein kleines Dorf. Komplett eingezäunt sind Hütten, Restaurants und Bars, ein Pool, ein kleiner Shop und sogar eine Tankstelle vorhanden. Es gibt mehr als 60 Chalets auf dem Gelände und noch einmal so viele Plätze auf der Campsite. Alleine im Halali Restcamp können also viel mehr Leuten übernachten als im gesamten, deutlich größeren Central Kalahari Game Reserve in Botswana. Nun ja, es ist halt touristischer… Mehr als die Hälfte der Plätze sind ungenutzt. Trotzdem ist es für uns total ungewohnt, so viele andere Menschen zu sehen.

Das Wasserloch ist nur wenige Schritte von der Campsite entfernt. Neugierig wie wir sind, machen wir uns als erstes auf den Weg dorthin. Zu Beginn sind wir etwas schockiert, da eine richtige Tribüne mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten aufgebaut ist. Wir sind doch mitten in der Natur! Dachten wir zumindest… Ach ja, überdacht ist die Tribüne teilweise auch noch. Wir finden einen ruhigen Platz am Rand und beobachten die Szenerie. Teilweise kommen andere Touristen mit Weinflaschen für einen Sundowner. Wir begnügen uns mit Avocadobroten aus unserem Kofferraum.

Weltreise 2021 Namibia Halali Restcamp Wasserloch
diese riesige Anlage (mit Zaun!) wurde mitten in die Natur neben das künstliche Wasserloch gebaut…

In der Dämmerung sehen wir unzählige Vögel, die immer wieder schwarmweise auffliegen, sowie einige Springböcke und Impala. Das erste Highlight ist der Sonnenuntergang. Es sieht toll aus, wie die Sonne uns zum Abschluss des Tages so ein schönes Licht schenkt. Jetzt warten wir auf die abend- und nachtaktiven Tiere.

Weltreise 2021 Namibia Etosha Halali Sonnenuntergang
Sonnenuntergang über dem Wasserloch des Halali Restcamp

Vertragen sich Elefanten und Nashörner?

Dann raschelt es im Gebüsch und wir sind ganz erwartungsfroh. Ein riesiger Elefant tritt hervor und trinkt ausgiebig am Wasserloch. Im Hintergrund läuft eine Hyäne umher, auch darüber freuen wir uns sehr. Zum Glück kann Thomas gut gucken! Nach einer Weile sieht er als erster noch etwas anderes Graues zwischen den Büschen. Tatsächlich machen sich zwei Nashörner, ein großes und ein kleines, auf den Weg zum Wasserloch. Wir freuen uns riesig! Die Freude teilt allerdings nicht jeder. Der Elefant wird hellhörig und vertreibt die beiden direkt wieder.

Warum er das tut, sehen wir nur wenige Momente später. Wie aus dem Nichts kommt nämlich plötzlich eine gesamte Elefantenfamilie aus den Büschen hervor und marschiert zum Wasserloch. Es sind bestimmt an die 20 Elefanten! Wir haben nicht gehört, dass sie sich nähern. Laut sind nur die Nashörner, die so ziemlich alles zertrampeln, was ihnen in die Quere kommt. Wir hören die Äste nur so knacken. Zum Glück laufen die Nashörner nicht weg, sondern kommen sogar noch ein bisschen näher zu uns und warten. Sie versuchen es erneut, werden aber wieder von den Elefanten vertrieben, wenn sie zu nah ans Wasserloch kommen.

Weltreise 2021 Namibia Etosha Halali Elefant
zu Beginn freuen wir uns über diesen Elefantenbullen am Wasserloch
Weltreise 2021 Namibia Etosha Halali Elefantenfamilie
… und dann sind es plötzlich ganz viele Elefanten am Halali Wasserloch!!

Zwischendurch kämpfen auch zwei der Elefantenbullen miteinander. Es wird richtig laut und ein Bulle richtet sich vor dem anderen auf. Der andere hält seinen Rüssel senkrecht nach oben und trötet laut! Auch innerhalb der Elefantenfamilie scheint es also nicht nur Zusammenhalt zu geben…

Irgendwann haben die Elefanten anscheinend genug und ein drittes, aus den Büschen auftauchendes, Nashorn darf ebenfalls am Wasserloch trinken. Es sieht so faszinierend aus, diese Mengen an Elefanten und das dagegen sogar klein wirkende Nashorn zu sehen. Nachdem sich die Elefanten wieder aus dem Staub machen, kommt die Nashornmutter mit ihrem Kind zurück. Wir sind glücklich, dies erleben zu dürfen und gucken den Nashörner noch einige Zeit gebannt zu. Zwischendurch ist sogar noch ein viertes Nashorn am Wasserloch.

Irgendwann wird es allerdings empfindlich kalt und wir fahren zum Zeltplatz.

Weltreise 2021 Namibia Halali Elefanten und Nashorn
ein Nashorn hat es geschafft und darf auch am Wasserloch trinken
Weltreise 2021 Namibia Etosha Halali Nashoerner Wasserloch
vier Nashörner am Halali Wasserloch

Nach einem schnellen Aufbau des Zeltes gehen wir bald schlafen. Schließlich möchten wir am nächsten Morgen wieder früh los.

Doch es geht nicht, ohne vorher noch eine Weile unter der Milchstraße zu stehen und voller Bewunderung in den Nachthimmel zu blicken! Wie ein Wolkenband zieht sich die leicht violett schimmernde Milchstraße über uns her. Es scheint, als wären mehr leuchtende Sterne zu sehen, als der schwarze Himmel dazwischen.

Weltreise 2021 Namibia Halali Restcamp Milchstrasse
zelten unter der Milchstraße im Halali Restcamp

Tag 2 im Etosha Nationalpark – endlich Raubkatzen?

Wir starten unseren zweiten Selbstfahrer-Safari-Tag im Etosha Nationalpark. Mittags möchten wir den Park durch das südliche Anderson Gate verlassen und dann noch bis ins Damaraland fahren. Diese landschaftlich höchst reizvolle Region liegt südwestlich vom Etosha Nationalpark in Richtung Pazifikküste. Vorher klappern wir aber noch alle Wasserlöcher ab, die auf unserem Weg liegen.

Nach einem schnellen Frühstück beginnen wir unsere Safari auf dem Rhino-Drive. Obwohl die Tiere im Allgemeinen am frühen Morgen sehr aktiv sein sollen, sehen wir nur wenige. Über die Anwesenheit einiger Schakale, Zebras und einer Giraffe freuen wir uns sehr. Das namensgebende Nashorn taucht leider nicht auf.

Weltreise 2021 Namibia Schabrackenschakale Paar
ein Schakal ist an uns interessiert, der andere an seiner Partnerin *grins

Unzählige Strauße in abwechslungsreicher Landschaft

Auf dem Weg durch den Park in Richtung Anderson Gate bieten sich uns faszinierende und abwechslungsreiche Landschaften. Nachdem es rund um unsere Campsite sogar richtige Hügel gab, dominiert bald wieder die endlose Weite mit der Salzpfanne und der Savanne. Vorher kommen wir sogar an einem kleinen Wald vorbei. Ja, richtig gelesen! Das haben wir in Afrika bislang wirklich selten gesehen. In anderen Gegenden entdecken wir rote Grasbüschel am Boden, dann auf einmal zahlreiche Aloe-Pflanzen. Neben der Fauna ist also auch die Flora sehr abwechslungsreich.

Darüber hinaus sehen wir heute viele Strauße. Manchmal ist es ein Pärchen allein auf weiter Flur. Aber manchmal bis zu zehn Tiere auf einmal. Über die zahlreichen Gnus freuen wir uns ebenfalls sehr. In Botswana haben wir sie kaum gesehen, erinnern uns aber gerne an unseren Besuch der Serengeti!

Weltreise 2021 Namibia Etosha Nationalpark Landschaft
Landschaft im Etosha Nationalpark
Weltreise 2021 Namibia Etosha Salzpfanne rotes Gras
rotes Gras leuchtet uns in der Etosha-Salzpfanne entgegen
Weltreise 2021 Namibia Etosha Nationalpark Straussenfamilie
den dritten Strauß entdecken wir erst sehr spät, als das Weibchen sich immer wieder nach unten beugt

Von der Hauptstraße zweigen immer wieder Stichstraßen zu den verschiedenen Wasserlöchern ab. Teilweise sind diese jedoch ziemlich verlassen. Manchmal beobachten wir einige Springböcke oder vereinzelte Zebras. Selten sichten wir auch mal ein Impala oder ein paar Oryx-Antilopen.

Zwischendurch treffen wir auf Touri-Busse, womit die Besucher durch den Park kutschiert werden. Das sind umgebaute LKWs, in denen die Touristen durch große Fensterscheiben nach draußen blicken können. Ein ungewohnter Anblick, normalerweise kennen wir nur offene Jeeps, in denen dann sechs bis acht Touristen Platz nehmen können.

Weltreise 2021 Namibia Nationalpark kaempfende Springboecke
kämpfende Springböcke im Etosha Nationalpark
Weltreise 2021 Namibia NAtionalpark Oryx Antilopen
was für ein toller Anblick: Oryx-Antilopen kommen auf uns zugelaufen

Vorfreude auf das Okaukuejo Wasserloch

Heute sind die Besuche an den Wasserlöchern noch nicht so aufregend. Vielleicht sind wir zu kurz dort, vielleicht haben wir auch einfach Pech oder der Zeitpunkt ist ungünstig.

In ein Wasserloch setzen wir noch größere Hoffnungen, und zwar in das Okaukuejo Wasserloch, welches nachts auch beleuchtet ist. Dieses ist ebenfalls bekannt für häufigen Nashorn- und Raubkatzenbesuch. Optisch sieht es wirklich schön aus, zumindest wenn wir eine Hälfte der Umgebung ausblenden. Das Wasserloch ist nämlich auf der einen Seite von Chalets, einer Tribüne und vielen Bänken eingerahmt. All das gehört zum Okaukuejo Camp, wo es ebenfalls zahlreiche Unterkünfte und Campsites gibt.

Am Okaukuejo Wasserloch sehen wir tatsächlich die meisten Tiere, allerdings keine anderen, als den ganzen Tag schon. Wir möchten so gerne Raubkatzen sehen…! Eine Stunde genießen wir die Atmosphäre am Wasserloch. Es ist schön zu sehen, wie andere Reisende, aber auch einige Guides, hier sitzen, Tee trinken, ein Buch lesen oder einfach nur gedankenversunken in die Weite gucken. Ja, hier könnten wir auch längere Zeit bleiben!

Da wir aber heute noch im Damaraland ankommen möchten, fahren wir jedoch weiter.

Weltreise 2021 Namibia Okaukuejo Wasserloch
am Okaukuejo Wasserloch genießen wir unsere Zeit mit Nichtstun

Kaum haben wir das Okaukuejo Camp verlassen, sehen wir Elefanten, die schnurstracks auf das gerade noch von uns besuchte Wasserloch zulaufen. Tja, so kann es gehen… Wir hätten einfach noch drei Minuten länger bleiben müssen!

Wir sind erstaunt, wie schnell die Elefanten unterwegs sind. Es scheint fast so, als würden sie traben. Einige Gnus und Springböcke hüpfen zur Seite. Krass, dass die Elefanten sich ausgerechnet ein Loch aussuchen, wo es in unmittelbarer Nähe asphaltierte Straßen und Unterkünfte gibt… Stört die Tiere das nicht? Oder sind sie einfach daran gewöhnt, weil es ohnehin kaum natürliche Wasserstellen gibt?

Weltreise 2021 Etosha Okaukuejo Elefantenbullen
drei Elefanten laufen zielstrebig zum Okaukuejo Wasserloch

Ab hier beginnt wieder die Asphaltstraße und wir fahren die letzten 20 Kilometer in Richtung Anderson Gate. Kurz vor dem Ausgangstor biegen wir zum Ombika Wasserloch ab, dem letzten im Park. Von der Landschaft sind wir absolut überwältigt! In dem gold leuchtenden Gras liegen überall knorrige Baumstümpfe herum. Das ganze Areal ist umgeben von tiefgrünen Bäumen und Büschen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, Raubkatzen zu sehen… Aber wieder haben wir kein Glück. Das ist wirklich schade.

Trotzdem sind wir am letzten Wasserloch noch einmal ganz alleine mit einigen Tieren. Zwischen Zebras, Gnus und Springböcken sehen wir sogar eine ganze Herde Schwarznasen-Impalas. Erst trauen sie sich nicht so richtig ans Wasser. Doch dann kommen auf einmal etwa 20 Impalas mit Jungtieren zur Wasserstelle galoppiert. So haben wir einen schönen Abschluss unserer Selbstfahrer-Safari durch den Etosha Nationalpark.

Weltreise 2021 Etosha Nationalpark Schwarznasen Impalas
am Ombika Wasserloch neben dem Anderson Gate sehen wir Schwarznasen-Impalas

Wir verlassen den Nationalpark am Anderson Gate. Leider sind auch hier die Mitarbeiter so unfreundlich wie beim Check-in am östlichen Von Lindequist Gate. Auch nachdem die Angestellte unsere Ladefläche und den Kühlschrank durchsucht hat, glaubt sie uns nicht, dass wir kein Fleisch dabei haben. Wir sagen ihr zigmal, dass wir pflanzlich essen, aber sie kann oder will es nicht glauben, und nimmt unsere Boxen mit Vorräten auseinander. Wenn wir es wenigstens selber ausräumen dürften… um etwas Chaos zu vermeiden… Naja, irgendwann dürfen wir weiterfahren. Verabschiedet werden wir nicht.

Wir denken darüber nach, was dazu geführt haben kann, dass offensichtlich keine positive Stimmung zwischen den Einheimischen und Touristen besteht. Das finanzielle Gefälle? Das Verhalten der Ausländer in Namibia? Es bleibt ein getrübter Eindruck bei uns.

Insgesamt sind wir trotzdem zufrieden mit unserem Besuch des Etosha Nationalpark, wenn auch nicht komplett überwältigt. Wir haben viele Tiere und tolle Landschaften gesehen. Die Asphaltstraßen, die riesigen Zäune im Park und die Anlagen aus Pools, Restaurants und Unterkünften, haben uns das Safari-Feeling ein wenig genommen. Ob der Etosha Nationalpark ein Must-See ist oder nicht, muss wohl jeder für sich entscheiden.


Der Besuch des Etosha Nationalpark war die letzte Safari auf unserem Afrika-Trip in 2021. Wart ihr auch schon dort oder träumt davon, Etosha einmal zu besuchen? Wir freuen uns auf Eure Kommentare und Fragen! Viele Grüße, Jenny und Thomas

2 Kommentare

  1. Ein toller Bericht! Ich erinnere mich dabei sehr an meinen Aufenthalt in Namibia, bei dem wir auch an vielen der von Euch besuchten Stellen gestoppt oder gar übernachtet haben.

    1. Hey Philip! Wir freuen uns über deinen Kommentar! Vielen Dank. Es folgen noch einige Erlebnisse in Namibia. Vielleicht entdeckst du ja noch etwas wieder!? Alles Gute und liebe Grüße

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