1 Jahr Weltreise: Erfahrungen und Gedanken

In diesem Beitrag möchten wir Euch an unserem gedanklichen Rückblick teilhaben lassen. Ein Jahr ist es jetzt her, dass wir am 31.01.2020 von Hamburg aus unsere Weltreise begonnen haben. Mit zwei großen Rucksäcken sind wir aus unserer sehr lieb gewonnenen Wahlheimat losgezogen und auf der ersten Etappe mit der Fähre über die Ostsee nach Helsinki gefahren. Damals hätten wir uns niemals ausmalen können, wie die ersten zwölf Monate unserer Reise verlaufen. Einen konkreten Plan hatten wir zwar nie, aber vorgestellt haben wir uns das erste Jahr in etwa so: Grenzenlose Freiheit, dorthin zu reisen, wo es uns gefällt, unendliche Möglichkeiten für neue Entdeckungen und viele Begegnungen mit spannenden Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt… Es ist fast alles anders gekommen und glücklich sind wir trotzdem…

Hatten wir einen Plan oder eine Reiseroute?

Für unsere Weltreise haben wir bewusst auf konkrete Reisepläne verzichtet. Das wichtigste war uns (und das ist es noch immer!) langsam zu reisen. Slow travel ist spätestens seit 2020 in aller Munde, doch was bedeutet langsames Reisen für uns? Zu Beginn unserer Weltreise hätten wir wahrscheinlich spontan geantwortet: „Reisen ohne Flugzeug!„. Heute antworten wir: „Verkehrsmittel wie Züge, Busse, Fähren, oder auch mal ein Mietwagen und jetzt unseren eigenen Campervan wählen, um uns auf den Ankunftsort einzustellen und auch den Weg zum Ziel mit all seinen Facetten wertzuschätzen.“ Inhaltlich das Gleiche? Ja, schon. Aber mental etwas viel Positiveres. Kennt ihr das auch, wie schnell nicht-Aussagen getroffen sind? Wieso sagen wir: „Hoffentlich regnet es morgen nicht.“ statt: „Hoffentlich scheint morgen die Sonne.“? So fokussieren wir uns immer auf den Mangel, auf das, was wir gerade nicht haben, anstatt auf den Zustand, den wir eigentlich gerne hätten. Deshalb üben wir uns mittlerweile im positiven Denken und in positiver Kommunikation und es tut uns wirklich gut. Doch dazu später mehr, wir schweifen ab…

Wir wollten doch unsere geplante Reiseroute vorstellen. Vorhang auf, hier ist sie:

Von Hamburg nehmen wir die Bahn nach Lübeck, dann die Fähre nach Helsinki, um von dort mit dem Zug nach St. Petersburg und später weiter nach Moskau zu fahren. Moskau soll unsere erste größere Station sein. Von da aus setzen wir uns für insgesamt sieben Tage in die Transsibirische Eisenbahn und fahren die komplette Strecke durch Russland, Richtung Osten, bis nach Wladiwostok. Dann fahren wir mit dem Zug zurück zum Baikalsee und starten die nächste Etappe mit der Transmongolischen Eisenbahn nach Ulaanbaatar, um einige Wochen durch die Mongolei zu reisen. Die Transmongolische Eisenbahn fährt uns dann (durch die Große Mauer – was wir richtig cool finden…*grins) bis nach Peking. In China bewegen wir uns auf dem Landweg über Shanghai in den Süden bis nach Vietnam. Von dortaus reisen wir flexibel mindestens bis Ende des Jahres durch Südostasien, zum Beispiel nach Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien und Singapur. Diese Route klingt für uns super interessant und wir freuen uns riesig darauf!

Und wie ist es so gelaufen?

Schon vor unserer Abreise aus Hamburg kommt es zur Planänderung Nummer 1. Das chinesische Visum kann frühestens drei Monate vor dem Tag der Einreise beantragt werden. Außerdem müssten wir eine Buchungsbestätigung für die Ein- und Ausreise nach und aus China und Hotelbuchungen für mindestens die Hälfte des Aufenthalts vorlegen, da wir kein Einladungsschreiben haben. Wir überlegen tagelang, ob und wie wir diese Anforderungen erfüllen können. Schließlich entscheiden wir uns, dass es mit unserem Reisestil (also z.B. Unterkünfte spontan vor Ort zu buchen und China auf dem Landweg nach Vietnam zu verlassen) und geplantem Aufenthalt in Russland und der Mongolei nicht vereinbar ist. Möchten wir uns den Stress antun? Dann bereisen wir China lieber ein anderes Mal, direkt von Deutschland aus. Achso ja, das hatten wir jetzt vergessen: Das Visum ist nur in dem Land der eigenen Staatsangehörigkeit zu bekommen. Sonst hätten wir es ja einfach in Ulaanbaatar beantragen können… Aber in der Rückschau hätte uns das Visum sowieso nicht geholfen, da die Grenzen aufgrund der sich entwickelnden Pandemie ohnehin geschlossen waren… Also entscheiden wir uns, bis Wladiwostok zu fahren, um von dort mit der Fähre erst nach Südkorea und dann nach Japan zu reisen. Der südlichste Punkt Japans liegt schon fast neben Taiwan, was uns auch sehr interessiert. Von Taiwan aus würden wir dann sicherlich auch irgendwie nach Südostasien kommen. Also haben wir quasi „nur“ unsere Anreise nach Südostasien geändert…

Aber immerhin, der Beginn unserer Weltreise bis nach Russland läuft nach Plan. Die Einreise nach Russland auf dem Landweg ist problemlos und uns erwartet ein sehr spannendes und schon allein aufgrund seiner schier unglaublichen Größe sehr vielfältiges Land. Mit der Transsib fahren wir in drei Etappen (Moskau-Irkutsk/ Irkutsk-Tschita/ Tschita-Wladiwostok) etwa 9.000 km nach Osten und entdecken so unterschiedliche Orte wie die Metropolen St. Petersburg und Moskau, die charmanten Städte Irkutsk und Wladiwostok und das eher unbekannte Tschita. Der riesige Baikalsee, auf dem wir bei herrlichem Sonnenschein stundenlang spazieren, begeistert uns und ebenso der für uns unvergessliche Ausflug nach Bagdarin, wo wir im sibirischen Nirgendwo den zweiten Teil des faszinierenden Kunstprojektes El Alma del Mundo/ Soul of the World sehen.

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mit der Transsib über 9.000 km durch Russland

In Wladiwostok angekommen, ist es allerdings vorbei mit der grenzenlosen Freiheit und es bleibt uns nur, Planänderung Nummer 2 zu aktivieren… Aber hey, etwa einer!!! von zwölf Monaten lief wie geplant… Nicht schlecht, oder? Schon während unserer Reise durch Russland hatten wir gelesen, dass der Fährbetrieb von Wladiwostok nach Südkorea (und weiter nach Japan) mittlerweile ausgesetzt ist – aus „politischen“ Gründen. Wir entscheiden uns stattdessen, die relativ kurze Distanz nach Tokyo zu fliegen und einfach nur Südkorea vorerst auszulassen. Wie die Situation damals war und welche Überlegungen wir angestellt haben, hatten wir Euch in unserem damaligen Beitrag schon erzählt. Emotional war es jedenfalls das reinste Hin und Her bzw. Auf und Ab… Enttäuschung, Trauer, dann wieder Freude und Hoffnung, das volle Programm.

Doch auch diese Reiseroute nach Japan wird uns aufgrund der Pandemie verwehrt. Während wir in Wladiwostok prüfen, ob die Fähre auch wirklich nicht mehr fährt und später Flüge nach Tokyo suchen, geht Japan in den Lockdown. OK, Planänderung Nummer 3: Wir werden nicht die hohen Preise in Japan zahlen, um in einer winzigen Unterkunft in Tokyo die Ausgangsbeschränkungen auszusitzen. Alle Sehenswürdigkeiten sind geschlossen und inländische Reisen sollen vermieden werden (wobei diese „Empfehlung“ in Japan eher mit einem Reiseverbot gleichzusetzen ist). Was nun? Wir haben keine Lust und keine Energie mehr! Unser Visum für Russland läuft auch bald ab. Wir entscheiden uns letztlich für einen der wenigen möglichen Flüge, und zwar nach Bangkok (auch dies könnt ihr in unserem Wladiwostok-Beitrag nochmals nachlesen). Wir nehmen die Situation an und ehrlich gesagt ist Thailand ja auch eine sehr gute Alternative!

Nachdem wir den positiven! Temperaturschock (fast 50°C wärmer) in Bangkok langsam überwunden haben, beginnen wir die Hauptstadt Thailands zu erkunden und reisen bald weiter auf die Insel Koh Chang. Es ist wunderschön dort und für ein paar Tage gerät das Chaos der Welt (und unserer Weltreise) in den Hintergrund. Doch schon bald werden wir wieder mit Wucht von der Pandemie eingeholt. Alle Landgrenzen in Thailand und sogar in ganz Südostasien werden geschlossen, der Flugverkehr reduziert sich immer mehr und überall werden erste Ausgangssperren verhängt. Wir haben echt keine Ahnung, was wir jetzt tun sollen. Zu unseren Gedanken und Schwierigkeiten, eine Entscheidung zu treffen, wenn sich alle paar Minuten die grundlegenden Informationen ändern, haben wir bereits in einem unserer Beiträge über Koh Chang berichtet. Und auf einmal diskutieren wir über Australien, Taiwan und Neuseeland, über Themen wie offene Grenzen, Quarantänebestimmungen und so weiter und so fort…

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schnorcheln zwischen den kleinen Inseln rund um Koh Chang

So tritt Planänderung Nummer 4 in Kraft und wir landen schlussendlich doch in Südkorea und verbringen eine längere Zeit in der riesigen Metropole Seoul. Anschließend unternehmen wir spannende Touren durch das Land und sehen die Städte Busan und Jeonju. Auf der Insel Jeju(do) im Süden des Landes erleben wir pures Urlaubsgefühl und steigen auf den höchsten Berg Südkoreas. Leider konnten wir nicht an die Grenze zu Nordkorea (DMZ), aufgrund der Pandemie und politischer Spannungen zwischen den Ländern. Dies hätte uns noch sehr interessiert. Schließlich, und das vergisst man leicht, befindet sich Südkorea immer noch im Kriegszustand mit Nordkorea, ein Aspekt, der uns oft nachdenklich gestimmt hat. Ein Tiefpunkt in unserem ersten Weltreisejahr ist, als nach vier Monaten Aufenthalt in Südkorea unsere Aufenthaltsgenehmigung ausläuft und wir realisieren, dass wir außer einer Rückkehr nach Deutschland keine andere Option mehr haben. Lange wollten wir dies nicht wahrhaben und hatten bis zuletzt die Hoffnung, dass sich noch eine andere Türe in Asien für uns öffnet. Aber leider ist es bei dieser Hoffnung geblieben…

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eines der vielen Tore in Südkorea (hier am Gyeonggijeon Shrine in Jeonju)

Also müssen wir tatsächlich zurück nach Deutschland. Die ersten Tage sind wirklich schwer und traurig für uns, weil wir viel lieber in Asien geblieben wären! Aber es gibt auch so viel Positives, was uns sehr schnell wieder aufbaut. Unsere Freunde und Familie lassen uns erleben, dass oft leicht dahergesagte Sätze wie „Ihr seid jederzeit willkommen“ und „Bei uns ist immer ein Platz frei für Euch“ Realität werden. Überall werden wir herzlich empfangen und können so die Zeit überbrücken, bis wir uns mit unserer neuen Situation anfreunden. Das erfüllt uns noch immer mit viel Freude und Dankbarkeit und natürlich haben wir uns auch sehr gefreut, diese vielen lieben Menschen früher als gedacht wiederzusehen. Nach einigen Wochen entschließen wir uns dann zum Kauf eines Campervans, um Europa zu bereisen. Tja, Situation annehmen wie sie ist und das Beste draus machen… Unser neues Zuhause hatten wir Euch ja schon kurz vorgestellt.

Was ihr noch nicht gelesen habt, wir aber trotzdem erlebt haben:

Nachdem wir unseren Bus weitgehend zu einem funktionierenden Campervan ausgebaut haben, brechen wir in Richtung Italien auf. Ganz fertig sind wir zwar noch nicht, aber wir möchten langsam wieder ins Warme *grins. Unterwegs bauen wir gelegentlich unser Zuhause weiter aus, sehen und erleben aber vor allem wahnsinnig viel: Berglandschaften am Comer See und in der Basilikata, das dreckige und zugleich faszinierende Neapel, fast menschenleere traumhafte Orte wie Capri, Venedig oder die Cinque Terre, malerische Küstenlandschaften an der Amalfiküste und in Apulien, baden und schnorcheln in türkisfarbenem Wasser und architektonische Schätze wie in der „Trullistadt“ Alberobello oder in Matera, bescheren uns viele schöne Momente. Zudem machen wir noch einen Abstecher nach San Marino, in die älteste Republik der Welt. An die neue Reiseart mit dem eigenen Camper mussten wir uns erst gewöhnen, aber mittlerweile ist es gut, genau so, wie es ist. Unsere großen Rucksäcke sind zwar noch dabei, aber fast leer und gut verstaut. Wir schlafen jetzt seit vier Monaten im gleichen Bett (was zu Beginn echt komisch war…) und haben wieder ein Zuhause. Wir wissen jetzt viel mehr über Campervans, warum die Schlafrichtung wichtig ist, wie eine Stromversorgung funktioniert, welche Probleme das Abwasser bereiten kann und vieles mehr. Wir haben versucht, in dieser Zeit immer offen zu sein für Neues und im Rückblick war es sehr interessant und abwechslungsreich.

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typische Straßenszene in Neapel

Kurz vor Weihnachten wird es uns zu kalt in Italien und wir fahren nach Spanien. In Huelva steigen wir auf die Fähre, um nach 37 Stunden Gran Canaria zu erreichen. Und dort sitzen wir jetzt, schreiben diese Zeilen und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Wer hätte gedacht, dass wir nun ausgerechnet hier sind? Wir sicher nicht und wir hätten es auch nie als unseren Wunsch bezeichnet! Aber jetzt sind wir glücklich und dankbar!

Weltreise 2020 Spanien Gran Canaria Duenen Maspalomas
die Dünen von Maspalomas sind einzigartig in Europa

An dieser Stelle könnte unser Bericht enden, denn nun wisst ihr, was wir alles gesehen haben. Aber es ist noch viel mehr passiert in diesem Jahr und zwar in unseren Köpfen… Wir möchten gerne unsere Gedanken, Erkenntnisse und Erfahrungen mit Euch teilen, die uns geholfen haben, glücklich und zufrieden auf dieses chaotische und ungewisse Jahr 2020 zurückzublicken. Und vielleicht ist ja auch eine Inspiration dabei, die noch jemandem außer uns hilft. Das wäre natürlich fantastisch! OK, willkommen in unseren Gedanken…

Glücklich? Und verändert Reisen wirklich?

Die Fakten klingen erstmal nach Frust: Eine in unserem Leben noch nie dagewesene Pandemie hat für geschlossene Grenzen und sozialen Abstand gesorgt. In den von uns bereisten Ländern hatten wir seit Russland fast keinen Kontakt zu Einheimischen, konnten aufgrund von geschlossenen Restaurants kaum kulinarische Entdeckungen machen und mussten auch auf den Austausch mit anderen Reisenden in den Hostelküchen dieser Welt verzichten… Warum schreiben wir dann, dass wir trotzdem glücklich sind? Weil wir in dieser Zeit auch sehr viel gelernt und neue Perspektiven entwickelt haben. Weil sich Prioritäten verschoben haben und eine Reise zu uns selbst mindestens genauso spannend ist und es auch dabei noch unendlich viel zu entdecken gibt. Und weil wir die Situation mittlerweile (zumindest meistens) so akzeptieren, wie sie ist.

Liegt das nun am Reisen? Weil reisen eben verändert? Unsere Antwort ist: JA und NEIN… *grins. So, wie es oft genug im Internet verkauft wird, du steigst in den Flieger, reist zwölf Wochen mit deinem Rucksack durch Südostasien und kommst als neuer Mensch zurück, so sicher nicht. Klar, wenn du offen für Neues bist, kommst du mit vielen Eindrücken und Erlebnissen zurück. Aber ob diese dich verändern, entscheidest am Ende du selbst. Es liegt also an dir und daran, was du daraus machst. Reisen alleine ändert unserer Meinung nach nichts, aber es ist eine wunderbare Chance, zu sich zu finden. Für uns bedeutet das konkret, unsere Gewohnheiten, Denkmuster und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Für uns war es von Beginn an einer der Gründe, eine Weltreise zu beginnen: Wir möchten näher bei uns und jeder einzelne näher bei sich sein. Aber der Reihe nach:

Die Welt befindet sich seit Beginn der Pandemie (und somit auch seit Beginn unserer Weltreise) in einem ungewohnten Zustand. Viele uns unbekannte Situationen treten ein und wir wissen heute noch nicht, was in wenigen Tagen noch möglich sein wird. Es ist sehr interessant und natürlich ein Privileg, diese Zeiten in verschiedenen Ländern und Kulturen miterleben zu dürfen und beobachten zu können. Wie organisieren und verhalten sich die unterschiedlichen Gesellschaften in nahen und fernen Ländern? Wie wirken sich die unterschiedlichen individuellen Freiheiten in den Gesellschaften aus und wie stark ist eigentlich der Staat? Dies sind sehr spannende Fragen für uns und wir erleben sehr unterschiedliche Herangehensweisen im Umgang mit der Pandemie.

Was bleibt, ist immer die ständige Ungewissheit und die permanente Veränderung der Situation. Mittlerweile ist in uns die Erkenntnis gereift, dass diese Umstände und die aktuelle Zeit für eine Reise zu uns selbst wirklich prädestiniert sind. Wir empfinden die Situation nicht mehr als (nur) negativ, sondern (vielmehr) als positiv. Bitte nicht falsch verstehen! Natürlich ist jeder von dem Virus – in welcher Art auch immer – Betroffene, einer zu viel. Und das stimmt uns traurig. Nur wird es nicht besser, wenn wir uns ausschließlich auf das Negative konzentrieren. Deshalb fragen wir uns, was wir aus dieser chaotischen Zeit, die alles durcheinander wirbelt, Gutes ziehen können. Uns hat das Bild geholfen, dass die aktuelle Pandemie uns als Menschheit, aber auch jedem Einzelnen, den Teppich unter den Füßen weggerissen hat. Somit haben wir jetzt die Chance, zu sehen, was wir da alles so drunter gekehrt haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten, ohne dass wir den Teppich selbst mühsam wegschieben und hochheben müssen… Und für das Hingucken haben wir ja nun einmal, dank geschlossener Freizeiteinrichtungen und Kontaktbeschränkungen, gezwungenermaßen viel Zeit. Dadurch hat sich die Reise zu uns selbst deutlich beschleunigt und wir sind glücklich, dass es so gekommen ist.

1 Jahr Weltreise 2020 Erfahrungen Italien Achtsamkeit Meer Natur
perfekte Umgebung, um dankbar das Hier und Jetzt anzunehmen… (hier: Italien 2020)

Was haben wir nun konkret gemacht?

Eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt, ist, was uns eigentlich wirklich wichtig ist. Eine sehr spannende Frage und das Schöne daran ist, dass sie natürlich stets aktuell bleibt. An dieser Stelle nehmen wir den Faden vom Anfang des Beitrags wieder auf, dass wir lernen, zu sagen, was wir möchten und nicht ständig formulieren, was wir nicht möchten.

Ideen zu diesem Thema und erste Schritte dazu haben wir bereits vor der Weltreise unternommen, als wir uns eingehender mit der gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg beschäftigt haben. Dabei geht es vor allem um Wertschätzung, wahrhafte Empathie und das Erkennen der Bedürfnisse – und zwar sowohl bei den Gesprächspartnern, als auch bei sich selbst. Auf der Weltreise haben wir dann mit einem achtwöchigen Achtsamkeitsprogramm von Jon Kabat-Zinn weitergemacht (hier hatten wir erklärt, was es damit auf sich hat). Das war für uns beide eine sehr interessante Erfahrung, unter anderem 45 Minuten einfach nur aufrecht zu sitzen und zu atmen. Wenn wir die Augen schließen, verringert sich sofort die Flut an äußeren Reizen, die sonst so auf uns einprasseln. Schon alleine dadurch können wir sehr schnell zur Ruhe finden. Aber krass, was uns da alles so durch den Kopf gegangen ist… Genau da sollen die Achtsamkeitsübungen ansetzen und helfen, weder in der Vergangenheit festzustecken noch sich Sorgen um die Zukunft zu machen. Nur im gegenwärtigen Augenblick, im Jetzt, können wir unser Leben leben und gestalten und die Art, wie wir das tun, hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Zukunft! Denken wir positiv im Jetzt, werden sich auch positive Dinge in unserem Leben manifestieren… Nach den Übungen waren wir jedenfalls stets entspannt und haben unserem Körper durch das bewusste Atmen auch noch etwas Gutes getan (Hier hatten wir von unserem ersten Versuch erzählt. Am Anfang waren wir auch manchmal zu entspannt und sind eingeschlafen *grins).

Gegen Ende dieses Achtsamkeitsprogramms haben wir gleichzeitig noch an einer 21-Tage-Challenge teilgenommen, in der wir in einem Schnelldurchlauf einen umfassenden Einblick in die Innere-Kind-Arbeit erhalten haben. Der Name ist vielleicht nicht ganz glücklich gewählt, denn im Wesentlichen geht es auch hier darum, achtsam mit sich selbst zu sein und die eigenen Körperempfindungen und Gefühle bewusst wahrzunehmen. Wegen der Tatsache, dass viele unterdrückte Gefühle aus unserer Kindheit noch immer in uns gespeichert sind, wird diese Coaching-Methode auch Innere-Kind-Arbeit genannt. Und diese hat bei uns irgendetwas ausgelöst… Wir sind jedenfalls davon überzeugt, durch diese innere Arbeit an und mit uns einen bewussteren Umgang im Hier und Jetzt zu erschaffen. Auf dieser emotionalen Reise zu uns selbst sind wir nun die ersten Schritte gegangen, die uns unglaublich bereichern. Dies gilt sowohl für jeden von uns selbst, als auch für den Umgang im täglichen Miteinander, zwischen uns und mit jedem und allem, was uns im Außen so begegnet. Mittlerweile nehmen wir uns immer öfter und viel selbstverständlicher Zeit für uns. Wir wissen (und manchmal fühlen wir es sogar auch), wie viel wir verpassen, wenn wir diese persönliche Zeit aus unserem Tag streichen.

Und dann wäre da noch das Thema Medien, Nachrichten,… Gerade in diesem Jahr war, nach unserer Wahrnehmung, die tägliche Flut an negativen (und teilweise spalterischen) Nachrichten extrem belastend. Alle paar Minuten gibt es neue Schlagzeilen, wo das nächste Unglück passiert ist oder es wird mit dem Finger auf andere gezeigt, was die nun wieder alles falsch gemacht haben (sollen). Durch den Aufenthalt in verschiedenen Ländern haben wir außerdem wieder einmal erfahren, wie sehr die Wahrheit in den Medien durch gezieltes Selektieren und Weglassen verbogen werden kann. Das hat uns geradezu wütend gemacht und frustriert. Deshalb haben wir uns entschieden, grundsätzlich keine Nachrichten mehr zu gucken und zu lesen. Wir möchten selbst entscheiden, welche Informationen wir an uns heranlassen. Wenn uns ein bestimmtes Thema interessiert, suchen wir gezielt nach neuen Informationen dazu oder verfolgen gelegentlich spezielle Seiten, die uns inspirieren und gedanklichen Input geben. So bestimmen wir selbst, mit welchen Inhalten wir uns beschäftigen und reduzieren die Menge an negativem Einfluss in unserem Alltag. Und das tut echt gut!

War es jetzt das, was wir noch mit Euch teilen wollten? Ja, irgendwie schon… einfach unsere Gedanken und Dinge, die uns im letzten Jahr beschäftigt haben. Vielleicht ist es noch wenig konkret, aber es ist für uns auch schwierig, es in Worte zu fassen. Wenn wir einfach dreimal die Woche joggen würden (wäre sicher auch nicht schlecht *grins), dann wäre es viel leichter aufzuschreiben, als zu erklären, was die innere Arbeit mit uns macht. Wir denken, es ist eher ein langsamer Prozess (wobei: Manchmal ist er auch sprunghaft und wir haben plötzlich ein Aha-Erlebnis, dass irgendetwas anders ist, als es die letzten Jahre war) und es sind Kleinigkeiten, die wir in unseren Alltag integrieren, die uns aber nach und nach zu einem neuen Mindset verhelfen und unsere Lebensweise umkrempeln…

Muss nun jeder, der diese innere Reise antreten möchte, auch auf Weltreise gehen? Nein, sicher nicht! Aber für uns war und ist die Reise sehr hilfreich in diesem Pozess. Unterwegs können wir uns unsere Zeit frei einteilen und sind zudem oft in der Natur, was uns im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder erdet und uns auf das Fokussieren lässt, was uns wirklich wichtig ist.


Wie geht es weiter in 2021?

Sagen wir mal so: Planen werden wir vorerst nichts und es wird schon so kommen, wie es kommen soll. Auch dieses Vertrauen spüren wir mittlerweile.

Vielleicht noch eines, was zumindest ziemlich sicher ist: Wenn es im restlichen Europa warm genug ist und die allgemeine Pandemielage es zulässt, fahren wir mit der Fähre zurück auf das spanische Festland. Und dann? Sicherlich gibt es auch noch genügend Länder in Europa, die uns interessieren. Naheliegend wären dies zunächst Portugal, Spanien und Frankreich. Andererseits haben wir auch weiterhin die Hoffnung, Südostasien endlich einmal zu entdecken und die Einreise nach Thailand ist im Moment zum Beispiel möglich. Wer weiß, vielleicht ergibt sich auch etwas ganz anderes? Unabhängig von allen persönlichen Entwicklungen und der Entwicklung in der Welt, bleibt eines wie es ist: Wir möchten weiter reisen! Es gibt noch unendlich viel zu entdecken und wir freuen uns, mehr von dieser faszinierenden Welt zu sehen. Warten wir also was kommt und nehmen es dankbar an.


Wir sind gespannt auf unser zweites Weltreisejahr und den Rückblick, den wir dann in 2022 schreiben… Kommt doch gerne wieder mit uns, wir freuen uns, wenn ihr dabei seid! Alles Liebe Thomas und Jenny

2 Kommentare

  1. Hay muchas cosas extraordinarias en vuestro viaje que no es solo geográfico.
    Que la ventura os acompañe en tan interesante peregrinación, que creo habéis preparado durante años

    1. Hola Rafael! Qué alegría saber de ti aquí en nuestra página!! Gracias por tu interés. El alma del mundo nos inspiré mucho, no sólo los vértices en los lugares diferentes e impresionantes, sino también la idea del proyecto.
      Gracias por tus deseos! Qué bien qué estamos en contacto. Cuidate mucho!! Saludos Thomas y Jenny

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